Sie spielen in Kreuzlingen gegen die Gewalt in Chile

Flamenco, Folk-Musik und Rock: Am Samstag laden Exil-Chilen aus der Region Kreuzlingen ins Kult-X ein.

Stefan Böker
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Treten zusammen auf: Celi Konrad, Álvaro Peña und Juan Veas.

Treten zusammen auf: Celi Konrad, Álvaro Peña und Juan Veas.

(Bild: Stefan Böker)

«Es hat sich ein bisschen beruhigt, aber die Zusammenstösse zwischen Polizei und Demonstranten sind nach wie vor heftig», beschreibt Veranstalter Juan Veas die Situation in Chile. Seit Oktober kämpfen die Menschen in seinem Heimatland gegen die korrupte Regierung und für soziale Gerechtigkeit.

Die Regierung antwortet mit Repression: Nach Angaben des Nationalen Instituts für Menschenrechte (INDH) wurden bis Ende 2019 mindestens 3583 Menschen verletzt, davon mehr als 2050 durch den Einsatz von Schusswaffen. Kritiker sprechen von systematischen Misshandlungen durch die Polizei, die sich gegen Demonstranten, aber auch gegen Unbeteiligte richtet.

Nachrichten sorgen für schlaflose Nächte

Für Chilenen aus Kreuzlingen und der Region sorgen diese Nachrichten für schlaflose Nächte. Gleichzeitig wollen sie ihren Landsleuten helfen. Veas trifft sich seit Oktober fast jede Woche mit Gleichgesinnten in den Räumlichkeiten einer Konstanzer Sprachschule. Die «Chilenxs en el Bodensee» haben Demonstrationen organisiert und Geld gesammelt.

Zugunsten von Menschen, die ihr Augenlicht durch Kugeln oder Tränengas verloren haben

Der bevorstehende Solidaritätsanlass ist ihre bislang grösste Aktion. Die Einnahmen sollen zielgerichtet gespendet werden. «Mit ‹losojosdecile.cl› haben wir eine passende Organisation gefunden», erklärt Juan Veas. Diese Organisation kümmert sich speziell um Menschen, die ihr Augenlicht durch Kugeln oder Tränengas verloren haben. 359 dieser Verletzungen hat INDH bis Ende 2019 registriert. «Mittlerweile sind es sicher mehr», sagt der Kreuzlinger. Blutverschmierte Augenbinden sind ein Symbol des Widerstandes geworden.

Für die Musik hat Veas seine Kontakte spielen lassen

Am Solidaritätsanlass gibt es nachmittags ein buntes Programm mit Folk, kubanischem Son, Flamenco, einer Performance und dem chilenischen Nationaltanz Cueca. Selbstgemachte Empanadas und ein Kuchenbuffet sind fürs leibliche Wohl gedacht. Abends treten Rockbands auf. Dafür hat Veas – selbst Musiker und seit neun Jahren in der Schweiz – seine Kontakte spielen lassen. Ihn freut besonders, «The Recalls» für einen Auftritt gewonnen zu haben. «Alle vier kommen aus Chile, und den Schlagzeuger kenne ich noch aus Valparaíso», erzählt der Organisator.

Die Kreuzlinger Band Parachutte unterstützt den Anlass und Juan Veas steht selbst auf der Bühne: Als Schlagzeuger tritt er mit dem chilenischen Musiker Álvaro Peña zusammen auf, der in Konstanz lebt. Peña, der einst vor der Militärdiktatur flüchtete, war im Oktober und November in Chile, um Konzerte zu spielen. Wegen der Unruhen wurden diese abgesagt und er musste sich in seinem Hotel verschanzen. Der 77-Jährige sagt: 

«Diese krasse Gewalt auf den Strassen zu erleben hat mich sehr belastet.»

Zuletzt habe in Santiago ein Kulturzentrum gebrannt, das «Centro Arte Alameda». Es diente als Stützpunkt für freiwillige medizinische Helfer, hier wurden Verletzte behandelt. «Die Polizei hat das Gebäude mit Tränengas beschossen», sagt der Musiker bestürzt. Das Benefiz-Event im Kulturzentrum Kult-X soll unterhalten, informieren und Menschen für einen guten Zweck zusammenbringen. Der Hintergrund der Veranstaltung ist ernst und dämpft die Feierlaune. «Wir hoffen, so viel Geld wie möglich zu sammeln, um die Menschen in Chile bei der Revolution zu unterstützen», sagt Juan Veas hoffnungsvoll.

www.kult-x.ch

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