Sie tanzen an den ungewöhnlichsten Orten mit Schülern und Patienten

Das Bundesjugendballett aus Hamburg ist diese Woche in der Psychiatrischen Klinik in Münsterlingen zu Besuch. Die Jugendlichen sind die ganze Woche im Thurgau und bringen anderen Leuten das Tanzen bei.

Annika Wepfer
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Jugendliche aus dem Bundesjugendballett Hamburg bringen Bewegung in die Alterstagesklinik in Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Jugendliche aus dem Bundesjugendballett Hamburg bringen Bewegung in die Alterstagesklinik in Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Wie die Patienten der Alterstagesklinik Weinfelden zusammen mit den Tänzern des Bundesjugendballetts im Kreis sitzen, sieht sehr amüsant aus. «Berühren Sie mit ihrem rechten Arm ihren linken Fuss. Sagen Sie sich mit den Knien Hallo», sagt Raymond Hilbert, der Ballettmeister am Donnerstag. Er macht mit den Leuten im Kreis verschiedene Übungen. Die Patienten zeigen grosse Freude und machen bei allem mit. Anfangs wirkten sie ein wenig angespannt, mit der Zeit jedoch werden sie lockerer.

Die Pianistin, Aike Errenst, begleitet das Geschehen. Wenn die Patienten ein Nashorn nachahmen sollen, spielt sie schwere und tiefe Klänge. Bei einem Affen verrückte und hohe Töne. Die Patienten haben Spass und sind am Schluss ganz ausser Atem. Sie haben dann aber Zeit, sich ein wenig zu entspannen, denn zwei der Tänzer zeigen einen kleinen Ausschnitt aus ihrer Vorführung. Die Zuschauer sind begeistert und klatschen laut.

Jeder Platz ist ein Ort zum Tanzen

Untergebracht werden die acht Balletttänzer und ihr Team auf einem alten Bauernhof in Landschlacht. Sie sind bereits das fünfte Mal in der Psychiatrischen Klinik zu Gast. «Es ist so schön jeden Morgen in die Klinik zu kommen und schon von weitem klassische oder moderne Musik zu hören und den Tänzern bei ihrem Training zuzuschauen», erzählt die Kulturbeauftragte der Psychiatrischen Klinik, Seraina Perini.

Die jungen Tänzer, zwischen 18 und 23 Jahren, haben nicht nur eine abgeschlossene Tanzausbildung. Sondern sie haben auch die Möglichkeit den Tanz an Orte zu bringen, an denen die Menschen normalerweise nicht damit in Kontakt kommen. In einer Kirche, in Kliniken und sogar in Gefängnissen sind sie schon gewesen. Sie sind Tänzer und gleichzeitig auch Choreografen.

Das Bundesjugendballett gibt es seit sechs Jahren. Jährlich werden vier der acht Tänzer ausgewechselt. Insgesamt bleiben sie zwei Jahre. Junge Leute aus der ganzen Welt bekommen die Möglichkeit sich dafür zu bewerben. Derzeit sind sechs Nationalitäten vertreten: eine Japanerin, zwei Brasilianer, zwei Deutsche, eine Australierin, ein Ukrainer und ein Argentinier. Die Woche in Münsterlingen schliessen sie mit zwei Vorführungen heute und morgen ab (jeweils 19.30 Uhr).