Schulversammlung
Abstimmungsdrama mit einer Stimme Unterschied: Die Kemmentaler Schulbürger sagen Nein zum Erweiterungsbau in Alterswilen

Die knappste aller Mehrheiten der Stimmberechtigten fand den 5-Millionenkredit zu teuer. Die Behörde kämpfte vergebens für das Projekt. Jetzt muss sie über die Bücher und einen Plan B finden, damit die wachsende Schülerschaft nicht «unter den Bäumen» unterrichtet werden muss.

Urs Brüschweiler
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Der geplante Erweiterungsbau (Gebäude ganz oben auf dem Modell) wird nicht realisiert.

Der geplante Erweiterungsbau (Gebäude ganz oben auf dem Modell) wird nicht realisiert.

Bild: Urs Brüschweiler

«Endlich ist die Halle wieder mal voll.» Schulpräsidentin Isabelle Wepfer war zunächst erfreut über die hohe Zahl von 125 Stimmberechtigten, welche die Rechnungsversammlung der Volksschulgemeinde Kemmental am Donnerstagabend im Mehrzwecksaal in Alterswilen besuchten. Wichtigstes Traktandum war der Planungs- und Baukredit von fünf Millionen Franken für einen Erweiterungsbau auf dem Schulgelände in Alterswilen.

Bürger holten Gegenofferten ein

Diese Modell zeigt, wie die Raumaufteilung des Annex-Baus hätte aussehen sollen. Er wäre speziell auf die Kemmentaler Mosaik-Schule zugeschnitten gewesen.

Diese Modell zeigt, wie die Raumaufteilung des Annex-Baus hätte aussehen sollen. Er wäre speziell auf die Kemmentaler Mosaik-Schule zugeschnitten gewesen.

Bild: Urs Brüschweiler

Doch schnell wurde klar, die Abstimmung wird kein Selbstläufer. Schon zu Beginn der Versammlung wurde von einem Schulbürger eine geheime Abstimmung zu diesem Traktandum verlangt. Und in der Diskussion zeigte sich auch rasch: Das Vorgehen der Behörde stösst auf Kritik. Mehrere Redner fanden die Kostenschätzung deutlich zu hoch. Sie hätten selber gerechnet und sogar Offerten von Generalunternehmern eingeholt. Diese hätten gezeigt, dass der Erweiterungsbau ohne Unterkellerung und ohne eigene Toiletten um einen Drittel oder sogar um die Hälfte günstiger zu realisieren wäre. Ein Votant betonte:

«Das ist ein Killerargument.»

Die Argumentation mit einem Generalunternehmen stiess Behördenmitglied Hannes Spengler sauer auf: «Gerade die einheimischen Unternehmen würden als erste schimpfen, wenn dann auswärtige Handwerker hier auffahren.»

Provisorische Lösung nicht ausschliessen

Ins Spiel gebracht wurde für das mehrheitlich unbestrittene Thema der zunehmenden Schülerzahl am Standort Alterswilen eine Lösung mittels eines Provisoriums. Das sei teuer und löse das Problem nicht langfristig. Stattdessen stehe die Behörde hinter einem zugegebenermassen teuren, aber für die Bedürfnisse des in Alterswilen angewendeten Mosaik-Schulkonzepts massgeschneiderten, Ergänzungsbau, erklärte Schulpräsidentin Isabelle Wepfer. Aber auch diesbezüglich berichtete ein Unternehmer, er wisse von einem konkreten Angebot für eine Mietlösung, die lediglich 100'000 Franken pro Jahr kosten würde.

Der Steuerfuss wird gesenkt, nicht erhöht

Die Schulbehörde argumentierte, die Finanzlage der Gemeinde sei sehr gut. Fürs kommende Jahr stellt man gar eine Steuersenkung in Aussicht, die Investition sei also problemlos verkraftbar. Die Projektgegner hatten dafür kein Gehör, bezichtigten die Vorsteherschaft gar, zuletzt Steuern auf Vorrat eingezogen zu haben. Und sie warnten dennoch vor einem Schuldenberg als «schlechtes Erbe für unsere Kinder».

Isabelle WepferSchulpräsidentin VSG Kemmental

Isabelle Wepfer
Schulpräsidentin VSG Kemmental

Bild: PD

Schulpräsidentin Isabelle Weper und ihre Behörde kämpften für die Vorlage: «Wir sehen, was ist, und dass wir bald deutlich mehr Kinder haben werden am Standort Alterswilen. Das Primarschulhaus platzt.» Die Schulgemeinde brauche eine Lösung und sie hätten auch eine sehr gute gefunden.

«Wir werden alles dafür tun, dass die Kosten tiefer ausfallen.» Man habe bislang bei allen Bauprojekten die Kredite nicht voll ausgeschöpft. «Aber wir bescheissen nicht und beantragen einfach nur drei Millionen Franken. Ich habe auch keine Lust, einen Nachtragskredit einzuholen.» Das zügige Vorgehen der Behörde – Planungs- und Baukredit wurden etwa zusammengenommen – sei dem Druck der anwachsenden Schülerzahlen geschuldet. Wepfer betonte:

«Es kommt eine Schwetti Kinder auf uns zu, und wenn nichts passiert, müssen wir sie künftig unter den Bäumen unterrichten.»

Es half nichts: Nach der Auszählung der Stimmen musste die Behörde die Ablehnung vermelden. Knapper ging es nicht: 61 Ja-Stimmen zu 62 Nein-Stimmen, bei einer Enthaltung einem leer abgegebenen Stimmzettel. «Das tut mir leid für unsere Schule. Wir gehen nun über die Bücher und werden Sie wieder informieren», sagte die sichtlich enttäuschte Schulpräsidentin. Im Sommer 2023 hätte der Annexbau eigentlich stehen sollen.

695'000 Franken Überschuss

Die Jahresrechnung der VSG Kemmental schliesst mit einem Überschuss von 695'000 Franken. Sie wurde einstimmig genehmigt. Bewilligt wurde auch ein Kredit über 250'000 Franken für die Sanierung der Wohnung im Schulhaus Hugelshofen. (ubr)