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Ihr Geschäft ist die Zeit - Kreuzlinger Firma stellt Kuckucksuhren her

Zu Hause hat Dario My nur eine Kuckucksuhr, an seinem Arbeitsplatz aber gleich mehrere. Mit der Firma Lötscher hat der Unternehmer eine der letzten Firmen dieser Art in den Thurgau geholt.
Viviane Vogel
Unternehmer Dario My steht im Raum, wo die Kuckucksuhren zwei bis drei Wochen lang Probe laufen, ehe sie versendet werden. Er präsentiert ein noch grösseres Modell. (Bild: Reto Martin)

Unternehmer Dario My steht im Raum, wo die Kuckucksuhren zwei bis drei Wochen lang Probe laufen, ehe sie versendet werden. Er präsentiert ein noch grösseres Modell. (Bild: Reto Martin)

Von aussen ahnt man nichts. Sobald man aber die Tür aufmacht, erklingt von allen Ecken her ein «Kuckuck». Manchmal wippen Kühe und Ziegen mit den Köpfen mit. Manchmal drehen sich kleine Figuren zum Vogelschrei im Kreis. Manchmal macht der Kuckuck seine Arbeit auch allein. Der Unternehmer Dario My hat die Firma Lötscher vom zürcherischen Fällanden nach Kreuzlingen in die Bahnhofstrasse geholt. Sein Geschäft: Kuckucksuhren. «Der vorherige Besitzer hatte keine Nachfolgeregelung», berichtet My. «Deshalb haben meine Frau und ich die Firma übernommen. Wir wollten nämlich nicht, dass dieses seltene Handwerk vom Markt wegfällt.»

In Kreuzlingen ist es entspannt

Vor der Übernahme hatte My nichts mit Kuckucksuhren am Hut. Er hat das KV gemacht und ein Wirtschaftsstudium in Neuseeland mit einem Bachelor abgeschlossen. Zuerst arbeitete er lange Zeit als Firmenanalyst, dann ging er in die Wirtschaft und stand Firmen mit seiner Beratung zur Seite. So kam er auch auf die Firma Lötscher.

Die Kunden sind bereit, für so eine Uhr zwischen 300 und 2500 Franken aufzuwenden. My beeindruckt es immer wieder, wie sehr sich Menschen an dieses Produkt binden können. «Die Leute verbinden so viel Emotionales mit ihren Kuckucksuhren – das bringen sie mit dem Handy nicht hin.» Für My entstand deshalb ein Anliegen, diese holzgefertigten, traditionellen Güter vor dem Verschwinden zu retten.

Aber wieso hat der gebürtige Bottighofer die Firma denn nach Kreuzlingen geholt? «Wir stellen die geschnitzten Uhrengehäuse in Brienz her. An unserem Thurgauer Standort werden die Uhrwerke eingebaut und für mehrere Wochen zur Qualitätskontrolle laufen gelassen. Kreuzlingen bietet sich an, weil es so gut angeschlossen ist», erläutert der Unternehmer. Ausserdem bräuchten die sechs angestellten Handwerker eine entspannte Atmosphäre, die im Thurgau besser gegeben sei als in Zürich. Kreuzlingen als Industriegebiet habe gegenüber Fällanden weitere Vorteile, wie niedrigere Standortkosten und ein beruhigterer Verkehr. Hinzu kommt, dass My selbst in dieser Gegend gross geworden ist und noch immer in Bottighofen wohnt. Dass nun eine seltene Kuckucksuhrenfabrik in der Stadt ist, macht also Sinn.

Eine der in Kreuzlingen gefertigten Kuckucksuhren. (Bild: Reto Martin)

Eine der in Kreuzlingen gefertigten Kuckucksuhren. (Bild: Reto Martin)

Der Kuckuck ist geschichtsträchtig

Die Hauptkunden von Lötscher sind Amerikaner. «Die Kuckucksuhr ist in die USA gekommen, weil die amerikanischen Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg für ihre Familien ein Souvenir suchten», erzählt My. An zweiter Stelle stehen asiatische Touristen. «Wobei chinesische Kunden nicht dazugehören. In China ist der Kapitalismus noch nicht lange angekommen, man ist viel mehr an modernen Gütern interessiert, als an traditionellen, nostalgischen Produkten.»

Für den Unternehmer ist das ein starker Grund, weshalb das Produkt in Ländern so gut ankommt, wo der Kapitalismus schon lange Zeit etabliert ist. «Die Digitalisierung, der Vormarsch der Technik – das sind alles Entwicklungen, die ein gewisses Bedürfnis nach etwas Einfachem wie zum Beispiel einer Kuckucksuhr wecken.» Die meisten Uhren funktionieren nämlich mechanisch, also ganz ohne Strom. So ist die Nachfrage, laut My, auch in der Schweiz wieder gestiegen. Warum der Anstieg jedoch genau im letzten Jahr geschehen ist, das ist für ihn unklar.

Momentan läuft es also gut, im laufenden Jahr sind rund 1500 Uhren hergestellt und zwei Drittel davon verkauft worden. My dazu: «Dieses Jahr waren wir öfter ausgelastet als wir eigentlich wollten.» Hängt eigentlich bei Herr und Frau My zu Hause auch eine Kuckucksuhr? «Ja, wir haben eine. Aber nur eine. Am Arbeitsplatz warten dann ja noch genug auf uns», schmunzelt My.

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