Altersheim Rosengarten in Kradolf praktiziert verständnisvolle Gelassenheit

Die Herausforderungen sind im Pflegebereich derzeit besonders gross. Jedes noch so kleine Risiko muss vermieden werden. Ein Besuch im Tertianum Rosengarten zeigt, wie das geht.

Christof Lampart
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Der Geschäftsführer des Tertianum Rosengarten, Daniel Kübler, schützt sich auch an seinem Arbeitsplatz mit einer Maske.

Der Geschäftsführer des Tertianum Rosengarten, Daniel Kübler, schützt sich auch an seinem Arbeitsplatz mit einer Maske.

Bild: Christof Lampart

Der Empfang könnte nicht idyllischer sein. Wer in diesen Tagen beim Tertianum Rosengarten vorfährt, wird von tirilierenden Vögeln empfangen, die in einer Voliere, welche im Garten des Tertianum Rosengarten aufgestellt ist, fröhlich vor sich hin zwitschern. So etwas tut einfach gut; vor allem in diesen doch für viele so bedrückenden Tagen.

Beim Eingang endet die Idylle jedoch abrupt. Denn hier wird jede und jeder von Masken empfangen, gehört doch die Schutzkleidung aktuell so selbstverständlich zur Ausrüstung des Heimpersonals wie das Amen zur Kirche. Sicherheit geht vor – diesem Prinzip unterziehen sich hier alle.

Kontrolle mit Fieberthermometer

Eintretenden wird ein Fieberthermometer an die Stirn gehalten: «36,6 – Sie dürfen rein», wird einem beschieden, nachdem man sich gründlich die Hände desinfiziert hat. Bei 37 Grad wäre der Zutritt verweigert worden – auch wenn das Bundesamt für Gesundheit die Fieber-Limite deutlich höher angesetzt hat.

Wer sich Gästen näher als auf zwei Metern annähert, muss einen Mundschutz tragen. «Wir wollen unsere Gäste und uns selbst schützen; da gehen wir kein Risiko ein», erklärt Daniel Kübler, welcher nicht nur Geschäftsführer des «Rosengarten» ist, sondern auch jener des Tertianum Zedernpark in Weinfelden. In Kradolf kümmern sich 23 Mitarbeitende, davon 15 Vollzeitstellen, um 20 Bewohner. In Weinfelden sind es 57 Mitarbeitende und 56 Bewohner.

Verständnis erleichtert Arbeit der Pflegenden

Das Gespräch wird in der ansonsten leeren Cafeteria mit gebührendem Abstand geführt. Aus dem Nebenraum dringt gedämpftes Lachen. Vier Frauen sind zusammen mit Aktivierungstherapeutin Irma Jud beschäftigt. Ein Foto darf geschossen werden, da das Social Distancing gewahrt bleibt.

Doch, doch, man sehe schon ein, dass alle Angestellten jetzt Masken tragen müssen und die Besuche weniger als sonst wären. «Das geht ja schon wieder vorbei; wir müssen jetzt einfach geduldig sein», meint eine Bewohnerin lakonisch. Und eine andere ergänzt: «Es ist ja nur zu unserem eigenen Besten.»

Hoffen auf grössere Wertschätzung

Für Daniel Kübler ist diese verständnisvolle Gelassenheit «ein grosses Geschenk», welches die Arbeit der Pflegenden sehr erleichtere. Kübler fiel in den letzten Tagen auf, dass «in der relativen Kleinheit unserer Heime alle nicht nur räumlich, sondern auch menschlich näher zusammengerückt sind. Wir sind ein eingeschworenes Team», so Kübler.

Nicht zuletzt deshalb erachtet der Geschäftsführer es als ein Gebot der Stunde, den Mitarbeitenden zu danken. «Mit wie viel Empathie sie ihren Dienst an den älteren Mitmenschen unter schwierigen Bedingungen leisten, ist fantastisch», lobt Kübler, der sich, spätestens für die Zeit nach der Covid-19-Pandemie, von der politischen Exekutive, eine grössere ideelle und finanzielle Wertschätzung für die Berufsgruppe Pflege erhofft.

Auch dem Bund, dem Kanton und den Verbänden, aber auch dem Management der 80 Institutionen umfassenden Tertianum Gruppe, zollt Kübler Lob. «Sie alle leisten aktuell eine hervorragende Arbeit. Die relevanten Informationen kommen zeitnah, sind sehr praxisorientiert und für uns vor Ort eine echte Hilfe», sagt Kübler.