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Schulhaus Arbon: Viel zu wenig Stahl im Betonskelett

Die Saaldecke im Schulbau Reben 25 hätte einstürzen können. Das Tragwerk war völlig unterdimensioniert. Jetzt ist die Sanierung fast abgeschlossen. 1,3 Millionen Franken kostet sie.
Max Eichenberger
Sekundarschulpräsident Robert Schwarzer und Projektleiter Simon Oswald im Mehrzwecksaal. Die Decke wurde angehoben und verstärkt mit Stahlstützen sowie Kohlefaserlamellen. (Bild: Max Eichenberger)

Sekundarschulpräsident Robert Schwarzer und Projektleiter Simon Oswald im Mehrzwecksaal. Die Decke wurde angehoben und verstärkt mit Stahlstützen sowie Kohlefaserlamellen. (Bild: Max Eichenberger)

Nach den Sommerferien ist im Erweiterungsbau des Sekundarschulzentrums Reben 25 der Betrieb wieder normal angelaufen. Nächste Woche zügelt die Verwaltung zurück in den 2012 eingeweihten Neubau an der Alemannenstrasse. Nach den Herbstferien kann auch der Mehrzwecksaal im ersten Obergeschoss wieder genutzt werden. Bis dahin werden die aufwendigen statischen Sanierungsmassnahmen abgeschlossen sein, informierten gestern Sekundarschulpräsident Robert Schwarzer, Bauressortleiter Bruno Schneider und Schulleiter Cyrill Keller sowie Simon Oswald als Projektleiter vom Winterthurer Ingenieurbüro Deuring+Oehninger.

Nötig wurde eine umfangreiche Sanierung wegen statischer Mängel des Gebäudes, denen fehlerhafte Berechnungen eines ortsansässigen Ingenieurbüros zugrunde lagen. Als Projektleiter hat jener inzwischen freigestellte Mitarbeiter die Fehlleistung zu verantworten; er hatte auch beim Sporthallenbau gepfuscht. Der betonlastige Baukörper wurde so ins Gelände gestellt wie ein Lastwagenaufbau mit ungenügenden Verstrebungen auf ein Personenwagenchassis. Oswald zufolge sei die statische Auslegung völlig unzureichend gewesen und das Tragwerk unterdimensioniert. «Und zwar rechnerisch in einem Ausmass, dass man im Nachhinein von Einsturzniveau sprechen muss.» Aufgrund der Gutachter-Analyse, die Oswalds Büro im Auftrag der Schulbehörde gemacht hat, überraschte, dass es beim Saal nicht zu einem Deckeneinsturz gekommen war.

Mindestnorm um Faktor 2 unterschritten

«Was wir vorfanden, hat uns erschreckt», sagt Oswald. Im Betonskelett hätte viel mehr Stahl verpackt werden müssen; die Armierung sei ungenügend gewesen. Zudem habe sich im Zuge der statischen Untersuchung auch die Fundation als mangelhaft erwiesen. Das Sicherheitsniveau gegenüber der Mindestnorm wurde bei der gesamten Statik um mindestens den Faktor zwei unterschritten.

Festgestellt wurde bei Setzungsmessungen auch eine Kippneigung des Bauwerks hangwärts. Man wusste, dass der Baugrund in dieser Zone eher ungünstig ist. Das ganze Schulgebäude ist in den letzten zwei Monaten durch verschiedene Massnahmen statisch verstärkt worden. Eine «hochkomplexe Angelegenheit», sagt Simon Oswald. So haben Bauspezialisten das Fundament auf zusätzliche zehn Mikropfähle abgestützt, die zwanzig Meter tief in die Erde reichen. Zudem wurden Stützen ersetzt und teilweise verstärkt.

Fläche von 200 Quadratmetern verstärkt

Im ersten Obergeschoss wurde die Saaldecke vierzig Millimeter auf das Norm-Niveau hochgepresst. Die Decke ist rasterartig mit Stahl- und Kohlefaser-Lamellen und zwei horizontale Doppelstahlträger verstärkt worden. Beim gesamten Bau wurden rund 200 Quadratmeter Deckenfelder verstärkt.

Beim Saal war im vorletzten Winter der Abwart wegen einer klemmenden Türe stutzig geworden. Für Sekundarschulpräsident Robert Schwarzer insofern ein Glücksfall, als nach dem Befund und einer fachmännischen Begutachtung erste Sicherheitsmassnahmen getroffen werden konnten. Das ganze Ausmass der statischen Defizite im Tragwerk wurde erst danach in einer vertieften Untersuchung deutlich. Die Behörde beschloss, ein «Ertüchtigungskonzept» ausarbeiten und umsetzen zu lassen. Während der Sanierung wurden der Schulbetrieb mitsamt Verwaltung ausgelagert.

Sicherheit jetzt vollumfänglich gewährleistet

Mit der erfolgten Verstärkung des Tragwerks sei jetzt «ein normgemässer Zustand erreicht», sagt Oswald. Er betont, dass damit «die Sicherheit künftig vollumfänglich gewährleistet» sei. Die Sanierungskosten belaufen sich auf 1,3 Millionen Franken. Gedeckt werden sie von der Versicherung des fehlbaren Büros. Mit dem Schadensverursacher habe rasch ein Konsens gefunden werden können, sagt Schwarzer: «Bei allem Ärger überwiegt am Schluss die Dankbarkeit, dass nichts passiert ist. Wir haben die Gewissheit, dass das Schulhaus jetzt absolut sicher ist.» Lediglich im Saal dauern die Innenausbauten noch bis zum Ende der Herbstferien an.

Kein Prüfingenieur

Fehlerbehaftete Planungsleistungen kämen in letzter Zeit gehäufter vor, sagt Projektleiter Simon Oswald. Ein Grund sei womöglich, dass die teils – wegen des Kostendrucks - unter dem üblichen Niveau vergeben würden. Die Systematik eines Prüfingenieurs wie in Deutschland kenne man in der Schweiz nicht. Die Thematik werde in der SIA aber diskutiert. (me)

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