Affeltrangen
«Es ist ein Privileg, mit freundlichen und anständigen Jugendlichen zu arbeiten»: Roger Holenstein blickt auf zwölf Jahre im Präsidium zurück

Insgesamt 24 Jahre in der Behörde, davon zwölf Jahre als Präsident: Roger Holenstein setzte sich fast ein Vierteljahrhundert für die Geschehnisse in der Sekundarschulgemeinde Affeltrangen ein. Nun tritt er nicht mehr zur Wiederwahl an.

Christoph Heer
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Roger Holenstein präsidierte die Schulgemeinde der Sekundarschule Affeltrangen während zwölf Jahren.

Roger Holenstein präsidierte die Schulgemeinde der Sekundarschule Affeltrangen während zwölf Jahren.

Bild: Donato Caspari

Nach 24 Jahren in der Behörde geben Sie Ihren Rücktritt. Was wird Ihnen aus dieser Zeit lange in Erinnerung bleiben?

Roger Holenstein: Die vielen glücklichen Gesichter der Jugendlichen und die unbeschwerte, unkomplizierte und kollegiale Zusammenarbeit im Team. Auch die vielen interessanten und inspirierenden Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Schulgemeinden, dem Verband Thurgauer Schulgemeinden und kantonalen Stellen.

Was hat sie damals dazu bewogen, der Schulbehörde Affeltrangen beigetreten?

Das habe ich mich auch manchmal gefragt. Die Primarschule suchte damals einen neuen Präsidenten. Kameraden der Feuerwehr und des Männerchors leisteten Überzeugungsarbeit, mich für dieses Amt zur Verfügung zu stellen. Ich habe mich auf diese Herausforderung eingelassen, weil ich für die Öffentlichkeit etwas leisten wollte, Führungserfahrung hatte und mich bereits in meiner beruflichen Tätigkeit in der Ausbildung von Jugendlichen engagierte. Als Mitglied der Primarschulbehörde wurde ich von Amtes wegen auch in die Schulbehörde der damaligen Oberstufengemeinde delegiert und übernahm das Aktuariat.

Wie war der Einstieg in dieses Gremium?

Ich wurde sehr herzlich aufgenommen und durfte von den grossen Erfahrungen der damaligen Mitglieder der Schulbehörde und ihrer Loyalität profitieren. Dafür bin ich ihnen heute noch dankbar.

Nach zwölf Jahren dann die Wahl ins Präsidium. Ihre Motivation dieses Amt zu übernehmen?

Keine der Kolleginnen und Kollegen aus der damaligen elfköpfigen Behörde wollte oder konnte dieses Amt übernehmen. Deshalb habe ich mich nach zwölf Jahren als Aktuar entschlossen, mich für das Amt des Präsidenten zur Verfügung zu stellen. Die Konsolidierung der grossen Projekte «Geleitete Schulen» und «Durchlässige Sekundarschule» und damit den eingeschlagenen Weg unserer Schule weiterzugehen, war mir ein grosses Anliegen.

Was waren die ersten, grossen Herausforderungen?

Die fehlenden Schulräume und die drohende Platznot aufgrund der steigenden Schülerzahlen bescherten uns eine grosse Aufgabe. Die Erweiterungsbauten in Affeltrangen und Tobel von über drei Millionen Franken forderten von der Planung bis zur Einweihung viel Engagement. Als weiteres Projekt stand die Einführung der Schulsozialarbeit für den ganzen Sekundarschulkreis an.

Was hat in all den Jahren Spass gemacht?

Die begeisterten Schülerinnen und Schüler bei ihren Darbietungen und Präsentationen, sei es beim Schulabschluss, in Projektwochen oder in Schullagern.

Und was hat Ihnen Schwierigkeiten bereitet?

Die hohen Anforderungen an die Schule aus Politik, den Eltern und der Wirtschaft für Schülerinnen und Schüler und Lehrpersonen zu relativieren und erträglich zu machen.

Hatten Sie einmal Rücktrittsgedanken?

Eigentlich nein – auch wenn ich viele schlaflose Nächte hatte. Klar, bei jeder Erneuerungswahl überlegte ich mir natürlich, ob ich eine weitere Legislatur angehen soll und mir auch leisten kann.

Wie erlebten Sie den Kontakt zu «Ihren» Sekschülern?

Es ist ein Privileg, mit fröhlichen, anständigen und freundlichen Jugendlichen zu tun zu haben. Unsere Sekundarschule besuchen, mit wenigen Ausnahmen, Vorzeigeschülerinnen und -schüler. Auch wenn während der Schulzeit nicht immer alle glücklich sind, bestätigen mir Ehemalige bei Begegnungen ihre Zufriedenheit und Dankbarkeit, was sie während ihrer Schulzeit auf den Lebensweg mitbekommen haben.

Wie haben Sie die Coronazeit an ihrer Schule bis anhin erlebt?

Die kurzfristige Umstellung auf Fernunterricht im Frühjahr 2020 war eine sehr grosse Herausforderung für unsere Lehrpersonen. Grundsätzlich hat das bestens funktioniert und die Ideenvielfalt für diese etwas andere Unterrichtsform war erstaunlich. Leider mussten diverse Veranstaltungen abgesagt und nun auch die geplanten Skilager gestrichen werden. Das tut mir für die Schülerinnen und Schüler dieses Jahrganges sehr leid. Ihnen werden wichtige Erlebnisse und lebenslange Erinnerungen fehlen.

Was wünschen Sie Ihrer Nachfolgerin oder Ihrem Nachfolger?

Alles Gute, die notwendige Gelassenheit und einen gesunden Menschenverstand.