Sie will die Angst vor dem Rednerpult überwinden: Die Weinfelderin Petra Merz geht erste Schritte auf dem politischen Parkett

Petra Merz ist seit einer Woche CVP-Kantonsrätin und im Weinfelder Stadtparlament für Jung und Aktiv.

Sabrina Bächi
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Petra Merz steht am Anfang ihrer politischen Karriere.

Petra Merz steht am Anfang ihrer politischen Karriere.

Reto Martin

Der März hat Petra Merz Glück gebracht. In einer Woche ist sie vom Politisieren in der Jungpartei und der Ortsgruppe zur Stadtparlamentarierin und schliesslich vergangenen Sonntag auch zur Grossrätin aufgestiegen. Nun wird ihr Gesicht nicht nur auf Plakaten, sondern auch beim Rednerpult zu sehen sein.

In das Stadtparlament rückt sie für die Gruppierung Jung und Aktiv nach, da Samuel Curau wegen seines Alters aufhört. Den Sprung in den Kantonsrat hat sie für die CVP Bezirk Weinfelden mit 1420 Stimmen geschafft. «Gehofft habe ich es natürlich, dass es diesmal reicht», sagt Petra Merz.

Grosser Aufwand für den Wahlerfolg

Bereits vor vier Jahren erreichte sie bei den Grossratswahlen ein sehr gutes Resultat, landete dann aber auf dem Ersatzplatz. Nun hat sie gar gestandene Politiker hinter sich gelassen und den Sprung in das kantonale Parlament gepackt.

Der Aufwand, den sie dafür betrieben habe, sei gross gewesen: Plakatieren, Telefon-Aktionen, Briefe und Postkarten verschicken, Tür-zu-Tür Wahlkampf, Werbung über die sozialen Medien. «Ich habe versucht sehr breit zu mobilisieren», sagt sie. Es sei intensiv aber spannend gewesen.

Im Wahlkampf wie generell in der Politik müsse man sich den Diskussionen stellen – und schliesslich auch behaupten können.

Eine Stimme für die Alleinerziehenden

Sie werde sich bei Themenfeldern wie etwa der Bildung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der Energiepolitik einsetzen. «Im Bereich Bildung bringe ich als Lehrerin Wissen von der Front mit, das ist bestimmt ein Vorteil», sagt die 27-Jährige. Als junge Frau sei sie aber auch an Themen wie Gleichstellung interessiert. «Es ist zentral, dass Frauen in der Politik gleich vertreten sind wie die Männer, da haben wir noch einiges zu tun.»

Junge Frauen müssten vermehrt motiviert werden, politisch aktiv zu sein. Das Potenzial sei vorhanden, es gebe einige, die sich das vorstellen könnten. «Es braucht immer beide Perspektiven», ist Merz überzeugt. Eine Perspektive die jedoch immer noch schlecht vertreten sei, das ist in ihren Augen die Einelternfamilien-Perspektive. «Ich werde versuchen auch den Alleinerziehenden eine Stimme zu geben.» Hierbei wolle sie etwa auch auf Rat von Betroffenen hören, sagt Merz.

Politik liegt in der Familie

Dass ihr politisches Herz für die CVP schlägt, hat auch mit ihrem Vater, Thomas Merz, zu tun. «Politik war bei uns in der Familie immer Thema. Die CVP finde ich als Partei ansprechend, weil sie lösungsorientiert ist», sagt Merz. Das entspreche ihr. Sie lese sich immer zuerst ein und versuche sich eine fundierte Meinung zu bilden, bevor sie ans Rednerpult stehen würde.

Vor ihrem ersten Gang ans Rednerpult habe sie etwas Respekt. Aber:

«Ich will mitreden, deshalb werde ich mich daran gewöhnen.»

Ihr Vater werde sie weiterhin unterstützen. Seine Bekanntheit sei bei den Wahlen vermutlich ein Vorteil für sie gewesen, mutmasst sie. Nun sei es aber sehr wichtig, dass sie die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger davon überzeugen könne, dass sie nicht einfach ihrem Vater nachplappere, sondern sich mit eigenen politischen Anliegen für die Bevölkerung einsetze.

«Mein Vater und ich sind uns politisch schon ähnlich, aber ich würde sagen, dass ich noch etwas linker bin als er», sagt sie und lächelt. In vier Jahren zeige sich dann, ob die Bevölkerung auch der Meinung ist, dass sie aus ihren Kinderschuhen herausgewachsen ist.