Der Bischofszeller Andrea Gotsch haucht alten Baumstämmen neues Leben ein

In der Rosenstadt findet man an verschiedenen Orten Zeugen seines künstlerischen Schaffens: unter anderem Bänke, einen Brunnen und ein Denkmal.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Andrea Gotsch mit der Kettensäge an seinem Arbeitsplatz im Wald.

Andrea Gotsch mit der Kettensäge an seinem Arbeitsplatz im Wald.

Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

«Mit dem frühlingshaften Brunnen vor der evangelischen Kirche möchte ich den Leuten eine Freude bereiten – gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit», sagt Andrea Gotsch. Bischofszell musste wegen der Coronakrise auf seine Osterbrunnen verzichten.

Vielfältige berufliche Erfahrungen

Dennoch erstrahlt der Brunnen bei der Johanneskirche – geschmückt mit Hornveilchen – im Frühlingskleid. Mit einer Pumpe wird das frische Grundwasser hochgepumpt und über das auf dem Brunnen installierte Wurzelobjekt gesprudelt. Die Wurzelkunst und die Bepflanzung stammen von Andrea Gotsch. Seit einigen Jahren gestaltet er den Brunnen bei der evangelischen Kirche zur Osterzeit.

Man spürt sogleich: Gotsch ist ein ausgesprochen naturverbundener, kreativer und handwerklich begabter Mann. Es mache ihm Spass, Holz in Skulpturen zu verwandeln sowie Gärten, Grünanlagen und Wälder zu pflegen, erzählt er. Seine Fachkenntnisse hat er durch die Ausbildung zum Förster – anschliessend durch jahrelange Arbeit in der Forst- und Landwirtschaft sowie im Gartenbau erworben.

Freude am Handwerk neu entdeckt

Seit 2003 arbeitet Gotsch selbständig in den Bereichen Baum- , Wald- und Gartenpflege. Zudem betreut und pflegt er zusammen mit dem Revierförster die Jungwälder der Bürgergemeinde Bischofszell. Ein spezieller Erwerbszweig ist das Schnitzen von Skulpturen. Das Handwerk hat er sich selbst angeeignet. «Schon als Kind habe ich gerne Holz geschnitzt», erinnert sich der 63-Jährige.

Lange Zeit habe er dann nicht mehr zum Stechbeitel gegriffen. Erst wieder während seiner Tätigkeit als Förster im Bünderland. Gotsch hat später noch eine Zweitausbildung zum Diakon absolviert. Im Jahr 1995 verschlug es ihn mit seiner Familie nach Bischofszell, wo er bis 2003 als Diakon tätig war.

Denkmal bei der alten Thurbrücke

Entlang der Thur sei er damals auf abgestorbene Ulmen gestossen. Mit dem Revierförster habe er Kontakt aufgenommen und sich erkundigt, ob er deren Holz nutzen dürfe. Gotsch konnte hernach die Bäume fällen, und die Strünke verwandelte er in Skulpturen.

Zwischen 15 und 20 Unikate hat Gotsch inzwischen geschnitzt – unter anderem Tische, Tiere, Bibeln und Kronen. Seither bekommt der gelernte Förster regelmässig Anfragen. Inzwischen konnte Gotsch unter anderem auch Holzbänke, Brunnen und ein Denkmal für die Stadt Bischofszell anfertigen.

«Ich schätze meine Arbeit im Freien. Jeder Baum, jede Pflanze, jedes Stück
Holz ist anders. Das macht die Tätigkeit spannend», sagt Andrea Gotsch.

So plätschert beim Restaurant Eisenbahn ein Holzbrunnen von ihm, bei der alten Post steht eine beschriftete Holzstele und in der Johanneskirche ein siebenarmiger Holzleuchter. Ein Denkmal von Gotsch bei der alten Thurbrücke erinnert ausserdem an die Einweihung des Thurweges. Dies sind nur ein paar Beispiele seiner Werke in der Rosenstadt.

Lärchen- und Eichenholz bevorzugt

«Hohle Baumstämme faszinieren mich besonders. Daraus lassen sich Lichtsäulen anfertigen», erzählt Andrea Gotsch. Wenn er einen passenden Baumstamm findet, frage er jeweils den Besitzer, ob er das Holz nutzen darf. Das Holz müsse gesund und ohne Wurm sein, bemerkt er.

Frisch geschlagenes Holz könne problemlos verarbeitet werden. Das fertige Objekt könne anschliessend noch trocknen. Am liebsten verarbeite er mit seinen Kettensägen und anderen Werkzeugen Lärchen- oder Eichenholz. Dieses Holz sei witterungsbeständig und langlebig.

Objekte mit langer Lebensdauer

Gotsch produziert Holzobjekte meistens auf Kundenanfrage. Eine Zeit lang seien Kugeln besonders beliebt gewesen. Momentan boomten Holzbrunnen. Am langlebigsten seien Tröge aus Lärchen- oder Eichenholz. Im Schnitt hält ein Brunnen aus edlem Holz 20 bis 30 Jahre. «Auf Wunsch kann auch ein Brunnentrog unter Anleitung bei mir selbst gemacht werden», verrät Andrea Gotsch.

Ein Highlight für den dreifachen Familienvater ist das gemeinsame Werken mit seinen Söhnen. «Sie schnitzen zwar nicht, aber alle sind sehr kreativ.» Nach seiner Pensionierung will Gotsch vermehrt eigene Ideen verwirklichen. «Ich möchte mehr Objekte schnitzen, die das Wort Gottes veranschaulichen und auf unseren Vater im Himmel hinweisen. Denn dafür brennt mein Herz.»

Weitere Informationen unter www.baum-wald-gartenpflege.ch