Sie betreute ihre Kinder selber, muss aber dennoch für die Kita bezahlen: Amriswilerin möchte eine faire Lösung für beide Seiten

Die Amriswiler Coiffeuse Simone Himmelberger Eberle musste ihren Salon schliessen – und hat dennoch Kita-Kosten, obwohl sie das Betreuungsangebot für ihre Töchter gar nicht wahrgenommen hat.

Rosa Schmitz
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Das Kinderhaus Floh ist ein Verein, zu dessen Trägerschaft die Stadt Amriswil, die Schulgemeinde, die beiden Kirchgemeinden, der Frauenverein, die Amriswiler Fachgeschäfte sowie der Industrie- und der Gewerbeverein gehören.

Das Kinderhaus Floh ist ein Verein, zu dessen Trägerschaft die Stadt Amriswil, die Schulgemeinde, die beiden Kirchgemeinden, der Frauenverein, die Amriswiler Fachgeschäfte sowie der Industrie- und der Gewerbeverein gehören.

(Bild: Manuel Nagel, 18. Oktober 2018)

«Die Situation im Moment ist schwierig», sagt Simone Himmelberger Eberle. «Ich kann meine monatlichen Kosten nicht wie üblich decken.» Die 39-Jährige ist eine von vielen, die in der Coronakrise finanziellen Verlust erleidet. Sie führt normalerweise einen Coiffeursalon in Amriswil. Seit dem 17. März hat dieser aber auf Anordnung des Bundesrates seine Türen geschlossen – und nun fehlen Himmelberger Eberle die Einnahmen aus ihrem Geschäft.

Simone Himmelberger Eberle.

Simone Himmelberger Eberle.

(Bild: PD)

Einige Ausgaben sind jedoch unvermeidlich und nicht aufzuschieben: Miete, Krankenversicherung, Mitarbeiterlöhne und so weiter. Andere decken diverse Dienstleistungen ab, die für sie in dieser Situation nicht unbedingt erforderlich sind. «Dazu gehört die Kinderbetreuung», sagt Simone Himmelberger Eberle und ergänzt:

«Die Betreuung meiner zwei Töchter durch das Kinderhaus Floh ist jeden Franken wert und ich schätze das sehr.»

Doch die Kinder in dieser Situation ins «Floh» bringen, wenn Himmelberger Eberle nicht mehr arbeiten darf und soziale Kontakte auf das Minimum einzuschränken soll, erscheint ihr nicht sinnvoll. Und obwohl sie keine Betreuung in Anspruch nimmt, stellt ihr das Kinderhaus dennoch eine Rechnung aus.

Das «Floh» versucht Eltern, die derzeit kein oder ein geringeres Einkommen haben, entgegen zu kommen. Man könne ein Gesuch einreichen und die Rechnungen auf Eis legen, bis sich die Situation beruhigt habe. «Das löst die Probleme auch nicht», sagt Simone Himmelberger Eberle. Es sei für alle eine schwierige Situation, aber sie sei fest überzeugt, dass es eine faire Lösung für beide Seiten geben sollte.

«Mir geht es nicht um eine Null-Rechnung.»

sagt Simone Himmelberger Eberle und verweist auf andere Städte. In Schaffhausen werde der Betrag für Direktbetroffene reduziert, in Wil bezahle die Stadt.

Stadtrat Richard Hungerbühler.

Stadtrat Richard Hungerbühler.

(Bild: PD)

Richard Hungerbühler, Amriswiler Stadtrat und Präsident des «Floh», kennt die ausserkantonalen Fälle nicht. Er hofft aber auf Hilfe von Bund und/oder Kanton, die aber noch nichts entschieden hätten. Somit seien auch dem Kinderhaus im Moment noch die Hände gebunden, wolle das «Floh» nachher nicht auf den selber beschlossenen Reduktionen sitzen bleiben.

«Wir sind ein Verein und müssen daher keinen Gewinn machen.»

stellt Richard Hungerbühler klar, «aber wir müssen unsere Kosten ebenfalls decken können.»

Kassensturz, sobald sich die Lage normalisiert

Ob das möglich ist, sei im Moment unklar. Die Kindertagesstätte könnte erst am Ende der Krise beurteilen, wie sie nach dieser schwierigen Phase finanziell dastehe. Bei günstiger Entwicklung könnten sie Eltern, die ihre Kinder einige Wochen oder Monate lang nicht zur Betreuung gebracht hätten, eine Rückerstattung anbieten. In einem Schreiben an alle Eltern versprach Hungerbühler, dass die Vereinsleitung Kassensturz mache, sobald sich die Lage etwas normalisiert habe, und – falls möglich – im Nachhinein die Beiträge anpassen werde. Hungerbühler sagt:

«Aber einzelne Fälle können wir nicht im Voraus abhandeln. Das wäre auch unfair gegenüber den anderen Eltern.»

Er betont aber, dass seitens «Floh» kein Druck bestehe, die jetzt vorliegenden Rechnungen sofort zu bezahlen.

Für Himmelberger Eberle wird sich die Lage vom heutigen Montag an erleichtern, wenn sie ihren Salon wieder öffnen darf. Aber für andere Eltern, die zum Beispiel im Gastrobereich arbeiten, bleibt die Situation schwierig. Sie werden ihren Betrieb voraussichtlich bis mindestens im Sommer nicht wieder aufnehmen können. Fehlendes Einkommen führt zu einer Reihe von Finanzierungslücken und zu akutem Bedarf für Hilfe.