Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Schnellste Bahn auf dem Globus gibt es in Arbon

Die weltbesten Rollstuhlsportler geben sich bei «Weltklasse am See» ein Stelldichein.
Die Limitenjagd für Olympia Tokyo 2020 dürfte eine Weltrekordflut auslösen, prophezeit OK-Präsident Nick Sigg.
Max Eichenberger
Er bringt die Cracks von allen Kontinenten auf die schnelle Stacherholz-Rundbahn: OK-Präsident Nick Sigg. (Bild: Max Eichenberger)

Er bringt die Cracks von allen Kontinenten auf die schnelle Stacherholz-Rundbahn: OK-Präsident Nick Sigg. (Bild: Max Eichenberger)

Nach der Premiere 2005 richtet der Turnverein STV Arbon an Auffahrt und am darauffolgenden Wochenende (30. Mai, 1./2. Juni) zum sechsten Mal den sportlich hochkarätigen Event aus. Für den Organisator ist das ein grosser Lupf – mit schönen Begegnungen, einem Perspektivenwechsel und auch Enttäuschungen.

Nick Sigg, warum kam der Verein zu der Ehre, das international bestbesetzte Rollstuhlsport-Meeting auf der Rundbahn der Sportanlage Stacherholz durchzuführen?

Da war einerseits Zufall im Spiel, anderseits mein nicht mehr so ganz jugendlicher Leichtsinn. Als der Turnverein den Schweizer Final der Leichtathletik-Mannschaftsmeisterschaften ausgerichtet hatte, sprach mich ein Funktionär an, der auch Kampfrichter im Rollstuhlsport ist. Nach einer Nacht Bedenkzeit hatte er meine Zusage.

2005 war die Premiere von «Weltklasse am See». In Anlehnung an das Diamonds-League-Leichtathletik-Meeting «Weltklasse Zürich» ist der Event zwischenzeitlich so umgetauft worden. Seither gilt Arbon als Mekka des Rollstuhlsports. Was macht die Anziehungskraft für Athleten aus allen Kontinenten aus?

Die Stacherholz-Bahn gilt als schnellste der Welt. Nirgends sonst werden so viele Weltrekordzeiten gefahren. Beim 1990 auf einem Teerfundament aufgetragenen Mondo-Kunststoffbelag gibt es keine Noppen mehr. Er ist flach. Der Weichmacher hat sich verflüchtigt, die Bahn ist so relativ hart und der Rollwiderstand damit geringer geworden.

Rechnen Sie damit, dass erneut Weltrekorde purzeln?

Zwischen 20 und 25 neue Bestmarken wird es wohl wieder geben. Mit über 220 Athleten verzeichnen wir einen neuen Melderekord. Die internationale Crème de la Crème ist dabei. Weil es um die Selektion für die Olympiade 2020 in Tokyo geht, wird Arbon ein Limitenrennen, wo alle sich gegenseitig pushen. Bei diesen Vorzeichen sind spannende Wettkämpfe zu erwarten. Da hoffen wir natürlich auch auf viele Zuschauer.

Die Schweizer Stars wie Marcel Hug und Manuela Schär werden sich der grossen Konkurrenz stellen.

Nicht nur die Aushängeschilder, die gesamte nationale Elite wird am Start sein. Die Schweizer Meisterschaften sind in den hochkarätigen Anlass integriert und werden am Wochenende nach Auffahrt ausgetragen. Doch auch diese Rennen sind international ausgeschrieben. Zum Auftakt am Auffahrtstag findet das Daniela-Jutzeler-Memorial statt. Die meisten Teilnehmer nutzen so die doppelte Startgelegenheit. Marcel Hug wird es unter anderem mit seinem neuen Rivalen Daniel Romantschuk aus den USA zu tun bekommen.

Wird der Organisator denn nicht arm, sollte er Preisgelder und Prämien schütten müssen?

Nein, die gibt es nicht. Alle Teilnehmer, auch Weltrekordhalter und die Profis unter den Rollstuhlathleten, entrichten ihr Startgeld. Da wird kein Unterschied gemacht.

Einen solchen Grossanlass zu stemmen, bedeutet viel Aufwand. Die gesamte Infrastruktur muss auf die Rollstuhlsportler ausgerichtet sein.

Das ist so. Am Anfang haben wir Lehrgeld bezahlt. Da gibt es wortwörtlich viele Hindernisse auszuräumen. Ich habe bei der Premiere den eigenen Werkzeugkasten holen müssen, um ein Drehkreuz zu demontieren. Auch haben wir tagelang jedes Hotelzimmer in der Region ausgemessen, um es für eine Buchung freigeben zu können. Es gab Türen in die Nasszelle, die zu klein waren für einen Rollstuhl, oder auch unüberwindbare Absätze. Für uns hat es sich insofern vereinfacht, als wir mit der Ausschreibung heute nur noch die Hotelliste abgeben. Die Reservation ist mittlerweile Sache der Teilnehmer, der Betreuer oder Verbände.

Das Hineinversetzen in die Perspektive von Rollstuhlsportlern: Was löste das aus?

Einen Denkprozess, und zwar auf verschiedenen Ebenen. Bei uns, bei Hoteliers, aber auch bei den Behörden. So sind etwa nicht behindertengerechte Fussgängerübergänge und Passagen nachhaltig «korrigiert» worden. Davon profitieren heute auch Mütter mit ihren Kinderwagen. In den Ruheraum in der Doppelturnhalle mussten wir eine Rampe bauen, auf Wiesen und Kieswegen Matten auslegen, weil die dünnen Collies der Renngeräte keine spitzen Steine vertragen. Bei der alten Sporthalle demontierten wir Trennwände, damit Rollstuhlsportler in den WC-Anlagen manövrieren konnten. Und die neue Sporthalle ist mit nur einem kleinen Lift für uns nicht gut nutzbar. Der Garderoben- und WC-Bereich dient uns immerhin für die Dopingkontrolle. Dafür stellen wir im Freigelände Behinderten-Toi-Toi’s mit elektrischen Türen auf. Das Office hingegen ist ideal für die Verpflegung.

Wie viele Helfer werden im Einsatz sein?

Der Verein stellt 160 bis 180 Helfer im Alter von zehn bis achtzig. Auch Familienangehörige machen mit. Die Rekrutierung wird aber immer schwieriger. Es braucht viele persönliche Gespräche.

Nach der letzten Austragung hat Sie Bundesrat Ueli Maurer hoffen lassen, vom CSIO in St. Gallen einen Abstecher nach Arbon zu machen. Kommt er?

Leider hat der Bundespräsident abgesagt – und auch Sportministerin Viola Amherd. Entschuldigen lassen sich auch die Thurgauer Regierungsvertreter, ebenso der jetzige und der neue Stadtpräsident. Wir sind schon etwas enttäuscht. Immerhin hat sich Grossratspräsident Kurt Baumann angesagt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.