Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Interview

Sie wagten den Sprung ins Ungewisse

Florian Rexer, Andi Angehrn und Roman Bottlang blicken zurück auf die Anfänge der Schlossfestspiele in Hagenwil vor zehn Jahren.
Interview: Manuel Nagel
Florian Rexer, Andi Angehrn und Roman Bottlang riefen vor zehn Jahren die Schlossfestspiele ins Leben. Bild: Manuel Nagel

Florian Rexer, Andi Angehrn und Roman Bottlang riefen vor zehn Jahren die Schlossfestspiele ins Leben. Bild: Manuel Nagel

Vor zehn Jahren habt Ihr zum ersten Mal Theatergäste im Schlosshof empfangen. Wer hatte die Idee für ein Open-Air-Theater in Hagenwil?

Andi Angehrn: Das war ganz klar Flo.

Roman Bottlang: Ja, Florian hatte einen Auftritt im Schloss und ging danach auf Andi zu. Daran kann ich mich noch gut erinnern.

Florian Rexer: Das war 2009. Damals hatte ich mein erstes Gastspiel als Solist im Schloss Hagenwil. Danach entstanden zunächst das Gruseldinner sowie weitere Dinnerevents unter meiner Regie. Eines Tages sagte ich zu Andi: «Lass uns Sommertheater machen hier im Schlosshof. Klein aber fein.» So ist die Idee entstanden.

Und glaubten alle drei von Beginn weg an diese Idee?

Rexer: Naja ...

Angehrn: Nach kurzer Überzeugungsarbeit seitens Flo, ja.

Rexer: Andi war zwar begeistert, aber etwas vorsichtig. Er wollte seinen Marketing-Fachmann dazu holen. Ich fand das gut, schliesslich brauchten wir ja auch Flyer und Plakate. Schliesslich brachte Roman doch viel mehr als nur die Werbemittel mit – und er wurde auch unser erster Vereinspräsident.

Der Schlosshof hat viel Charme, unbestritten. Aber er schreit mit seinen baulichen Gegebenheiten, den Pfeilern, den engen Platzverhältnissen und dem Eckbau nicht direkt nach Theater. Gaben diese speziellen Rahmenbedingungen anfänglich Diskussionen?

Bottlang: Ja sehr. Der Bühnenstandort war ein grosses Thema. Wir haben verschiedene Ansätze diskutiert, so auch eine grosse Bühne vor dem Schloss.

Rexer: Oh ja, ich erinnere mich gut. Zum Glück hat uns mein Berufskollege und Bühnenbildner Peter Affentranger, der sehr viel Erfahrung mitbrachte, unterstützt. Er fand schon bei «Karls Kühne Gassenschau» mit Roman Signer und Christoph Marthaler die besten Lösungen für ausgefallene Orte.

Angehrn: Was heisst gab? Die baulichen Rahmenbedingungen geben auch heute noch jedes Jahr zu diskutieren.

Bottlang: Letztlich haben wir uns schauspieltechnisch für die anspruchsvollste und spannendste Variante entschieden.

Florian Rexer, Andi Angehrn und Roman Bottlang. (Bild: Manuel Nagel)

Florian Rexer, Andi Angehrn und Roman Bottlang. (Bild: Manuel Nagel)

Wo musstet und müsst Ihr immer noch Kompromisse eingehen?

Angehrn: Die Schauspieler müssen mit einer einfachen Garderobe klar kommen, die sehr heiss oder sehr kalt sein kann. Auch die Trennung von Theater- und Restaurantgästen ist nicht immer vollumfänglich möglich. Zum Beispiel können die Geräusche aus dem Restaurant nicht komplett vom Theater ferngehalten werden.

Gab es für die Schlossfestspiele ein Vorbild oder ein Theaterfestival, das euch inspiriert hat?

Rexer: Ich wirkte zuvor bei den Klosterplatzfestspielen in St.Gallen mit. Da habe ich viele Erfahrungen gesammelt und der Wunsch wuchs, so etwas im kleineren Rahmen zu machen.

Bottlang: Aber wir waren uns einig, dass wir nicht so sein wollten wie St.Gallen, Bregenz oder Walensee. Wir wollten etwas Eigenes, was es noch nicht gibt, und wir gingen auch mit einer gesunden Naivität an das Thema heran.

Einen neuen Anlass zu etablieren ist nicht immer einfach. Wie war das bei den Schlossfestspielen? Konntet Ihr von Beginn weg vor vollen Rängen spielen?

Bottlang: Wir hatten von Anfang an viel Goodwill von den Gästen. Flo war damals noch nicht so bekannt im Thurgau. Wir haben aber sicher vom guten Ruf des Wasserschlosses profitiert.

