Schulstreit Wigoltingen – jetzt kommt aus: Die Probleme gären schon seit einem Jahr

Ein Brief der Lehrer an die Schulbehörde zeigt: Schon vor einem Jahr stimmte die Kommunikation zwischen der Behörde und ihren Angestellten nicht. Der Kanton hat nichts von den Problemen gewusst.

Sabrina Bächi
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Der Konflikt zwischen Lehrern und der Behörde dauert schon über ein Jahr. (Bild: Sabrina Bächi)

Der Konflikt zwischen Lehrern und der Behörde dauert schon über ein Jahr. (Bild: Sabrina Bächi)

Was bisher geschah:

  • Ende April kündete über die Hälfte der Oberstufenlehrer an der Volksschule Wigoltingen.
  • Schulpräsidentin Nathalie Wasserfallen nennt als Gründe die Verweigerung der Lehrer, Umstrukturierungen mitzutragen.
  • Die Schüler fordern: die Schulleiter und die Schulpräsidentin sollen zurücktreten.
  • Die Lehrer melden sich zu Wort. Der Kündigungsgrund sei vor allem die schwierige Kommunikation mit der Schulleitung.
  • Eltern richten eine Aufsichtsbeschwerde an den Kanton.
  • Der Kanton untersucht den Fall Schule Wigoltingen. Ein Fragebogen soll den Konflikt klären.

Nebst Zeugnis schreiben, Abschluss vorbereiten und der Übergabe an die neuen Lehrpersonen müssen die Lehrer in Wigoltingen derzeit auch einen Fragenkatalog des Departements für Erziehung und Kultur ausfüllen. In Zuge dessen kommen nun fast schon vergessene Tatsachen ans Licht, die davon zeugen, dass der Konflikt in der Schule Wigoltingen schon länger gärt als nur die vergangenen drei Monate.

Bereits Mitte März 2018 hat sich die gesamte Lehrerschaft mit einem Brief an die Schulbehörde gewandt. Knapp sieben Monate nach der Übernahme durch die neugewählte Behörde bemängeln die Lehrer die schlechte Kommunikation in der Zusammenarbeit.

Sie schreiben der Behörde einen Brief. Dieser liegt der Redaktion vor. Darin heisst es, dass sich nun «leider herausgestellt hat, dass wir nicht die gleichen Vorstellungen von guter Kommunikation haben». Für die Behörde scheine dies einzig zu bedeuten, die Betroffenen frühzeitig zu informieren. Die Lehrer wünschten sich jedoch einen Dialog.

Gleiche Forderungen wie heute

Konkret geht es um Entscheide zur Basisstufe, zum Zweiklassensystem und mögliche Zimmerwechsel. Davon waren 2018 vor allem die Primar- und Kindergartenlehrpersonen betroffen. Der Brief wurde dem Vernehmen nach von den Primarlehrern angestossen und von den Oberstufenlehrern unterstützt. Die Lehrer schreiben weiter: «Wir hätten uns gewünscht, Zeit zu haben, um den Systemwechsel vorzubereiten.»

Eine Weiterbildung oder Teamcoaching wären wünschenswert gewesen, schreiben sie. Es sind dieselben Forderungen, welche ein Jahr später auch die Oberstufenlehrpersonen an die Schulbehörde und Schulleitung stellen. Wie eine Vorahnung klingen folgende Worte:

«Möglicherweise werden auch Eltern und Schüler durch dieses Tempo und die unerwarteten Schritte überfordert sein.»

Besorgte und verärgerte Eltern sowie traurige und verunsicherte Schüler erwarteten die Lehrer dadurch schlimmstenfalls.

Mit dem Schreiben, schliessen die Lehrer, «möchten wir einen Versuch starten, mit der Behörde im Dialog zu sein».

«Mehr Zeit wäre gut gewesen»

Schulpräsidentin Nathalie Wasserfallen hatte damals auf diesen Brief mit einem Schreiben reagiert. Dieser Brief liegt der Redaktion ebenfalls vor. «Wir sind uns bewusst, dass der Fahrplan sehr eng ist und grundsätzlich mehr zeitlicher Vorlauf wünschenswert gewesen wäre», schreibt die Schulpräsidentin.

Dem Faktor Zeit stünden jedoch Gründe gegenüber, die eine Änderung des Klassensystems nötig machen würden. Insbesondere die Ungleichverteilung der Schüler an den verschiedenen Standorten Raperswilen, Sonterswil und Wigoltingen.

Im Weiteren nimmt sie Stellung zum Wunsch der Lehrer nach Partizipation bei Behördenentscheiden. Die Behörde arbeite derzeit ein paar Eckpunkte aus, wie ein möglicher Einbezug der Lehrer aussehen könnte. Diese Ideen seien jedoch nie umgesetzt worden, wie Recherchen aus dem Umfeld der Schule ergeben.

Der neue Schulleiter Mirko Spada soll für die Kommunikation und Partizipation der Lehrerschaft verantwortlich sein, hiess vor einem Jahr seitens der Behörde.

Amt wusste von nichts

Beat Brüllmann, Chef Amt für Volksschule Thurgau. (Bild: PD)

Beat Brüllmann, Chef Amt für Volksschule Thurgau. (Bild: PD)

Das kantonale Amt für Volksschule hatte keine Kenntnis vom Brief, sagt Amtschef Beat Brüllmann. Es gebe auch keine Pflicht, jeden Konflikt zu melden. «Es ist aus unserer Sicht aber sinnvoll, wenn die Behörden im Semestergespräch mit der Schulaufsicht Konflikte ansprechen», sagt Brüllmann. Man könne dann, wenn gewünscht Unterstützung bieten.

Aktiv eingreifen wird die Schulaufsicht jedoch erst, wenn die Schule nicht mehr handlungsfähig ist oder gegen Rechtsgrundlagen verstösst. Die Wigoltinger Schulbehörde möchte derzeit gegenüber den Medien keine Stellung beziehen.

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