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Glocken-Sabotage im thurgauischen Wäldi: Familienvater erhält saftige Busse aufgebrummt

Das Bezirksgericht Kreuzlingen hat ein Urteil gefällt: Der lärmgeplagte Kirchenanwohner, der das morgendliche Geläut in Selbstjustiz mit einer Zeitschaltuhr lahmgelegt hatte, erhält nun die Rechnung präsentiert.
Urs Brüschweiler
Tatort: Kirchturm von Wäldi. (Bild: Donato Caspari)

Tatort: Kirchturm von Wäldi. (Bild: Donato Caspari)

Die Vergleichs-Verhandlungen sind gescheitert, also musste das Gericht entscheiden. Und die Richter sahen die Schuld des vom Glockenlärm geplagten Anwohners der Wäldemer Kirche als erwiesen. Wie aus dem vom Bezirksgericht Kreuzlingen nun veröffentlichten Urteil hervorgeht, muss der 45-jährige Familienvater eine Busse von 2640 Franken bezahlen. Hinzu kommen 3400 Franken Untersuchungs- und Gerichtskosten. Eine Geldstrafe in Höhe von 13200 Franken wird zur Bewährung ausgesetzt. Wie die Gerichtspräsidentin auf Anfrage mitteilt, habe der Verteidiger des Mannes jedoch Berufung eingelegt. Das Thurgauer Obergericht wird sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen haben.

Immer um 6 Uhr morgens blieb der Strom weg

Die Geschichte hatte Ende Mai für Aufsehen gesorgt. Die reformierte Kirchgemeinde Lipperswil/Wäldi hatte im Sommer 2016 Strafanzeige eingereicht. Nach monatelanger Suche hatte sie den Grund gefunden, wieso die Wäldemer Kirchenglocke morgens um 6 Uhr nicht mehr läutete. Eine versteckt installierte Zeitschaltuhr hatte immer zu dieser Tageszeit die Stromzufuhr zum Schlagwerk unterbrochen.

Es gab ein Motiv, er hatte das Know-how und man fand seine DNA an der Zeitschaltuhr

Mittels DNA-Nachweis konnte der Saboteur überführt werden. Dieser hatte sich bereits früher über den Lärm der Glocke beklagt. In der Gerichtsverhandlung hatte der Mann jedoch die Tat geleugnet. Die Richter hatten die beiden Parteien vor der Urteilsverkündung motiviert, einen Vergleich zu schliessen und warteten deshalb mit der Bekanntgabe. Doch die Gespräche hatten zu keiner gütlichen Einigung geführt.

Schutzbehauptungen des Angeklagten

Wie der kurzen Urteilsbegründung des Gerichts nun zu entnehmen ist, hegt dieses «keine ernsthaften Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten.» Die Argumente des Angeklagten taxierten die Richter als Schutzbehauptungen. Dieser hatte gesagt, er habe nicht das nötige Wissen für ein solches Vorgehen und seine Garage sei immer offen gestanden, so dass jedermann die Zeitschaltuhr dort hätte holen können.

Für das Gericht sind die Tatbestände der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs erfüllt. Bei der Strafzumessung folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Keine Genugtuung für die Kirchgemeinde

Die Genugtuungsforderung der Kirchgemeinde von 600 Franken lehnte das Gericht jedoch ab. Und ihren Schadenersatzanspruch von rund 13000 Franken für die lange Fehlersuche, den letztlich unnötigen Ersatz der Läutetechnik und eine neue Schliessanlage müsste sie mit einer Zivilklage geltend machen.

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