Rexer: Es hat wohl länger gedauert, bis wir drei uns so richtig gefunden haben, als die Ränge zu füllen. Im Ernst, der rasche Erfolg ermutigte uns alle weiterzumachen. Weil ich Kinderstücke liebe, nahmen wir bald auch noch ein Kinderstück ins Programm rein.

Florian Rexer, Andi Angehrn und Roman Bottlang. (Bild: Manuel Nagel)

Florian Rexer, Andi Angehrn und Roman Bottlang. (Bild: Manuel Nagel)

Wie konntet Ihr WAM, Walter Andreas Müller, als Patron für euer Projekt gewinnen?

Rexer: Ich war schon lange mit Walter Andreas Müller befreundet. Durch die Zusammenarbeit über einige Jahre hinweg am Theater St.Gallen kannte mich WAM gut und er glaubte stets an mein Schaffen.

Florian Rexer, Sie stecken jedes Jahr aufs neue viel Herzblut in die Schlossfestspiele. Das spürt man überall. Woher nehmen Sie den Hunger, sich immer wieder neu zu erfinden?

Rexer: Wenn dein Herz einmal für das Theater schlägt, dann hört es nicht mehr auf. Ich habe mich ins Wasserschloss Hagenwil, in die Familie Angehrn und in die Menschen im Thurgau verliebt. So einfach ist das. Ich denke, es war eine gewisse Fügung, dass ich ausgerechnet hier gelandet bin. Ich bin sehr dankbar.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung mit dem Schlossherrn?

Rexer: Oh ja! Ich dachte: «Na, du Jungspund, wo ist der Chef im Haus?» Ich fand Andi auf den ersten Blick viel zu jung und zu frech für einen Schlossherrn. Aber er war mir gleich sympathisch, so schlagfertig wie er ist.

Angehrn: Das ging mir ähnlich. Als ich Flo das erste Mal sah, dachte ich nur: «Wieder so einer! Ich hör ihm mal zu, der lässt mich dann schon wieder in Ruhe.» Tat er aber nicht.

Haben die Schlossfestspiele das Wasserschloss auf ein neues Level gehoben, was Bekanntheit oder Prestige betrifft?

Angehrn: Davon bin ich überzeugt. Wir profitieren natürlich von der guten Auslastung während der Schlossfestspiele. Im Gegenzug können wir vielleicht einige Anlässe nicht annehmen und wieder andere möchten das Wasserschloss nicht mit einem Theater teilen.

Florian Rexer, Andi Angehrn und Roman Bottlang. (Bild: Manuel Nagel)

Florian Rexer, Andi Angehrn und Roman Bottlang. (Bild: Manuel Nagel)

Ist jetzt, nach zehn Jahren als erfolgreicher Gastgeber der Schlossfestspiele, genügend Routine vorhanden, um ein neues, spannendes Projekt zu lancieren?

Angehrn: Auch wenn sicherlich eine gewisse Routine vorhanden ist, so fordern uns die Schlossfestspiele jedes Jahr aufs Neue – auch deshalb, weil der Betrieb möglichst normal weiterlaufen soll und stets andere Anlässe parallel zum Theater stattfinden. Weitere Projekte haben nach dem Umbau wieder Platz, aber im Moment liegt der Fokus auf der geplanten Schlosssanierung in diesem Winter.

Als erster Präsident des Vereins Schlossfestspiele Hagenwil, haben Sie, Roman Bottlang, den ganzen Aufbau hautnah miterlebt. Was macht Sie rückblickend stolz?

Bottlang: Ich habe eigentlich alles miterlebt: Die Anfangsjahre, die organisatorisch und finanziell intensiv waren. Die Folgejahre, die mal gut und mal weniger gut liefen. Dabei hatten wir viele unterschiedliche Stücke. Besonders stolz macht es mich aber, dass wir in den neun Jahren, in denen ich Präsident gewesen bin, keine einzige Vorstellung absagen mussten. Wir hatten zwar hin und wieder wetterbedingte Unterbrüche, doch es konnte jede Vorstellung gespielt werden. Das wünsche ich den Schlossfestspielen auch für die Zukunft.

Ist der «Kampf ums Geld» immer noch ein Thema, oder haben die Schlossfestspiele Hagenwil mittlerweile ein Renommee erlangt, das einen ruhiger schlafen lässt?

Rexer: Es ist und bleibt für viele unverständlich, wie man von dieser brotlosen Kunst leben kann. Das ist und bleibt so. Das kann nur verstehen, wer diesen Beruf erlebt und in dieser Suppe schwimmt. Eine Herzenssache. Es wird immer Menschen brauchen, die das möglich machen. Wir sind Träumer – und es braucht Träumer und Träume auf dieser Welt.

Hinweis
Am 7. August um 20.30 Uhr feiern die Schlossfestspiele Premiere mit dem Stück «Arsen und Spitzenhäubchen». Die letzte Vorführung wird am 7. September gespielt. Tickets gibt es unter www.schlossfestspiele-hagenwil.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.