Siegesserie reisst
4:5 nach Verlängerung: Der HC Thurgau verschenkt daheim gegen Langenthal zwei Punkte

In der 60. Minute steuert Thurgaus Patrick Spannring aufs verwaiste Langenthaler Tor zu und muss nur noch den Puck zum 5:3 über die Linie bugsieren. Doch der Stürmer entscheidet sich anders. Ein folgenschwerer Fehler.

Matthias Hafen
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Langenthals Vincenzo Küng macht dem HC Thurgau (Goalie Bryan Rüegger und Bernhard Fechtig) das Leben schwer.

Langenthals Vincenzo Küng macht dem HC Thurgau (Goalie Bryan Rüegger und Bernhard Fechtig) das Leben schwer.

Bild: Mario Gaccioli

Manchmal, da bricht die ganze Welt über einem zusammen. So geschehen dem HC Thurgau am Freitagabend. 4:3 führte der Leader der Swiss League daheim gegen den SC Langenthal, war auf bestem Weg, seine Ungeschlagenheit im eigenen Stadion auch im achten Heimspiel zu bewahren. Es liefen die letzten Sekunden der Partie und Patrick Spannring hatte nur noch das leere gegnerische Tor vor sich. Das 5:3 schien eine klare Sache. Doch anstatt die kleine schwarze Scheibe einfach geradeaus ins Tor zu bugsieren, wollte Spannring seinem Kollegen Jan Mosimann rüberpassen. Ein folgenschwerer Fehler.

Weil Spannring die Querbewegung machte, konnte Langenthals Topskorer Vincenzo Küng dem Österreicher von hinten an den Stock schlagen und das Spielgerät zerbrechen. Die Berner reagierten blitzschnell, fuhren ihrerseits einen Konter und kamen durch Eero Elo 33 Sekunden vor Spielende völlig unverhofft zum Ausgleich. So viel kann schief gehen, wenn man eine kleine falsche Entscheidung trifft – zumindest aus Thurgauer Sicht.

Spannring rollt Langenthal ein zweites Mal den Teppich aus

Spannring verstand die Welt nicht mehr, reklamierte bei den Schiedsrichtern überemotional. Zu recht eigentlich, doch damit erwies er seinem Team zusätzlich einen Bärendienst. Denn Spannring musste nun auch noch für zwei plus zehn Minuten auf die Strafbank und ermöglichte dem SC Langenthal damit zu Beginn der Verlängerung ein Powerplay. In dieser Overtime brach die Welt über dem Leader komplett zusammen. Denn wiederum Elo nutzte die Überzahl zum entscheidenden 5:4. Dass damit Thurgaus Erfolgsserie von lauter Heimsiegen in dieser Saison endete, war aufgrund des völlig verrückten Spielendes nur noch Nebensache. Innert 120 Sekunden war die Partie dem HCT komplett entglitten.

Thurgaus Fans, die coronabedingt ausgesperrt sind, lassen sich immer wieder neue Ideen einfallen, um ihre Mannschaft mental zu unterstützen.

Thurgaus Fans, die coronabedingt ausgesperrt sind, lassen sich immer wieder neue Ideen einfallen, um ihre Mannschaft mental zu unterstützen.

Mario Gaccioli

Dabei war die Mannschaft von Trainer Stephan Mair auf gutem Weg, schien mit ihrem Siegeswillen nicht gerade Berge versetzen zu können, aber immerhin neun Spieler von der Tribüne aufs Eis. Denn die vielen verletzungsbedingten Absenzen kompensierten die Thurgauer einmal mehr bravourös. Im Startdrittel herrschte zwar in der Defensivzone des Heimteams immer wieder ein Durcheinander, was Langenthal zur 3:2-Führung nutzte. Doch mit nur drei Verteidigerpaaren angetreten – und das nicht zum ersten Mal in dieser Saison – war das ein akzeptabler Schaden für den HCT. Und als ab dem zweiten Drittel die Zuordnung in Mairs Equipe wieder stimmte, erzielte nur noch das Heimteam Tore.

Immer wieder Torgefahr durch Darcy Murphy

Bei Spielmitte glich Joel Scheidegger nach Vorarbeit von Lars Kellenberger und Darcy Murphy zum 3:3 aus. Und es war der bislang eher enttäuschende Kanadier Murphy, der in der 53. Minute im Powerplay einen Puck zur 4:3-Führung über Langenthals Torlinie drückte – zusammen mit Mattia Hinterkircher. Vielleicht wäre der Abend zum Sinnbild geworden für Darcy Murphys Auferstehung beim HC Thurgau. Doch dazu hätte Teamkollege Spannring in den Schlusssekunden die richtige Entscheidung fällen müssen. So aber bleibt dem HCT nichts anderes übrig, als am Sonntag um 16 Uhr in Winterthur zu beweisen, dass man die gleichen Fehler nicht zweimal machen darf.

Thurgau – Langenthal 4:5 n. V. (2:3, 1:0, 1:1)

Güttingersreuti, Weinfelden – 50 Zuschauer – SR Dipietro/Nikolic, Betschart/Nater.
Tore: 5. Küng (Tschannen, Kummer) 0:1. 9. Rehak (Hinterkircher, Hagel) 1:1. 11. (10:09) Spannring (Hobi) 2:1. 12. (11:40) Elo (Küng, Tschannen) 2:2. 17. Wyss (Kämpf, Rüegsegger) 2:3. 30. Scheidegger (Murphy, Kellenberger) 3:3. 53. Murphy (Ausschluss Kämpf) 4:3. 60. (59:27) Elo 4:4. 62. Elo (Christen, Tschannen/Ausschluss Spannring) 4:5.
Strafen: 2-mal 2 Minuten plus 10 Minuten (Spannring) gegen Thurgau, 1-mal 2 Minuten gegen Langenthal.
Thurgau: Rüegger; Fechtig, Moor; Schmuckli, Soracreppa; Scheidegger, Schmutz; Hinterkircher, Rehak, Hagel; Lanz, Hobi, Spannring; Murphy, Fritsche, Mosimann; Bischofberger, Kellenberger, Schnyder.
Langenthal: Henauer; Müller, Christen; Bircher, Maret; Weber, Pienitz; Higgins; Tschannen, Kummer, Küng; Walker, Kläy, Elo; Wyss, Kämpf, Rüegsegger; Gerber, Schläpfer, Dähler; Nyffeler.
Bemerkungen: Thurgau ohne Rundqvist, Hulak, Brändli, Parati, Wildhaber, Janik Loosli, Baumann, Moser (alle verletzt), Hollenstein (krank), Michael Loosli und Kay Schweri (Rapperswil-Jona/NLA). Langenthal ohne Caminada, Guggenheim (beide verletzt), Chanton, Derungs, Dobryskin und Wigger (alle überzählig). – 58:53 Timeout Langenthal, danach ohne Goalie.

Nächstes Spiel: Sonntag, 16.00 Uhr, Winterthur – Thurgau