Schönholzerswilen sucht dreiste Steindiebe

In der Gemeinde Schönholzerswilen ist ein 300-jähriger historisch wertvoller Grenzstein verschwunden. Ruedi Rüegger hofft, das Artefakt für seinen Geoweg endlich wieder zu finden.

Sabrina Bächi
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Der Markstein von 1734 im Buhwiler Moos. Im vergangenen Sommer wurde er von Unbekannten gestohlen. (Bild: PD)

Der Markstein von 1734 im Buhwiler Moos. Im vergangenen Sommer wurde er von Unbekannten gestohlen. (Bild: PD)

Bald zehn Jahre ist es her, dass Landwirt Hansueli Roth aus Metzgersbuhwil den klobigen Stein am Rande der Strasse wieder aufrichten wollte. «Mit den grossen Landmaschinen habe ich den Stein ein paar Mal erwischt», sagt Roth. Als er den schon halb im Boden versunkenen Stein aufrichten wollte, fiel ihm auf, dass dies kein normaler Stein sein kann. «Die Form war speziell und die Inschrift hat mich auch stutzig gemacht.»

Kurz entschlossen meldete er den Fund beim Amt für Geoinformation. Und tatsächlich: Der Stein stellte sich als Schmuckstück heraus. Gemäss Untersuchungen handelt es sich beim Stein um einen Markstein aus dem Jahr 1734. Er markierte zu jener Zeit die Grenze zwischen der Landgrafschaft Thurgau und dem Gottshaus St. Gallen. Auf dem Stein gut ersichtlich sind die Abkürzungen. LGT für Landgrafschaft Thurgau und GSG für Gottshaus St. Gallen. Das grosse B steht für Bürglen, welches zu dieser Zeit zu St. Gallen gehörte.

Historischer Standort im Moos

Aufgrund der Inschrift hat Erich Trösch vom Staatsarchiv damals festgestellt, dass der Fundort nicht der historisch richtige Standort sein kann. Vermutlich wurde der Markstein auf das Land von Hansueli Roth versetzt. Wahrscheinlich ist, dass der Stein früher auf der heutigen Gemeindegrenze zwischen Bussnang und Schönholzerswilen im Buhwiler Moos gestanden hat und durch die landwirtschaftliche Nutzung versetzt wurde.

Entsprechend wurde der Grenzstein an die vermutlich historisch richtige Stelle versetzt. Dort führte dann auch der Schönholzerswiler Geoweg vorbei. Ruedi Rüegger, Mitinitiator und Verantwortlicher des Geowegs, hat denn auch im vergangenen Mai bemerkt, dass der 300-jährige Grenzstein nicht mehr da ist.

Ruedi Rüegger (Bild: Sabrina Bächi)

Ruedi Rüegger (Bild: Sabrina Bächi)

«Ich gehe oft mit meinen Enkeln dort spazieren», sagt Rüegger. Dass der Stein nicht mehr da ist, bedauert er. «Der Stein ist sicher 100 bis 200 Kilo schwer – er wurde bestimmt absichtlich entfernt», sagt Rüegger. Er hat den Verlust bei der Gemeinde und verschiedenen kantonalen Ämtern gemeldet.

«Ich dachte, die wissen vielleicht, weshalb der Stein weg ist. Doch da er nicht von einer offiziellen Stelle entfernt wurde, gehe ich von Diebstahl aus – entweder absichtlich oder aus Jux.»

Für den Geoweg besass der Stein eine hohe Bedeutung: «Der Stein verbindet das, was den Geoweg ausmacht – Geschichte, Geologie und Geografie.» Die Geschichte Schönholzerswilens laufe auch ohne den Stein weiter, «aber es gehört sich einfach nicht, einen historischen Stein zu stehlen», sagt er.

Eine Attrappe hingestellt

Um den Stein zu finden, hat Rüegger im Dorfblatt eine Anzeige geschaltet. Genauso wie die Gemeinde. Was bisher jedoch aufgetaucht ist, ist nicht das Original, sondern eine billige Kopie. «Seit dem Sommer steht an besagter Stelle ein überzähliger Grenzstein vom Radwegbau zwischen Mettlen und Hagenwil», schreibt die Gemeinde im Blatt.

Die Attrappe haben Unbekannte am Standort des richtigen Steins aufgestellt.

Die Attrappe haben Unbekannte am Standort des richtigen Steins aufgestellt.

Unbekannte, vielleicht sogar die Steindiebe selbst, haben die Attrappe dort hingestellt. Gemeldet hat sich bisher noch niemand. Weder bei Ruedi Rüegger noch bei der Gemeinde. «Ich hoffe, irgendjemand sieht den Stein in einem Garten stehen und meldet sich. Oder die Diebe bringt ihn gleich selbst zurück», sagt Ruedi Rüegger.

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