Schönholzerswilerin hilft als Hebamme den Frauen in Afrika

Helen Müller arbeitet als Hebamme im Tschad. Sie hat sich schon in jungen Jahren dazu berufen gefühlt, anderen Menschen zu helfen.

Janine Bollhalder
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Helen Müller auf einer Wiese in Schönholzerswilen. (Bild: Andrea Stalder)

Helen Müller auf einer Wiese in Schönholzerswilen. (Bild: Andrea Stalder)

«Ich habe mich von Gott dazu berufen gefühlt», sagt die 60-jährige Helen Müller. Mit 25  Jahren ist sie von ihrem Heimatdorf Schönholzerswilen aus zum ersten Mal für die Organisation Sam-global nach Afrika gereist.

Zurzeit arbeitet sie in einer Oase im Tschad. Den Namen dieser Oase verrät sie aber nicht: «Das wäre zu gefährlich», sagt Müller. Denn in Afrika treiben Terrororganisationen ihr Unwesen. «Weisse sind besonders bedroht. Die Terroristen gehen davon aus, dass wir viel Geld haben und sie daher hohe Lösegeldforderungen stellen können.» Spitzel seien überall und Müller will nicht von ihnen gefunden werden.

Andere Verhaltensweisen

Helen Müller hat ursprünglich Psychiatrieschwester gelernt. In Kamerun, ihrem ersten Einsatzort in Afrika, war aber ein anderes Handwerk gefragt – mit 28 Jahren kehrte sie in die Schweiz zurück und machte eine dreijährige Ausbildung zur Hebamme.

Nun berät sie Mütter auch nach der Geburt im Umgang mit dem Säugling. «Die Afrikanerinnen haben traditionelle Bräuche. In der Oase Tschads beispielsweise schneiden sie den Kindern die Eckzähne raus», sagt Müller. Zunehmend kann sie die Mütter jedoch von diesen Tätlichkeiten abbringen. «Aber es ist halt Teil ihrer Tradition.»

Auch andere Eigenheiten der lokalen Bevölkerung haben sie überrascht:

«Bei den Leuten in dieser Oase zählt nur die Ehre. Wenn diese verletzt wird, ist es völlig normal, jemanden umzubringen. Freundlichkeit gilt als Schwäche»

Als Beispiel erzählt Helen Müller, dass, wenn sie auf der Strasse Kinder grüsse, diese sie mit Steinen bewerfen. Dennoch ist sie froh in der Oase zu sein und fühlt sich sicher, denn das lokale Kriegsvolk beschütze sie vor den Terroristen.

Müller hält sich auch an die Gepflogenheiten in diesem islamischen Gebiet: Zur Arbeit trägt sie ein Kopftuch, rosa, wie auch der Rest ihrer Uniform. Helen Müller arbeitet vier Tage die Woche im Spital im Tschad.

An den anderen Tagen lernt sie die örtliche Sprache. In Kamerun habe sie mit den Einwohnern auf Französisch oder in der lokalen Sprache kommuniziert. In der Oase Tschads müsse sie nun eine neue Sprache lernen.

«Der arabische Dialekt hier hat die gleichen Laute im Alphabet wie der Thurgauer Dialekt»
Helen Müller auf dem Bauernhof ihrer Mutter in Schönholzerswilen, vor einem afrikanischen Seidenschal, welchen sie jeweils als Kleid in Afrika trägt. (Bild: Andrea Stalder)

Helen Müller auf dem Bauernhof ihrer Mutter in Schönholzerswilen, vor einem afrikanischen Seidenschal, welchen sie jeweils als Kleid in Afrika trägt. (Bild: Andrea Stalder)

Die 60-Jährige mit den kurzen, grau weissen Haaren und der gebräunten Haut hat sich an das Leben in Afrika gewöhnt: «Ich lebe in einem Lehmhaus mit Wellblech- und Strohdach ohne Kühlschrank oder fliessendes Wasser. Die Post kommt alle zwei bis drei Monate und für einen Internetzugang muss ich ins 20 Minuten entfernte Kulturzentrum.»

Die Unannehmlichkeiten stören sie aber nicht. «Ich habe gelernt, geduldig zu sein und zufrieden mit dem, was ich habe.» Angst habe sie nicht, obwohl sie 2014 aufgrund der islamischen Terrororganisation Boko Haram aus Kamerun flüchten musste. «Ich nehme das Leben so, wie es kommt», sagt Müller.

Und das heisst, dass sie vor ihrer Rückkehr in den Tschad ihre Ferien in Schönholzerswilen auf dem Bauernhof ihres Bruders verbringt.

«Entführungsrisiko war zu gross»

Helen Müller lebt seit über 20 Jahren die meiste Zeit in Nordkamerun. Dort betreut die Hebamme Frauen und behandelt Kranke. Weil ihr die Entführung durch eine islamistische Sekte drohte, reiste sie vorläufig in die Schweiz zurück.
Mario Testa

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