Hefenhofens ehemaliger Gemeindepräsident blickt auf seine Amtszeit zurück

Am 31. Mai endete die Amtszeit von Andreas Diethelm als Gemeindepräsident von Hefenhofen nach sieben Jahren. Ebenso lange war Nadja Flammer als Gemeindeschreiberin tätig. Das Duo blickt auf die gemeinsame und teils äusserst turbulente Zeit zurück.

Interview: Manuel Nagel
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Andreas Diethelm hat das Gemeindehaus in Brüschwil bereits verlassen, und auch für Nadja Flammer heisst es schon bald Abschied nehmen von der Hefenhofer Verwaltung.: (Bild: Manuel Nagel)

Andreas Diethelm hat das Gemeindehaus in Brüschwil bereits verlassen, und auch für Nadja Flammer heisst es schon bald Abschied nehmen von der Hefenhofer Verwaltung.: (Bild: Manuel Nagel)

Andreas Diethelm, an Ihrer letzten Gemeindeversammlung als Präsident bezeichneten Sie Ihre Gemeindeschreiberin als rechte und linke Hand. Wieso das?

Diethelm: Bei meinem Amtsantritt am 1. Mai 2012 ging es drunter und drüber. Die Stelle des Gemeindeschreibers war vakant und auch die Leiterin des Steueramtes fiel kurz danach aus. Es fehlten 200 Stellenprozente auf der Verwaltung und ich war unglaublich froh, als am 1. Juli Nadja Flammer ihre Stelle antrat.

Flammer: Andreas Diethelm hatte keine grosse Verwaltungserfahrung. Diese hatte ich zwar und konnte ihm auch meine Erfahrungen weitergeben, aber es war das erste Mal, dass ich eine Führungsposition inne hatte.

Wie kamen Sie überhaupt zu ihren Ämtern?

Diethelm: Als 2011 ein neuer Gemeindeammann gesucht wurde, war ich Feuerwehrkommandant und für mich war klar, dass ich das nicht mache, auch wenn es da ab und zu aus Jux hiess, dieses Amt könne ich ja auch noch ausüben. Aber mit dem eigenen Geschäft war ich genug ausgelastet.

Und was hat dann bei Ihnen zum Umdenken geführt?

Diethelm: Im Herbst rief mich die Findungskommission an. Es gebe zwar Kandidaten, sie wolle aber auch noch einen Einheimischen. Ob ich mir das vorstellen könne.

Was Sie sich offensichtlich konnten.

Diethelm: Ja, ich begann zu überlegen, was das für mein Umfeld bedeuten würde. Ich führte Gespräche und kam zum Schluss: «Wieso nicht? Das probiere ich.» Denn überall, im Geschäft, bei der Feuerwehr und in der Familie haben sich Lösungen abgezeichnet. Zudem bin ich hier aufgewachsen und Bürger von Hefenhofen – und ich habe immer gesagt: «Es isch mini Gmeind.»

Was hat Sie nach Hefenhofen geführt, Nadja Flammer?

Flammer: Ich war Sachbearbeiterin bei den Technischen Betrieben in Amriswil. 2010 schloss ich als Betriebswirtschafter HF ab und für mich war klar, dass ich das auch anwenden will. Irgendwann sah ich das Inserat für den Gemeindeschreiberposten hier. Aber ich dachte, das sei wohl doch noch eine Stufe zu hoch.

Aber Sie haben sich dann doch beworben?

Flammer: Erst drei, vier Monate später, als die Stelle erneut ausgeschrieben war, weil mein Vorgänger nur kurz im Amt war. Ich wollte nur schauen, wie weit ich komme, rechnete mir aber wegen meines jungen Alters von 26 und ohne Berufserfahrung keine grossen Chancen aus. Es war wohl ein Zeichen, dass ich das Inserat für dieses Amt zweimal sah, denn ich war nicht aktiv auf Stellensuche.

Und Sie wurden gleich ins kalte Wasser geworfen.

Flammer: Ja, das war sehr prägend für mich, denn Andreas Diethelm brachte ja auch keine Verwaltungserfahrung mit. Ich hatte niemanden mehr vor mir, musste plötzlich Entscheidungen treffen und sagen «doch, so machen wir es jetzt».

Diethelm: Vor unserer Zeit stand die Verwaltung stark in der Kritik, auch wegen der vielen personellen Wechsel. Das war sicher unser Verdienst als Team, dass wir das Vertrauen der Bevölkerung wieder herstellen konnten.

