Schweizerische Bodensee-Schifffahrt will geplantes Hafenhotel in Romanshorn bauen und betreiben: «Das kann uns helfen, im Winter mehr Geld zu verdienen»

Das Projekt ist ein anderes als dasjenige der Hess Immobilien AG in Amriswil. Es sieht weniger Zimmer vor, kein Restaurant und keinen grossen Saal. Dafür gibt es vielleicht eine öffentliche Sky Bar auf dem Dach mit Blick auf den See.

Markus Schoch
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Die Rechnung ist nicht aufgegangen. Mitte des letzten Jahres beschloss der Verwaltungsrat der Hess Immobilien AG in Amriswil nach zwei Jahren intensiver Arbeit, das Hotel auf der Hafenpromenade in Romanshorn nicht zu bauen. Beziehungsweise das 3'900 Quadratmeter grosse Stück Land der Stadt zurück zu geben, das die Romanshorner ihr mit dem Ja an der Urne im Juli 2017 für 2,047 Millionen Franken verkauft hatten.

Grund für den Rückzieher: Die Bruttorendite der Immobilie hätte sich gerade einmal auf 2 Prozent belaufen. «Unter diesen Bedingungen war es nicht zu machen», sagt Verwaltungsratspräsident und Firmeneigentümer Hermann Hess. «Das ist viel zu wenig.» Auch weil sich die Banken bei dieser Ausgangslage nur mit wenig Geld an der 35-Millionen-Investition beteiligt hätten.

Für die Hess Immobilien AG wäre kaum etwas übrig geblieben

Einen Betreiber hätte Hess gefunden. Im Vordergrund stand mit Hilton eine der weltweit grössten Hotelketten. «Unsere Ansprechpartner waren begeistert von der Lage am See direkt beim Bahnhof», sagt Hess. Nur: Der klingende Name hatte auch seinen Preis. Für die Hess Immobilien AG wäre nach Abzug aller Kosten am Schluss kaum etwas übrig geblieben.

Für Hess in die Bresche springt jetzt Hess, der auch Verwaltungsratspräsident der Schweizerische Bodensee-Schifffahrt (SBS) ist. Sie soll als Investor und Betreiber das Ruder beim geplanten Hafenhotel übernehmen. Auf die Idee kam der Amriswiler Unternehmer im Gespräch mit Benno Gmür, der ebenfalls in beiden Verwaltungsräten sitzt. Die anderen Mitglieder des strategischen Führungsgremiums bei der SBS mussten die beiden nicht lange überreden. Hess sagt:

«Autobau-Besitzer Fredy Lienhard wünscht sich seit langem ein Hotel für die Besucher seines Museums in Romanshorn.»

Auch Christian Lienhard vom Hotel Hof Weissbad als ausgewiesener Branchenfachmann sei sofort dabei gewesen. Die vertieften Abklärungen bremsten die Euphorie nicht - im Gegenteil. «Schon bei relativ tiefer Anfangsauslastung sieht es finanziell gut aus», sagt Hess. Und die Auslastung werde eher hoch als tief sein. «Es gibt der Region viel zu wenige Hotelzimmer.»

Kosten belaufen sich auf 24 Millionen Franken

Für eine akzeptable Rendite sollen betriebliche Synergien sorgen, die es zwischen Hotel und Schifffahrt gibt. Konkret beispielsweise im Marketing, in der Administration, bei gewissen technischen Diensten oder der Gastronomie. Positiv auf die Kostenstruktur wirken sich auch Änderungen am ursprünglichen Konzept aus, was die Investitionssumme um rund einen Drittel auf 24 Millionen Franken drückt.

Hermann Hess, Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt (SBS).

Hermann Hess, Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt (SBS).

Bild: Beat Belser

Statt 130 Zimmer sollen es bloss noch 84 oder maximal 102 sein, statt vier Sterne wird das Hotel nur noch drei (plus) haben, und es sind weder Küche noch Restaurant oder ein grosser Saal vorgesehen. «Ihn zu bauen, wäre wenig sinnvoll, da bald einer im Kornhaus mit Platz für 400 Personen zur Verfügung stehen wird», sagt Hess.

Verpflegungsmöglichkeiten gebe es ebenfalls in nächster Nähe - und anderem im SBS-eigenen Restaurant Hafen. Dieses wird das Frühstück liefern und bei Bedarf das Catering für kleinere oder grössere Gruppen im 200 Meter entfernten Hotel übernehmen, wo es einen Saal für 80 bis 100 Personen geben wird.

Zielgruppe sind hauptsächlich Geschäftsleute und Firmen

Das Hotel könne der SBS helfen, im Winter mehr Geld zu verdienen, sagt Hess. Zielgruppe sind hauptsächlich Geschäftsleute und Firmen, die ganzjährig Übernachtungsmöglichkeiten brauchen. Am Wochenende sollen Familien und zwischen Mai und September Touristen die Zimmer füllen. Auch die Romanshorner könnten im Hotel auf ihre Kosten kommen. Angedacht ist eine Sky-Bar auf dem Dach mit Blick auf den Hafen. Wenn die Stadt es wünsche und dafür zahle, sei der Bau von zusätzlichen öffentlichen Parkplätzen in der Tiefgarage ebenfalls eine Option.

So sahen die ursprünglichen Pläne für das Hafenhotel aus.

So sahen die ursprünglichen Pläne für das Hafenhotel aus.

(Bild: Susanne Fritz Architekten)

Abgekommen ist die SBS von der Idee, Teile des Hotels ins Hafenbecken zu bauen. «Das wäre rechtlich kaum möglich gewesen.» Das Hotel steht jetzt etwas zurück versetzt - so wie es die vom Stadtrat in Auftrag gegebene städtebauliche Konzeption der Architekten und Planer von KCAP vorsieht. «Ich frage mich, warum wir nicht von Anfang an auf die jetzige Lösung gekommen sind», sagt Hess.