Schocherswil
«Der Paso Fino will dem Reiter gefallen» – Thurgauer Farm züchtet kolumbianische Pferderasse

Claudia und Daniel Greb-Schorta züchten in Schocherswil schon seit 20 Jahren die Pferderasse Paso Fino. Seither sind 116 Fohlen auf ihrer Farm zur Welt gekommen. Bis ihre Tiere verkauft werden, müssen jedoch viele Bedingungen erfüllt sein.

Luca Hochreutener
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Dieses Jahr haben die Grebs fünf neue Fohlen bekommen.

Dieses Jahr haben die Grebs fünf neue Fohlen bekommen.

Bild: Manuel Nagel

Der Name sagt bereits alles über die Eigenschaften der Pferde aus. «Feiner Gang» bedeutet Paso Fino nämlich auf Deutsch. «Die Pferde haben einen unglaublich bequemen Gang», sagt Daniel Greb. «Das ist ihre grösste Spezialität.» Der da so schwärmt, betreibt zusammen mit seiner Frau Claudia Greb-Schorta die Zuchtfarm «Swiss Paso Fino» in Schocherswil. Im Jahr 2000 begannen seine Frau und er mit der Zucht. «Damals lebten wir aber noch nicht in Schocherswil», sagt Daniel Greb.

Das erste Fohlen nur hobbymässig gezüchtet

Daniel Greb

Daniel Greb

Bild: Manuel Nagel

Angefangen hatten sie das Züchten als Hobby. Ihr erstes Paso Fino wurde im Jahr 2001 an ihrem alten Wohnort im Zürcher Unterland geboren. Um die Zucht auszuweiten, hielten sie Ausschau nach einem geeigneten Hof. Die Suche gestaltete sich als sehr schwierig. Schliesslich fand sie das Glück von alleine: «Die ehemaligen Besitzer sind von selbst auf uns zugekommen und machten uns ein Angebot», sagt Daniel Greb. «Diese betrieben ein Therapiezentrum in Hosenruck und für den Hof hatten sie keinen Bedarf mehr.» Vom Jahr 2002 an haben die Grebs dort ihre Zucht aufgezogen, bis sie 2015 den Hof gekauft haben. «Aktuell wächst bei uns das Fohlen Nummer 116 auf», sagt Greb.

Mit ihrem Classic Event organisieren sie seit 2009 fast alljährlich das grösste Reitevent mit Paso Finos in Europa. Am 28. und 29. August findet dieses zum zehnten Mal statt. «Letztes Jahr mussten wir unser Classic wegen Corona leider ausfallen lassen», sagt Daniel Greb. Dieses Jahr wollen sie die Veranstaltung aber wieder realisieren. Dafür lassen sie sogar zwei professionelle Judges aus den USA einfliegen, die als Jurymitglieder fungieren werden.

Sie verkaufen die Pferde nur selten ins Ausland

Pro Jahr kommen auf der Farm im Durchschnitt fünf bis sechs Fohlen zur Welt, «im Zeitraum von April bis Juli», sagt Greb. «Ab drei Lebensjahren beginnen wir, die Pferde zu trainieren.» Je nach Fortschritt der Tiere werden sie bis zu ihrem vierten oder fünften Lebensjahr verkauft. «Unsere Hauptzielgruppe sind Menschen in der Schweiz», erklärt Greb. Grund dafür sei ihre Verbundenheit zu den Pferden: «Wir möchten die Entwicklung der Tiere auch nach dem Verkauf weiterverfolgen.» Sie haben ihre Paso Finos zwar auch schon bis nach England verkauft:

