Interview
Das Feuerwerk am Kreuzlinger Seenachtfest soll weiterhin ein Programmhöhepunkt bleiben

Die Debatten rund um die Abschaffung von Feuerwerken aus Klimaschutzgründen laufen in vielen Städten heiss.

Martina Eggenberger Lenz
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Das Feuerwerk am Kreuzlinger Seenachtfest lockt stets ein grosses Publikum an. (Bild: Donato Caspari)

Das Feuerwerk am Kreuzlinger Seenachtfest lockt stets ein grosses Publikum an. (Bild: Donato Caspari)

Andernorts feuern Städte und Gemeinden ihre traditionellen Feuerwerke aus Klimaschutzgründen nicht mehr ab. Das Organisationskomitee des Kreuzlinger Fantasticals hält jedoch daran fest. Geschäftsführer Thomas Gut stellt den Trend zum Verzicht auf die pyrotechnischen Shows in Frage.

Haben Sie im Fantastical-Vorstand aufgrund der Entscheide anderer Städte wie Konstanz, Olten oder Klosters das Feuerwerk je in Frage gestellt?

Thomas Gut: Natürlich sind die ganzen Diskussionen auch an uns nicht vorbeigegangen. Wenn aber alle einen Trend mitmachen, ist das für mich eher das Zeichen, diesen zu hinterfragen. Ich muss betonen: Feinstaub ist nicht gleich Feinstaub.

Können Sie das etwas ausformulieren?

Feinstaub wird vor allem in zwei Partikelgrössen unterschieden. Die grösseren Teilchen, aus denen Feinstaub bei Feuerwerken zu zwei Dritteln besteht, bleiben weitgehend in den Nasenhärchen oder auf dem Weg in die Lunge hängen.

Ausserdem ist der Anstieg der Feinstaubmessbereiche bei Feuerwerken zeitlich und lokal begrenzt. Im Sommer wird Feinstaub zudem schnell verteilt. Beim Rauchen in Innenräumen ist die Belastung deutlich höher als nach unserem Feuerwerk.

Thomas Gut Kopf der Gewa in Kreuzlingen. (Bild: Reto Martin)

Thomas Gut Kopf der Gewa in Kreuzlingen. (Bild: Reto Martin)

Trotzdem: Dieses Jahr gibt es in Kreuzlingen sogar ein zweites Feuerwerk am Freitagabend. Das kann man schon als Provokation auffassen.

Das ist es natürlich mitnichten. Wir haben bereits im November entschieden, den Freitag mit einem zusätzlichen Feuerwerk aufzuwerten. Damals hat Konstanz noch gar nicht über den Klimanotstand geredet. Ein Feuerwerk ist immer noch das beste Highlight. Am Freitag soll sich der Gastgeber selber feiern dürfen. Das Fantastical geniesst eine sehr hohe Akzeptanz. Der Abfall unseres grossen Feuerwerks hätte übrigens in zwei bis drei normalen Abfallsäcken Platz.

Es könnte aber der Eindruck entstehen, dass Sie die Klimadebatte ignorieren.

Wir machen seit vielen Jahren schon sehr viel zum Thema Nachhaltigkeit. Unser Fest läuft mit grünem Strom, wir haben starke Konzepte für den öffentlichen Verkehr und die Entsorgung. Ich bin eigentlich sicher, dass die 50000 Besucher, die wir haben, bei uns weniger Abfall produzieren, als wenn sie Zuhause bleiben würden.

Es gibt Veranstalter, die überzeugt sind, dass Feuerwerke grundsätzlich ausgedient haben. Wie sehen Sie das?

Ganz und gar nicht. Es gibt nämlich keine echte Alternative zum Feuerwerk. Die Lasershow, die manche jetzt propagieren, braucht viel Energie. Das ist auch nicht besser. Die Drohnenshow kommt nicht ans Feuerwerk heran. Das wissen wir spätestens seit dem Züri-Fäscht. Übrigens: Es redet ja auch keiner davon, die Liebe abzuschaffen, auch wenn einem dadurch das eine oder andere Problem erspart bliebe.

Haben Sie von Einwohnern oder anderen negative Reaktionen erhalten, auf den Entscheid, bei den Feuerwerken zu bleiben?

Bis jetzt nicht, nein. Es hat uns noch keiner frontal angegriffen. Ich habe schon auch Verständnis dafür, dass sich die Leute Gedanken machen. Aber es ist einfach so: Das Seenachtsfest ist ein Feuerwerkevent. Sie gehen ja auch nicht an ein Hip-Hop-Festival, an dem es keine Musik gibt.

Bisher betrug der Eintritt zum Seenachtsfest 10 Franken. Dieses Jahr kostet ein Ticket 15 Franken. Was ist die Begründung für die Preiserhöhung?

Genauso wichtig wie das Feuerwerk ist uns die Sicherheit. Sie ist das A und O einer solchen Veranstaltung. Wir bauen die Security am Freitag und Sonntag aus. Schliesslich ist nicht nur der Samstag ein Grossveranstaltungstag.

Zweitens sind wir als Verein eine nicht-kommerzielle Organisation. Wir müssen in guten Jahren einen Schlechtwetter-Fonds äufnen und Rückstellungen machen, um auch für schlechtere Jahre gewappnet zu sein, beziehungsweise eine finanzielle Schieflage zu vermeiden. Mit unserem Eintrittspreis sind wir aber immer noch viel günstiger als die Konstanzer und ausserdem sind bei uns Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre weiterhin gratis.