Sie kämpfen für ihre Bucht: Warum sich einige Münsterlinger schwer tun mit den Hafenbauplänen der Gemeinde

Am 27. September entscheiden die Stimmbürger, ob die Seegemeinde endlich einen Hafen bauen kann. Doch einige Einwohner sind gegen das Projekt. Sie fürchten die Verschandelung der Badi.

Rahel Haag
Drucken
Teilen
In der Bucht zwischen dem Badeplatz und der psychiatrischen Klinik Münsterlingen soll ein Hafen entstehen. Rechts zu sehen, die Badi.

In der Bucht zwischen dem Badeplatz und der psychiatrischen Klinik Münsterlingen soll ein Hafen entstehen. Rechts zu sehen, die Badi.

(Bild: Donato Caspari -8.8.2020)

«Wir sind selber Segler», sagt Ursula Saller, «und entsprechend nicht grundsätzlich gegen einen Hafen.» Doch diesem Projekt stünden sie und ihr Mann kritisch gegenüber. Am 27. September befinden die Stimmberechtigten der Gemeinde Münsterlingen an der Urne über einen Kredit in Höhe von neun Millionen Franken für den Neubau des Hafens.

Sallers stehen mit zwei weiteren Gegnern des Projekts in der Badi Scherzingen. Sie alle schwärmen von der idyllischen Bucht hier.

«Wir haben hier einen
wunderschönen Badeplatz.»

Das sagt eine Frau, die anonym bleiben will. Gerade im Sommer sei die Badi voll gewesen, doch bisher hätten sich die Badegäste nicht nur auf der Badwiese, sondern auch weiter östlich unter den Bäumen niederlassen können. «Das ist mit dem Hafen nicht mehr möglich.» Die Scherzingerin zeigt auf einen Plan. Künftig werde die Badi von einem öffentlichen Steg begrenzt.

«Dann sind wir eingequetscht zwischen Fussballplatz und Hafen.»

Vor einem Jahr hatte die Gemeinde das Projekt im Rahmen einer Informationsveranstaltung der Bevölkerung vorgestellt. Damals hatte Gemeindepräsident René Walther gesagt, dass die bestehenden Parkplätze beim Hafenfeld ausreichen sollten. In der Ausstellung zum Projekt im Gemeindehaus, die noch bis heute Freitag während der Öffnungszeiten besucht werden kann, heisst es diesbezüglich auf einem Plakat, dass eine Studie der Internationalen Bodenseekonferenz gezeigt habe, dass an idealen Sommertagen nur acht Prozent der eingelösten Boote auf dem See seien. Heruntergebrochen auf den geplanten Hafen seien dies in Scherzingen maximal 15 Boote. Die Hafengegnerin winkt ab und sagt: «Der Parkplatz ist an schönen Sommertagen ja heute schon restlos besetzt.»

Visualisierung: So soll der Münsterlinger Hafen einst aussehen.

Visualisierung: So soll der Münsterlinger Hafen einst aussehen.

(Bild: PD)

Bootsplatz kostet zwischen 1000 und 3000 Franken

Insgesamt wird der geplante Hafen rund 190 Booten Platz bieten. Die Anlage wird vollumfänglich durch die Bootsbesitzer finanziert. Der Steuerhaushalt wird nicht tangiert. Zwischen 1000 und 3000 Franken soll die Jahresmiete für einen Platz im Hafen Münsterlingen kosten.

«Hier wird ein Hafen für Reiche gebaut.»

Das sagt Alexandre Gross. Der Romand lebt seit zwei Jahren in Scherzingen. Ihm habe es gefallen, dass die Seeufer hier noch wild seien. Am Genfersee sei alles verbaut. «Das hier», sagt er und deutet auf die Bucht, «war ein Grund, weshalb ich hierher gezogen bin.»