«Die Distanz ist für uns aber immer eine Erschwernis.»
Claudia Greb

Claudia Greb

Bild: Manuel Nagel

Dies sei aber nicht der einzige Grund, warum sie die Pferde nur selten ins Ausland verkaufen. «Durch den Preis unserer Pferde sind Kunden aus dem Ausland oft abgeschreckt», sagt Claudia Greb. In Deutschland bekomme man Paso-Fino-Fohlen bereits ab zirka 5000 Euro. «Die Gefahr im Kauf solcher Fohlen besteht darin, dass die Tiere nicht durch Fachpersonen eingeritten und trainiert wurden.» werden unnötige Fehler eingebaut, die nachher oft nur noch schwer zu korrigieren seien. Trotz des niedrigeren Kaufpreises vergessen die Reiter die Kosten, die anfallen, bis sie das Pferd schliesslich reiten können. «Bei uns reiten die Interessenten die Pferde vor dem Kauf und lernen so gleichzeitig das Wesen des Pferdes kennen», sagt Claudia Greb.

«Durch den Verkauf eines dreijährigen Pferds für rund 20'000 Franken decken wir die Kosten für sein Futter, die Zuchtpferde und unsere Arbeit», sagt Claudia Greb. Statt von dem Verkauf der Pferde profitieren sie deutlich mehr von den Trainingseinheiten, die sie anbieten. «Durch den Verkauf unserer Tiere schaffen wir uns somit selbst einen Markt», sagt sie.

«Die Interessenten müssen bei uns vor dem Kauf noch ein halbes Jahr Reitunterricht nehmen», sagt Daniel Greb. «Der Paso Fino muss sich an den Reiter gewöhnen.» Pferde dieser Rasse seien sehr menschenbezogen:

«Der Paso Fino will dem Reiter gefallen.»

«Sie haben einen klaren Verstand und Charakter und sind deshalb sehr umgänglich.» Trotz ihres Temperamentes seien sie relativ leicht vom Reiter zu beherrschen. Das Pferd erkenne oft selbst, was es zu tun habe, und benötige nur wenig Hilfe von seinem Reiter. Diese Eigenschaften seien im Grunde der Traum eines jeden Pferdeliebhabers: «Mit Paso Finos macht das Reiten aus unserer Sicht am meisten Spass», sagt Daniel Greb.

Dies bestätigt auch eine Anekdote der Grebs: «Ein ehemaliger Springreiter musste seinen Sport aufgrund Multipler Sklerose aufgeben», sagt Claudia Greb. Aufgrund der Nervenkrankheit habe dieser nicht mehr genug Kraft in den Knien gehabt, um sich bei den Hürdensprüngen richtig auf dem Pferd zu halten. «Dann hat er meinen Mann und mich zufällig beim Mittagsprogramm eines Springreit-Turniers gesehen und war erstaunt über die weichen Schritte der Pferde», sagt sie. «Schliesslich kontaktierte er uns, um sich über Paso Finos zu erkundigen.» Dies sei jetzt neun Jahr her, und mittlerweile besitze er schon zwei Paso Finos von ihrem Hof.

Die Paso-Fino-Szene in der Schweiz ist noch sehr klein. «Gerade einmal zweihundert Pferde gibt es hierzulande», sagt Claudia Greb. Aktuell gibt es vier Zuchtfarmen. Neben jener in Schocherswil gibt es eine im Bernbiet, eine im Wallis und eine in Henau. «Unter anderem, weil der Markt noch recht überschaubar ist, pflegen wir ein sehr gutes Verhältnis zu den anderen Züchtern», sagt Claudia Greb.

Swiss Paso Fino Classic findet zum zehnten Mal statt

Am 28. und 29. August findet das zehnte Swiss Paso Fino Classic in Schocherswil statt. Im gleichen Zuge feiern die Grebs ihr 20-Jahr-Zucht-Jubiläum. An der Classic gibt es jedes Jahr einen Turnierwettkampf zu bestaunen. Für Kinder stehen Ponys zum Reiten bereit. Am Samstagabend wird ab 18 Uhr ein «Unterhaltungsprogramm aus der bunten Pferdewelt» durchgeführt. Während des Anlasses ist dauerhaft eine Festwirtschaft samt Bar in Betrieb. Der Eintritt ist das ganze Wochenende kostenlos. 

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