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«Sie wurden richtig blöd und unverschämt»: Scientology sorgt in Weinfelden für Aufregung

Am Samstag warb die Religionsgemeinschaft Scientology auf dem Marktplatz in Weinfelden Mitglieder an. Das sorgt für Kritik an der Stadt.
Mario Testa
An diesem Stand auf dem Weinfelder Marktplatz warben am Samstag die Scientologen für ihre Organisation. (Bild: PD)

An diesem Stand auf dem Weinfelder Marktplatz warben am Samstag die Scientologen für ihre Organisation. (Bild: PD)

«Dianetik» steht in grossen Lettern auf drei Seiten des roten Pavillons – auf einer Seite «Scientology». So präsentierten sich am Samstag die Mitglieder der Religionsgemeinschaft auf dem Marktplatz in Weinfelden. Auf Facebook wird über diese Standaktion debattiert. «Sölled sich lieber wo andersch uufstelle», schreibt eine Mutter und eine andere: «schade, dass die Stadt Weinfelden die Standbewilligung gibt und nicht klar Position gegen solche Sekten bezieht.»

Der zuständige Sachbearbeiter Patrick Schwager auf dem Amt für Sicherheit sagt:

«Wenn wir eine Anfrage erhalten, prüfen wir diese und machen den Standbetreibern Vorgaben.»

Es werde festgehalten, dass keine rassisistischen oder diskriminierenden Inhalte verbreitet werden dürfen. «Zudem dürfen Passanten nicht belästigt werden und es sind maximal drei Personen pro Standaktion erlaubt.»

Scientologen ignorieren zwei Vorgaben der Stadt

Ein weiterer Punkt ist, dass sich die Organisation klar zu erkennen geben muss. Im Falle der Scientologen, welche ihren Stand mit «Dianetik» angeschrieben hatten und sich nur von einer Seite ihres Standes wirklich zu erkennen gaben, war die eindeutige Bezeichnung mangelhaft – ebenso das Nicht-Belästigen der Passanten.

«Wir haben gesagt, wir wollen keinen Stresstest machen und sind weiter gegangen. Dann ist er uns nachgelaufen und hat die ganze Zeit Aussagen gemacht wie ‹Für en Antwort hender kei Ziit?›, ‹Sind er doch gstresst?›», schreibt eine Frau auf der Facebook-Seite «Du bisch vo Wiifelde wenn...» Eine andere schreibt:

«Sie wurden richtig blöd und unverschämt.»

Stadtrat Hans Eschenmoser. (Bild: Mario Testa)

Stadtrat Hans Eschenmoser. (Bild: Mario Testa)

Er sei sich der Problematik mit Scientology bewusst gewesen, als die Anfrage kam, sagt Patrick Schwager. Deshalb habe er den zuständigen Stadtrat Hans Eschenmoser informiert. Dieser sagt auf Anfrage, er habe das Thema auch im Stadtrat besprochen. «Wir sind jedoch der Meinung, dass bei uns Versammlungs-, Meinungs- und Religionsfreiheit gilt und eine solche Standaktion deshalb nicht abgelehnt werden darf», sagt Eschenmoser.

«Wir sind eine offene Gemeinde und gehen pragmatisch vor. Es gibt ja auch in der Facebook-Debatte offenere Meinungen. Aber wir sind uns schon bewusst, dass Scientology eine heikle Organisation ist.»

Drei Standaktionen im Jahr 2019

Juristisch wäre die Verweigerung einer Bewilligung für eine solche Standaktion, wie es beispielsweise die Stadt Frauenfeld praktizieren will (unsere Zeitung berichtete), nicht haltbar, befürchtet Eschenmoser.

Patrick Schwager ergänzt: «Gäbe es seitens des Bundes oder des Kantons Listen mit verbotenen Organisationen, würde uns das sicher helfen. Aber leider gibt es keine solchen Listen und dann müssen wir uns an die geltenden Gesetze halten und alle Anfragen gleich behandeln.» Dieses Jahr hat Scientology bereits zweimal geworben in Weinfelden. Eine dritte Standaktion hat die Gruppe für den Mittwoch, 11. Dezember geplant.

Der Sicherheitsdienst habe am Samstag im Auftrag der Stadt einen Augenschein von der Situation genommen und berichtet. Eschenmoser zeigt sich selbstkritisch. «Wir haben vielleicht zu wenig kontrolliert. Auf alle Fälle muss der Stand an der nächsten Aktion unmissverständlich beschriftet sein. Das werden wir Scientology so mitteilen», sagt der Stadtrat.

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