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Schwedenferien auf dem Schrottplatz

Die Amriswiler Stefan und Benjamin Keller sind mit ihrem alten Volvo aktuell in Schottland an der Rallye «Knights of the Island» unterwegs. Mit ihrer Teilnahme unterstützen sie das Projekt «Ostschweizer helfen Ostschweizern».
Manuel Nagel
Stefan und Benjamin Keller posieren mit ihrem 1979er-Volvo C304 4×4, kurz vor der Abfahrt nach Brüssel, dem Start der Rallye. (Bild: Manuel Nagel)

Stefan und Benjamin Keller posieren mit ihrem 1979er-Volvo C304 4×4, kurz vor der Abfahrt nach Brüssel, dem Start der Rallye. (Bild: Manuel Nagel)

«Fehlende PS werden durch Wahnsinn ersetzt», steht auf dem Aufkleber, der am Heck des Volvo C304 4×4 von Stefan Keller prangt. Man müsse wohl schon «eine Ecke weghaben», um so ein Abenteuer auf sich zu nehmen, sagt Keller und lacht. Sein Gefährt hat zwar 125 und somit mehr als genug PS für die Rallye «Knights of the Island», die auf gewöhnlichen Strassen im Vereinigten Königreich stattfindet (siehe Karte). Voraussetzung ist jedoch, dass das Gefährt 20 Jahre alt sein muss. Auch das schafft der Volvo mit Baujahr 1979 locker. Man könnte auch mit einem normalen Auto teilnehmen, doch er habe halt nur einen alten Geländewagen, sagt Keller und verrät noch eine weitere Vorgabe: kein Navigationsgerät, sondern «wie früher mit der Karte». Und ebenfalls eine Auflage ist das Sammeln von Spenden für einen karitativen Zweck (siehe Kasten). Der Grund, weshalb Stefan Keller den alten Volvo-Geländewagen hat, liegt 36 Jahre zurück. Als 14-Jähriger war er in einem Wanderlager im Jura, und einer der Leiter hatte so einen Wagen. «Da hat’s mir den Ärmel reingenommen», erzählt Keller. Wenn er erwachsen sei, kaufe er sich auch so einen, habe er sich geschworen.

Hilfe für Ostschweizer

Jedes Team der Rallye sammelt Spenden für ein wohltätiges Projekt. Stefan Keller entschied sich für «Ostschweizer helfen Ostschweizern» (OhO). Er betont jedoch, dass jeder gespendete Franken weitergegeben und nicht für die Reise verwendet wird. (man)

Spendenkonto CH41 0900 0000 3042 4310 9 (bzw. 30-424310-9),
lautend auf Stefan Keller, 8580 Amriswil, Vermerk «Spendenaktion OhO»

«Für ein Sackgeld – aber eine Riesenbaustelle»

Vor 25 Jahren erfüllte er sich diesen Wunsch. In Zihlschlacht sah er einen solchen Volvo an der Strasse und ohne Nummer. Für ein Sackgeld habe er das Gefährt bekommen, «aber es war eine Riesenbaustelle», erinnert er sich. Zu einer Zeit, als es noch kein Internet gab, erschwerte dies die Beschaffung von Ersatzteilen. So machte Familie Keller halt Ferien in Schweden, damit der Vater auch mal den einen oder anderen Tag auf einem Schrottplatz verbringen konnte. Durch den Wagen wurde so auch Stefan Kellers Liebe zum Norden geweckt. Die Autoleidenschaft des Vaters hatte Einfluss auf dessen Sohn Benjamin. Der erinnert sich, wie er vor zehn Jahren als 13-Jähriger mit seinem Vater mitging, um den aktuellen Geländewagen zu kaufen. «Wenn der Vater Freude an alten Autos hat, dann ist‘s beim Sohn nicht weit», sagt er. Das gemeinsame Hobby und die Tatsache, dass Stefan Keller noch nie wirklich in England oder Schottland unterwegs war, brachte ihn auf die Idee, mit seinem Sohn an dieser Rallye mitzumachen – und der sagte sofort zu. Fast 4000 Kilometer legt das Duo in zehn Tagen zurück. Hinzukommen noch Aufgaben, die es zu erledigen gilt. «Wir werden gefordert sein», sagt Stefan. «Wir ticken aber beide gleich, lassen uns nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Ich denke nicht, dass wir uns auf die Nerven gehen», sagt Benjamin. Und sowieso ständen das Mitmachen und der Spass im Vordergrund, bekräftigt der Vater: «Wenn wir an einem tollen Ort vorbeifahren, halten wir auch mal an und machen ein Foto.» In der vergangenen Nacht war das «Team Laplander» in Morar.

Rund 2000 Franken Benzinkosten

Vor einer Woche ging es für die Beiden los. In aller Herrgottsfrühe machten sie sich nach Brüssel auf, wo die Rallye am Samstag startete. Den Weg in die belgische Hauptstadt nahmen sie aber nicht mit dem 39-jährigen Offroader in Angriff – der wurde auf einen Anhänger verladen. «Für uns ist es etwas bequemer», sagt Stefan Keller. Ein weiterer Grund dürfte der Spritverbrauch des Volvo C304 sein. «Das können je nach Strassenverhältnissen bis zu 25 Liter pro hundert Kilometer sein», verrät der Besitzer. Mit knapp 2000 Franken Benzinkosten rechnet Stefan Keller auf dieser Reise. «Ein alter Dreiliter», erklärt er. «Der ist nicht gerade verbrauchsarm und eigentlich auch nicht gedacht, um riesige Distanzen zurückzulegen.» Sonst sind die Rallyes kürzer, an denen die Kellers teilnehmen, wie die Schneerallye in Kärnten, wo jedoch Geschicklichkeit und nicht Geschwindigkeit gefragt sei, sagt Keller. «In der Schweiz kämst du in die Kiste, wenn du so einen Anlass organisieren würdest, und dort kommt der Bürgermeister zur Begrüssung vorbei und freut sich, dass man da ist.»

www.laplander.ch

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