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Sie hat nie aufgegeben: Vreni Schmid ist schon seit 50 Jahren Wirtin in Amriswil

Vreni Schmid blickt diesen Sommer auf ein halbes Jahrhundert als Wirtin in Amriswil zurück. Im Restaurant Ochsen empfängt sie ihre Gäste – einige von ihnen schon aus der dritten Generation.
Amy Douglas
Die Rosen vor dem Ochsen pflegt Vreni Schmid selber. (Bild: Amy Douglas)

Die Rosen vor dem Ochsen pflegt Vreni Schmid selber. (Bild: Amy Douglas)

Ihre 74 Jahre sieht man Vreni Schmid nicht an, wenn sie behände die Treppenstufen zur Küche hochsteigt. Grosse Kochtöpfe in die hohen Regale hieven, die Treppen unzählige Male steigen, das Geschirr herumtragen – diese körperlich anstrengenden Tätigkeiten sind für die Wirtin des Restaurants Ochsen Routine. Durch den Dampf steigt die Temperatur in der Küche zuweilen auf über 40 Grad. Vreni Schmid sagt verschmitzt: «Die Küche ist für mich Fitnesszentrum und Sauna zugleich.»

Keine Toiletten für die Damen

Als Vreni Schmid vor 50 Jahren in Amriswil zu wirten begann, hatte man keinen Respekt vor diesem Beruf. «Schon das Wort wirten wurde nicht akzeptiert», sagt sie. Als Frau war es besonders schwierig. Sie war froh um ihren Mann Heinz. Der habe einiges abbremsen können. Vreni Schmid erinnert sich an die Anfangszeit im Hotel Tell, welches sie und ihr Mann 1969 als frischverheiratetes Paar übernommen hatten. Damals gab es dort noch keine Damentoiletten. Die weiblichen Gäste mussten das private Badezimmer der Schmids nutzen. «Früher kehrten Frauen nur bei Feierlichkeiten wie Taufen, Hochzeiten oder Trauerfesten ein», sagt die Wirtin. Ansonsten waren die Beizen männliches Territorium.

Als die Kantonalbank 1983 das Hotel Tell kaufte, um hier ihren Neubau zu verwirklichen, sahen sich die Schmids nach einem neuen Betrieb um. Es standen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl, also wurde in der Familie abgestimmt. Die Schwiegermutter und die beiden Söhne gaben ihre Stimme dem «Ochsen» in Amriswil – und so blieben sie im Dorf. Rückblickend sei es die beste Entscheidung gewesen, meint Vreni Schmid. Denn als ihr Mann sieben Jahre später plötzlich verstarb, blieb der gesamte Betrieb an ihr hängen. Seiner überschaubaren Grösse wegen konnte Vreni Schmid den «Ochsen» alleine weiterführen.

Die Kühe wären längst tot

Diesen Weg zu gehen stand für Vreni Schmid nicht von Anfang an fest. Die Familie Schmid war ein enges Gespann gewesen. Nach dem Tod von Heinz Schmid blieb der «Ochsen» zwei Monate geschlossen. Bis der Wirtin eines Tages der Gedanke kam: «Wäre ich eine Bäuerin, wären die Kühe schon lange tot.» Diese Erkenntnis durchfuhr sie wie ein Blitz. So beschloss sie von einem Moment auf den anderen, den Betrieb wieder aufzunehmen.

«Entweder man geht zugrunde oder man wird stärker.»

sagt Vreni Schmid. Sie hätte sich früher nie zugetraut, dass sie ein Restaurant alleine führen könnte. Nun tut sie dies bereits 28 Jahre lang.

Erste Frau in der Gilde etablierter Gastronomen

Vreni Schmid wurde im Jahr 1993 als erste Frau in die Gilde etablierter Gastronomen aufgenommen. Als sie zum ersten Mal an der Generalversammlung teilnahm und die Hand zur Abstimmung erhob, wurde sie von ihrem Sitznachbarn zurechtgewiesen. Sie sei bestimmt von der Presse und habe nichts mitzubestimmen. Als sie ihn darüber informierte, dass sie Mitglied sei, glaubte er ihr nicht. Das sei nicht möglich, die Gilde bestünde nur aus männlichen Mitgliedern.

Die Mitgliedschaft bei der Gilde hat Vreni Schmid Selbstbewusstsein und Ansporn gegeben. Die Gilde sei zudem ein hilfreiches Netzwerk, in welchem man sich gegenseitig Rat und Auskunft gebe.

Aus Amriswil ist Vreni Schmid heute kaum mehr wegzudenken. Jeden Donnerstag ist sie auf dem Marktplatz am Wochenmarkt anzutreffen. Dort kauft sie alle frischen Zutaten für die Menus. «Die meisten Leute kennen mich wegen meines Körblis.» Für Vreni Schmid fühlt sich Amriswil immer noch wie ein Dorf an.

Vreni Schmid kennt viele ihrer Gäste bereits aus der dritten Generation. Taufen, Hochzeiten, Geburtstage und Trauerfeiern – als Wirtin hat sie viele Familien bei ihren wichtigen Anlässen begleiten können. Sie bekommt dabei viele Geschichten zu hören. «Ich muss gar keine Romane lesen», sagt sie. Das Wirten ist Vreni Schmid längst zur Lebensform geworden. Solange sie Leute habe, die sie unterstützen, und Gäste, die gerne kommen, möchte sie weitermachen.

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