Kreuzlinger Schul-Affäre: Christoph Tobler leitet die Untersuchung

Ein unabhängiger Ausschuss wird die Affäre um den Rücktritt von Schulpräsident René Zweifel aufarbeiten. Dessen Leitung übernimmt ein Mann mit grosser Erfahrung.

Urs Brüschweiler
Drucken
Teilen
Christoph Tobler wird die Untersuchungskommission leiten. (Bild: Reto Martin)

Christoph Tobler wird die Untersuchungskommission leiten. (Bild: Reto Martin)

Kaum jemand im Thurgau hat so viel Erfahrung mit Krisen in Behörden wie er. Christoph Tobler war schon Gemeindepräsident in Arbon und Neukirch an der Thur, sass für die SVP im Kantonsrat und präsidierte diesen auch. Seit 2006 ist er selbstständiger Berater, vorwiegend für die öffentliche Hand, und wird auch als Troubleshooter eingesetzt. Nun soll er die Affäre Zweifel in der Schule Kreuzlinger unter die Lupe nehmen. Wie die Behörden gestern bekanntgaben, wird er die Kommission leiten, welche die Vorgänge um den Rücktritt des Schulpräsidenten Ende Juli untersuchen wird.

Geeignete Prüfer gesucht und Rahmenbedingungen abgesteckt

Mit der Nennung des Leiters ist auch klar, dass eine Untersuchung stattfinden wird. «Die Schulbehörden Kreuzlingen haben beschlossen, die geforderte Untersuchungskommission einzusetzen», heisst es einer Mitteilung. Die vergangenen Wochen seien intensiv genutzt worden, um geeignete, unabhängige Prüfer zu finden und die Rahmenbedingungen abzustecken. Trotz der Aussage des Erziehungsdepartements (DEK), dass alle Abläufe rechtens gewesen seien, lege die Schulbehörde Wert darauf, dieses Ergebnis durch eine unabhängige Untersuchungskommission zu bestätigen.

Anfang Woche habe man die Zusage Toblers erhalten, sagt Vize-Schulpräsident Michael Thurau auf Anfrage. Alle weiteren Details über den Ausschuss, wie etwa dessen Zusammensetzung, werde man in den nächsten zwei Wochen kommunizieren. Drei Tage vor der mit Spannung erwarteten Ersatzwahl des Schulpräsidenten folgt nun also die Bekanntgabe, dass es definitiv zu einer Untersuchung des Rücktritts kommen wird. Die Gewissheit, dass die Vorgänge unabhängig geprüft werden, nimmt Druck von den Schultern der Behörden.

René Zweifel will mitmachen

Eingesetzt wird die Untersuchungskommission von der Schule in Eigenregie. Ursprünglich wollten die Behörden sich mit René Zweifel auf ein gemeinsames Vorgehen bei der Aufarbeitung einigen, was offensichtlich nicht geklappt hat.

Zweifel schreibt auf Anfrage unserer Zeitung:

«Die Untersuchung ist nicht mit mir abgesprochen. Ich habe nichts zu verbergen und werde selbstverständlich daran teilnehmen.»

Damit sollte der Aufarbeitung von Zweifels Rücktritt nichts mehr im Wege stehen. Offen bleibt vorerst noch die Frage, wie mit möglichen Ergebnissen umgegangen wird und in welcher Form sie öffentlich gemacht werden können.

Verhalten positive Resonanz aus den Parteien

Gefordert hatten eine solche Untersuchungskommission Jost Rüegg und die Freie Liste. Rüegg schreibt auf Anfrage unserer Zeitung, dass gegen die Person von Christoph Tobler als Leiter der Untersuchung nichts einzuwenden sei. Wie unabhängig er die Ursachen des «erzwungenen Abgangs» untersuchen könne, hänge aber weitgehend von den noch nicht bekannten Rahmenbedingungen ab. «Offenbar sollen diese einseitig von den Schulbehörden festgelegt werden», schreibt Rüegg. Ein Fragezeichen macht er hinter die Aussage der Schulbehörde, dass sie die Ergebnisse des DEK «bestätigen» lassen will. Damit nähmen sie das zu erwartende Untersuchungsergebnis bereits vorweg.

Daniel Moos, Fraktionschef der Freien Liste, äussert sich verhalten positiv. «Wir freuen uns, dass unserem Wunsch entsprochen wird.» Gespannt sei man auf die Zusammensetzung der Kommission. «Es ist wichtig, dass die Mitglieder nicht mit der Behörde verbandelt sind, sondern völlig unabhängig handeln können.» Die Vorgänge müssten lückenlos aufgeklärt werden und in geeigneter Form der Öffentlichkeit präsentiert werden, sagt Moos.

SVP-Co-Präsident Fabian Neuweiler begrüsst die Entwicklung sehr, dass ein Fachmann sich der Sache annehme. Falls es jetzt mit einer Aufarbeitung doch nicht klappe, wisse man, wo es klemmt.

Auch SP-Präsident Cyrill Huber findet es gut, wenn es nun eine Untersuchungskommission geben wird. Er betont aber, dass es zwingend notwendig sei, dass beide Seiten – die Behörden und René Zweifel – ihr Einverständnis zur Untersuchung geben und dann auch dahinter stehen.

FDP-Co-Präsidentin Pia Donati sagt, man sei immer für Transparenz und entsprechend begrüsse sie die Untersuchung. Die Resultate müssten dann aber auch kommuniziert werden können.