Simone Reinhart produziert in Amriswil Tofu in einer alten Käserei

Die 24-jährige Amriswilerin Simone Reinhart stellt in ihrem Soja Atelier Weiherhof verschiedene Tofusorten her. Die Sojabohnen baut sie selber an.

Rosa Schmitz
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Simone Reinhart will mit ihrem Produkt eine Marktlücke füllen.

Simone Reinhart will mit ihrem Produkt eine Marktlücke füllen.

Bild: Donato Caspari

Das Soja Atelier Weiherhof hat ein Nische-Produkt entdeckt. Hochwertigen Tofu. «Die Nachfrage dafür wird völlig unterschätzt – Sojabohnen können in so vielen Varianten verarbeitet und verzehrt werden», sagt Gründerin Simone Reinhart.

Die 24-jährige Amriswilerin produziert an der Niederaacherstrasse 13 diverse Sorten Tofu. Derzeit sind ein in Balsamico- und in Sojasauce marinierter Tofu, ein Tofu in Senfmarinade, ein Tofu in einer mediterranen Marinade, ein süss-sauer angemachter Tofu mit Sesam und ein natürlicher Tofu im Sortiment. Alles vegan. Damit möchte das Soja Atelier Weiherhof eine Marktlücke füllen.

Zu wenige hochwertige Produkte in Supermärkten

«Vegan ist mittlerweile mehr als eine Ernährungsweise», sagt Reinhart, die selber seit drei Jahren keine tierischen Produkte mehr isst. Es sei eine Lebenseinstellung: bewusster und nachhaltiger konsumieren, sich auch mal in Verzicht üben. Menschen, die sich rein pflanzlich ernähren, würden sich meist auch intensiver mit den Auswirkungen ihrer Lebensweise auf die Umwelt und den Planeten auseinandersetzen. Reinhart sagt:

«Die meisten legen grossen Wert auf ihre Gesundheit, auf Nachhaltigkeitsthemen sowie Umwelt- und Tierschutz.»

Das passe genau in unsere Zeit. Dennoch sei das Angebot an pflanzlichen Lebensmitteln, das derzeit in Supermärkten aufzufinden ist, nicht ausreichend. Zwar gäbe es einiges an Auswahl, inklusive Alternativen zu Fleisch- und Milchprodukten. Aber es würde an Hochwertigkeit mangeln, findet Reinhart.

250 Kilo Sojabohnen ergeben 400 Kilo Tofu

«Daher wollte ich versuchen, ein paar vegane Produkte selber zu Hause herstellen – insbesondere Tofu», sagt Reinhart. Sie hätte fertigen Tofu nicht sehr gern gehabt und wollte wissen, wie er schmeckt, wenn er frisch zubereitet ist. Das Fazit: «Weich, neutral im Geschmack und sehr vielfältig verwendbar.»

So kam ihr die Idee, selber Sojabohnen anzubauen. Anfangs machte sie sich die Arbeit nur für sich selbst. Aber die Eltern Sandra und Richard Reinhart waren der Meinung, ihre Tochter sollte ihre Produktion vergrössern und boten ihr ein Stück Land im Weiherhof an.

Dort baute Reinhart dann letzten Sommer 250 Kilogramm Sojabohnen an. Die sie zu 400 Kilogramm Tofu verarbeiten kann. «Da das natürlich extrem viel ist, habe ich mich entschieden, nicht nur für den privaten Verbrauch zu produzieren», sagt Reinhart. Im Herbst bestellte sie sich Mühle und Kochmaschine aus China und mietete einen Raum in einer alten Käserei.

Die in Amriswil angebauten Sojabohnen.

Die in Amriswil angebauten Sojabohnen.

Bild: Donato Caspari

Am Wochenmarkt oder per E-Mail und Telefon

Der Tofu vom Soja Atelier Weiherhof kommt gut an. Er wird am Wochenmarkt in Amriswil (Donnerstags) und Frauenfeld (Samstags) verkauft – für 30 Franken pro Kilogram. Ab Mitte März auch in Winterthur. Sonst wird auf Anfrage per E-Mail oder Telefon ausgeliefert. Reinhart sagt:

«Es sind bereits einige Veganer auf mich zugekommen und haben mir gesagt, dass sie sich freuen, endlich hochwertigen Tofu kaufen zu können.»

Allerdings: Produkte, die rein pflanzlich hergestellt sind, sprechen nicht nur vegan lebende Konsumenten an. «Viele Leute, die vegane Produkte kaufen, sind keine Veganer.» Daher würden sie ein gutes Potenzial für den Markt bieten.

Beinahe der Mutter in den Kantonsrat gefolgt

Derzeit arbeitet Reinhart aber weiterhin zu 100 Prozent als Projektleiterin im Bereich Bodenschutz. Um ihr neues Unternehmen weiterzubetreiben, würde sie gerne reduzieren. «Der Anlauf war gut. Es gab keine riesigen Startkosten und die, die es gab, konnte ich mit Ersparnissen abdecken. Es wird kein Defizit verzeichnet. Aber ich verbringe einen Grossteil meiner Freizeit mit der Arbeit», sagt Reinhart.

Es wäre eine grosse Erleichterung, hätte Reinhart wieder etwas mehr Luft – somit auch mehr Energie für ihr politisches Engagement. Seit zwei Jahren ist sie bei den Jungen Grünen und kandierte vergangenes Wochenende für den Kantonsrat. Sie belegte im Bezirk Arbon den 4.Platz und ist somit erste Ersatzfrau. Ihre Mutter Sandra hingegen schaffte als Zweitplatzierte den Sprung ins Kantonsparlament.

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