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Schule zeigt Eltern wegen Schwänzen der Tochter an: Das Bezirksgericht Arbon spricht sie frei und spart nicht mit Kritik

Weil sie ihre damals 11-jährige Tochter wegen Panikattacken kurzfristig vom Skilager abgemeldet hatten, standen ein Vater und eine Mutter am Montag vor Gericht. Dabei wollten sie nur endlich Frieden.
Markus Schoch
Eine Schulbehörde wollte es einem Ehepaar nicht durch gehen lassen, dass es sein Kind nicht ins Skilager schickte. (Bild:PD)

Eine Schulbehörde wollte es einem Ehepaar nicht durch gehen lassen, dass es sein Kind nicht ins Skilager schickte. (Bild:PD)

Wie um zu beweisen, dass sie fürsorgliche Eltern sind, erscheint das Ehepaar mit den drei Kindern zum Termin beim Bezirksgericht Arbon. Diese müssen dann allerdings vor der Türe warten, während Vater und Mutter drinnen im Gerichtssaal den Richtern während etwas mehr als einer Stunde erzählen, was sich vor bald drei Jahren zugetragen hat und warum sie nicht verstehen, dass sie bestraft werden sollen. Die ehemalige Spitzenathletin und ihr als Sportseelsorger arbeitender Mann verteidigen sich ohne Anwalt und sind sich keiner Schuld bewusst. «Ich kann nicht nachvollziehen, wie es so weit kommen konnte», sagt der Mann.

Die Primarschulbehörde an seinem Wohnort beziehungsweise die Staatsanwaltschaft Bischofszell werfen ihm und seiner Frau vor, gegen das Volksschulgesetz verstossen zu haben, weil sie die damals 11-jährige Tochter im Januar 2016 nicht ins Skilager schickten. Dafür sollen beide eine Busse von je 450 Franken plus Verfahrensgebühren von je 300 Franken zahlen.

Vorwürfe sind haltlos

Dagegen hat das Ehepaar Einsprache erhoben. Denn die Vorwürfe an ihre Adresse seien völlig haltlos, betonen sie vor Gericht. Sie hätten sich weder von ihrem Kind um den Finger wickeln lassen noch zu spät das Gespräch mit den Verantwortlichen gesucht. Und schon gar nicht hätten sie das Ganze von langer Hand geplant.

Nichts habe darauf hingedeutet, dass es Probleme geben könnte, sagt die Mutter der Schülerin. Für sie sei klar gewesen, dass ihre Tochter ins Lager gehen müsse. «Für uns war das selbstverständlich», sagt der Vater. Sie hätten ein Paar Ski gemietet und die Taschen gepackt. Doch dann am Tag vor der Abreise sei ihr ansonsten unkomplizierte Kind völlig von der Rolle geraten. Es habe nur noch geweint und gezittert vor Angst, es könnte etwas auf der Reise passieren, erzählt die Mutter. «Es kam völlig überraschend für uns.»

Weder sie noch ihre Tochter hätten in der Nacht geschlafen. Mit ihrem Mann konnte sich die Frau nur telefonisch unterhalten. Er war beruflich an der Skiflug-WM in der Steiermark unterwegs. Am Sonntagmorgen entschieden sie dann gemeinsam, die Tochter nicht ins Lager zu schicken, weil ihr Zustand unverändert war. Die Frau sagt:

«Ich hätte sie mit körperlicher Gewalt zwingen müssen, in den Bus einzusteigen.»

Sie habe dann den Lehrer sofort informiert, dass ihre Tochter nicht mitfahren werde. «Es war sehr kurzfristig, und es tut mir mega leid. Aber es ging nicht anders.»

Tochter besucht Unterricht in anderer Klasse

Sie seien in dieser Situation völlig überfordert gewesen, gibt die Frau zu. Aber den Verantwortlichen bei der Schule sei es nicht besser gegangen. Der Lehrer habe sie an den Schulleiter verwiesen, der aber im ersten Moment nicht viel gesagt habe. «Er versuchte uns weder zu beruhigen, noch besprach er mit uns mögliche Strategien, wie wir es hätten anstellen können, dass unsere Tochter doch noch mitgeht.» Stattdessen habe er nur erklärt, er melde sich am nächsten Tag. Was er dann auch tat. Ab Dienstag besuchte die Fünftklässlerin den Unterricht in einer vierten Klasse.

Von der Schule hörten die Eltern in dieser Woche nichts mehr und dachten, damit sei die Sache erledigt. Ein Irrtum: «Als ich später die Schulpräsidentin traf, erklärte sie mir, das werde ein Nachspiel haben», sagt die Frau. Sie seien aus allen Wolken gefallen.

Voraus ging eine Verwarnung

Tatsächlich erhielt das Ehepaar dann im August 2016 einen Strafbefehl. Aufgrund einer Aussprache mit Vertretern der Schule im Vorfeld kam er nicht ganz überraschend. Damals sei ihnen zu verstehen gegeben worden, dass sie diesmal nicht ungeschoren davon kommen würden. Denn das Ehepaar hatte bereits im Herbst 2015 eine Verwarnung bekommen, weil es die Kinder am Tag vor den Ferien ungefähr eine Stunde zu früh aus der Schule genommen hatte. Dazu sagt die Frau.

«Das war ein absolutes Missverständnis.»

Sie hätten die zuständigen Stellen informiert, doch niemand habe ihnen gesagt, dass sie ein Gesuch hätten stellen müssen. «Wir gingen davon aus, alles habe seine Ordnung», sagt die Frau. Das Ehepaar vermutet, die Schule wolle ein Exempel an ihnen statuieren. Denn angeblich hätten sich andere Eltern bei der Behörde gemeldet und mitgeteilt, künftig würden sie es auch so machen., wenn dieser Vorfall keine Konsequenzen habe.

«Sie haben nichts falsch gemacht»

Die Verantwortlichen seien ausserdem wahrscheinlich versucht, ein Zeichen zu setzen, dass die Spielregeln für alle gelten - auch für sie beide, die immer wieder in der Öffentlichkeit stehen würden. Doch darum gehe es gar nicht, sagt die Frau. Sie würden für sich gar keine Sonderstellung in Anspruch nehmen. Aber sie hätten gute Gründe gehabt, ihre Tochter zu Hause zu behalten. Sie sei krank gewesen. «So als hätte sie hohes Fieber.»

Die Arboner Richter halten die Darstellung des Ehepaars für glaubwürdig und sprechen es frei. Zudem erhält es eine Umtriebsentschädigung von insgesamt 500 Franken. Es habe sich um eine akute Ausnahmesituation gehandelt, in der die Eltern zum Wohl des Kindes gehandelt hätten. «Sie haben nichts falsch gemacht», sagt die vorsitzende Richterin.

Gericht ist befremdet

Eher befremdlich sei, dass die Schule im entscheidenden Moment keine Hilfe angeboten habe, aber dem Ehepaar nachträglich Vorwürfe mache. Nicht nachvollziehbar ist es für das Gericht, dass die Staatsanwaltschaft weder die Angeschuldigten noch die Vertreter der Schule befragt hat. «Es gab keine Untersuchungshandlungen», wundert sich die Richterin.

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