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Auftrag in Rom für Thurgauer Restaurator

Rolf Zurfluh ist als Restaurator weit herum bekannt. Der Helsighauser arbeitet an der Gestaltung der Hauskapelle im Mutterhaus des Salvatorianer-Ordens nahe des Vatikans.
Margrith Pfister-Kübler
Rolf Zurfluh zeigt seine Entwürfe für die Kapellenwände: links Maria mit dem Jesuskind, rechts die Bergpredigt. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Rolf Zurfluh zeigt seine Entwürfe für die Kapellenwände: links Maria mit dem Jesuskind, rechts die Bergpredigt. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Die Stube von Rolf Zurfluh wirkt wie eine britische Bibliothek. Diese befindet sich in einem alten Bauernhaus in Helsighausen, einem Weiler, der zur Gemeinde Raperswilen gehört. Es scheint, als würde ihm die Ambiance helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auf ein paar richtige Entscheidungen und seine Leidenschaft für den Beruf führt er zurück, dass er heute ein renommierter Restaurator ist. So würde er selber es allerdings nicht formulieren. Denn gegen Selbstgefälligkeit ist der in der Innerschweiz aufgewachsene Mann immun.

Seit 27 Jahren arbeitet Zurfluh selbstständig als Restaurator und Künstler. Es gibt kaum ein historisches Anwesen im Thurgau und den umliegenden Kantonen, wo er und sein Team nicht schon für Restaurierungsarbeiten engagiert wurden. Zurfluh war auch der Restaurator der Stiftskirche im Kloster Einsiedeln.

Als Dankeschön eine Audienz beim Papst

So waren es Bruder Alexander aus dem Kloster Einsiedeln, ein Habitué in Rom und im Vatikan, und der Papst-Vertraute Erzbischof Georg Gänswein, die Zurfluh auf ihrem Radar hatten. Dann kam die Einladung nach Rom, und dies sollte sich als Offenbarung erweisen. «Als Dankeschön für meine Arbeiten in der Stiftskirche Einsiedeln haben sie mich nach Rom eingeladen zur Generalaudienz bei Papst Franziskus», erzählt Zurfluh. Das war am 13. April 2016, um 10 Uhr.

Wie sich das angefühlt hatte, das kann der Raperswiler heute noch nicht richtig in Worte fassen. Entgegen seiner Zurückhaltung kommt er in Redefluss, wenn er von der Audienz bei Papst Franziskus erzählt. «Zehn Minuten waren mir bewilligt. Doch es wurde fast eine Dreiviertelstunde daraus.»

Zwischen damals und heute liegen viele Begegnungen im Vatikan. Und als Höhepunkt ein Auftrag. Nein, es ist kein Auftrag vom Vatikan, sondern von den Salvatorianern. Diese sind eine apostolische Ordensgemeinschaft, die innerhalb der katholischen Kirche 1881 in Rom gegründet wurde.

Drei Jahre Vorarbeit, Projektstudien bis zur Planung mit ortsansässigen Handwerkern in Rom, gingen dem Auftrag voraus. Stolz legt Rolf Zurfluh seinen Ausweis vor, der ihm Zutritt zum Campo Santo Teutonico in der Città del Vaticano erlaubt. «Meine Mutter war Italienerin», erklärt er seine Italienisch-Sprachkenntnisse. Auf die Frage, wie sein Kernsatz lauten würde, wenn er eine Religion wäre, sagt Zurfluh: «Evangelium statt Religion.»

Die Bergpredigt ist die Basis für die Kapellen-Gestaltung

Mit Blick auf seinen Restaurierungsauftrag und die Raumschalen-Gestaltung der Hauskapelle im Mutterhaus der Salvatorianer im Palazzo Cardinal Cesi lädt er die Bedeutungen auf, ohne allzu viel preiszugeben. Die original bestehenden Fresken der Künstler Nicola Martinelli und Tommaso Lauretti aus dem 16. Jahrhundert und einem später entstandenen Schriftband ergänzende Verse aus dem geistlichen Tagebuch des Ordensgründers in lateinischer Schrift zieren die Ost- und Westwand der Hauskapelle. Neben den Restaurierungen von Fresken und Reinigungsarbeiten durfte Zurfluh einen Entwurf für die Kapellenausmalung einreichen und auch für den Boden der Kapelle. Die Bergpredigt, die wohl bekannteste Rede, die Jesus gehalten hat, ist die vorgegebene Basis. «Ich muss bestehen können neben all den anderen grossen Künstlern», sagt Zurfluh. Die Aufregung spiegelt sich in seinem Gesicht, der Respekt und das Wissen vor den grossen Künsten durchströmt ihn.

Die Gläubigen werden zu einem Teil des Bildes

Im Entwurf öffnet sich hinter dem Altar an der Südwand der Blick auf eine offene Landschaft, durch die sich der Fluss Jordan schlängelt. Auf einem Felsen sitzt Jesus mit seinen Jüngern und hält seine «Rede von der wahren Gerechtigkeit». Die Darstellung der Bergpredigt aus dem neutestamentlichen Matthäusevangelium am Fluss Jordan fungiert als Raumerweiterung. Die Zelebrierenden selbst werden zum Bestandteil der Bilddarstellung. «Ziel der entworfenen Neugestaltung ist es, die Frohe Botschaft, das Evangelium, im Jetzt für die ganze Welt zu verkünden. Dem entspricht auch die zeitgenössische Darstellung der Maria gemeinsam mit dem Jesuskind auf der Nordwand» sagt Zurfluh. Die Bodenneugestaltung, ein Bodenkreuz in der Raummitte, ebenfalls ein Entwurf von Zurfluh, korrespondiert mit der bestehenden Kassettendecke aus Holz mit grossem Wappen.

Der Blick auf die Entwürfe lässt die Intensität der Kreativität von Rolf Zurfluh spüren. Anfang Jahr hat er an den Fresken in der Kapelle gearbeitet. «Nein, ich bin nicht dauernd in Rom. Es bleibt genügend Zeit für meine Arbeiten in der Region.» Denn derzeit liefen die Prozesse mit den Architekten plus der Denkmalpflege. Und die Sicherungsarbeiten nähmen viel Zeit in Anspruch. Wann genau er mit seinem Gestaltungsauftrag durchstarten kann, ist im Moment noch nicht klar.

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