Hatten Sie in dieser Anfangsphase auch den einen oder anderen Bock geschossen?

Flammer: Uns kam sicher entgegen, dass die Erwartungshaltung der Bevölkerung damals ziemlich tief war. Wir konnten es aus ihrer Sicht nur besser machen. Auch wir haben Fehler gemacht, aber nicht so, dass es uns wie ein Hammer getroffen hätte.

Zu dieser Zeit stand auch die Fusion mit Amriswil im Raum. Hatten Sie damals Bedenken, schon bald wieder ohne Job da zu stehen?

Diethelm: Hätten sich die Hefenhofer für die Aufnahme von Fusionsverhandlungen ausgesprochen, hätten wir damit rechen müssen, dass eine Fusion in den nächsten zwei bis drei Jahren Tatsache geworden wäre.

Flammer: Aber als die Fusionsverhandlungen mit über zwei Drittel abgelehnt wurden, war das für uns ein Zeichen, dass die Bevölkerung hinter der Verwaltung steht und uns vertraut. Wir konnten das Ruder herumreissen.

Diethelm: Für uns war gut, war die Abstimmung erst im September 2013 und nicht schon 2012. Das gab der Verwaltung die Möglichkeit, der Bevölkerung zu beweisen, was sie kann und wie sie funktioniert.

Konnten Sie danach endlich in Ruhe arbeiten und endlich ankommen?

Flammer: Also langweilig wurde es nie. Ab 2014 arbeiteten wir an einer neuen Webseite und am Auftritt mit neuem Logo und Briefpapier. Es gab viele Projekte, die der Bürger gar nicht bemerkt hat, wie viel Arbeit dahinter steckte – wie die Umstellung auf HRM2, das harmonisierte Rechnungsmodell für Gemeinden.

Diethelm: Bei mir kam dann die Phase, in der ich die Doppelbelastung zu spüren begann: Zu 60 Prozent war ich Gemeindepräsident und ein 40-Prozent-Pensum hatte ich als Geschäftsleiter eines Ausbildungszentrums in St. Gallen. Die Kombination war relativ heftig, denn es standen da wie dort sehr viele Sitzungen an.

Dann wechselten Sie Ihren zweiten Job.

Diethelm: Richtig. 2016 wechselte ich vom AZ SSH zur Feuerwehr Romanshorn mit einem 20 bis 25-Prozent-Pensum. Doch die erhoffte Luft brachte das nicht.

Mit welcher Konsequenz?

Diethelm: Dass ich im Juli 2017 entschied, mich nur noch auf eine Aufgabe zu konzentrieren.

Also kurz vor dem Sturm, der ab dem 3. August 2017 über Sie und Ihre Gemeinde hinweg fegte und schweizweit für Furore gesorgt hat.

Diethelm: Ja. Aber der «Fall Hefenhofen» hatte keinerlei Einfluss, dass ich nicht mehr Präsident sein wollte. Im Gegenteil. Es war eine gute Erfahrung und ich sah, dass es mich gebraucht hat.

Aber Sie sahen sich sowohl in der Boulevardpresse wie auch in den sozialen Medien massiver Kritik ausgesetzt. Nahmen Sie das nicht persönlich?

Diethelm: Rückblickend bin ich erstaunt, wie gut ich das trennen konnte, dass ich als Amtsträger und nicht als Privatmann kritisiert wurde.

Hat Sie dennoch eine Schlagzeile persönlich getroffen?

Diethelm: Nahe ging mir, als ich auf der Titelseite des Blick als einer der drei Affen, die nichts sehen, hören und sagen dargestellt wurde. An jenem Tag hatte ich beim Einkaufen das Gefühl, jeder schaut mich an und zeigt auf mich.

Wie sieht eigentlich Ihre berufliche Zukunft aus?

Diethelm: Ich kehre zurück in die Metallbranche. Diese Türe tat sich erst in diesem Frühjahr auf.

Flammer: Ich werde bald Mutter. Auf diese Aufgabe will ich mich nun konzentrieren. Was danach kommt, entscheide ich zu einem späteren Zeitpunkt.

Hefenhofen ist nur an einem Ort urban -

Die Gemeinde Hefenhofen orientierte die Bevölkerung über den Stand der Ortsplanung. Zu reden gab vor allem die Verkehrssituation. Kritik gab es zudem für die kurze Dauer der Vernehmlassung.
Manuel Nagel