Seilziehen um Historisches Museum: Arbon prescht vor

Auch Frauenfeld und Romanshorn haben Interesse angemeldet.

Tanja von Arx
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Eine Arbeitsgruppe schlägt das Schloss als Zentrum für die Sammlungen vor. (Bild: Max Eichenberger, 9.11.2016)

Eine Arbeitsgruppe schlägt das Schloss als Zentrum für die Sammlungen vor. (Bild: Max Eichenberger, 9.11.2016)

Die Rangelei setzt sich fort. Objekt der Begierde: Das Historische Museum mit Sitz in Frauenfeld, das räumlich an seine Grenzen stösst und wofür der Kanton einen geeigneten Standort sucht. Auch Frauenfeld und Romanshorn haben wiederholt Interesse angemeldet (unsere Zeitung berichtete), allerdings hat sich gestern Arbon wieder ins Spiel gebracht.

«Das Städtli ist dafür prädestiniert»

Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Stadtpräsident Dominik Diezi und Vertretern der örtlichen Museen schlägt drei dezentrale Standorte vor, neben Arbon Frauenfeld und St. Katharinental. Wobei sich der Kanton aufs Städtli konzentrieren soll. «Die historischen Voraussetzungen und die infrastrukturellen sowie kulturellen Rahmenbedingungen sind prädestiniert.» Die Verantwortlichen heben das Saurer Museum, das Schweizer Mosterei- und Brennereimuseum und das Historische Ortsmuseum hervor.

«Denkbar sind die Leitung und das wissenschaftliche Personal in Frauenfeld und ein Sammlungszentrum in Arbon.»

Teile des Schlosses könnten genutzt werden, allenfalls ein Neubau mit zusätzlichen Ausstellungsflächen realisiert. Zur Diskussion steht auch die ehemalige Webmaschinenhalle im Saurer WerkZwei.

Der Arboner Stadtpräsident Dominik Diezi sagt: «Wir können nur gewinnen, wenn wir gemeinsam als Oberthurgau auftreten.»

Der Arboner Stadtpräsident Dominik Diezi sagt: «Wir können nur gewinnen, wenn wir gemeinsam als Oberthurgau auftreten.»

Die Arbeitsgruppe stützt sich auf die kantonale Museumsstrategie, welche die sechs Thurgauer Museen stärken will. Das im Rahmen von Teilberichten betreffend Vision, Umsetzung und Betriebskonzept. Die Museen sollen Synergien nutzen und vermehrt zusammen auftreten.

Das plant der Kanton

Das dezentrale Universalmuseum Thurgau (DUT) ist das Herz der Museumsstrategie. Über ein «Cluster» sollen die vielen Museen auf kantonaler und regionaler Ebene verbunden werden, um deren Kompetenzen zu fördern. Das DUT hat zum Ziel auch private Museen einzubinden. Laut dem Kanton ist das sogenannte dezentrale Element historisch gewachsen und zeigt sich ferner in der Thurgauer Spitalpolitik und im Bildungswesen. Die Absicht der kantonalen Stellen ist ein umfassendes und nachhaltiges Angebot für ein breites Publikum bereitzustellen. (tva)

Die Arbeitsgruppe kann indes nicht nachvollziehen, weshalb die Strategie in drei Teilen vorgelegt wird. «Das geht auf Kosten von Logik, Stringenz und Argumentation.» Zudem sei fraglich, ob es sich nicht einfach um ein Konzept handle. «Schliesslich werden nur die sechs kantonalen Museen einbezogen, die gesamtkantonale Sicht mit regionalen und lokalen respektive privaten Museen wird zu wenig berücksichtigt.»

Frauenfeld will Neubau im «Oberen Mätteli»

Zuletzt weibelte der Frauenfelder Stadtpräsident Anders Stokholm mit einem Neubau im «Oberen Mätteli».

Und Ende März bewarb sich die Hafenstadt mit gleich fünf möglichen Standorten: Hafenbecken im Bereich Festwiese, Schloss allenfalls mit Anbau, Hafenpark südlich des Kornhauses, ehemaliger Volksgarten und Stadtplatz. Der Arboner Stadtpräsident Diezi sagt dazu: «Wir können nur gewinnen, wenn wir gemeinsam als Oberthurgau auftreten.»

Die Standortfrage steht seit 2016 im Raum. Seit 2017 ging aber nicht mehr viel, weil der Kanton zuerst die Zukunft des Kunstmuseums in der Kartause Ittingen klären wollte. Die Arboner Arbeitsgruppe fordert nun, weitere Schritte betreffend das Historische Museum zeitgleich umzusetzen. Die kantonale Projektgruppe hat indes wieder Abklärungen aufgenommen. Bis im Frühling will sie dem Regierungsrat einen Vorschlag unterbreiten, wo die Sammlung künftig gezeigt werden soll.