Schloss Salenstein: Seit 40 Jahren im Dornröschenschlaf

Nach dem Tod von Eigentümer Bruno Stefanini ist die Zukunft von Schloss Salenstein ungewiss. Das Anwesen sei «erstaunlich gut in Schuss», dennoch bedürfe es einer umfangreichen Renovation.

Barbara Hettich
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Das Schloss Salenstein ist seit 1979 unbewohnt. (Bild: Barbara Hettich)

Das Schloss Salenstein ist seit 1979 unbewohnt. (Bild: Barbara Hettich)

1979 hat der Winterthurer Immobilienkönig Bruno Stefanini das Schloss Salenstein erworben und seither steht es leer. Das Schloss ist im Besitz der 1980 von Stefanini gegründeten Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte.

Stefanini habe sich immer wieder von neuem Gedanken gemacht, für seine umfangreiche Kunstsammlung ein Museum zu gründen, heisst es in einem Artikel von Elisabeth Grossmann, Stiftungskuratorin und Geschäftsführerin ad interim. Mit Ausnahme von Schloss Grandson sei es jedoch nie dazu gekommen, weder in den Schlössern Luxburg, Salenstein noch Brestenberg, die alle der Stiftung gehören.

Verhandlungen wurden früher oder später abgebrochen

Die Verhandlungen mit den entsprechenden Vertretern der Gemeinde oder Regierung wurden von ihm stets früher oder später abgebrochen. Es fehle ihm, schrieb er dann an die enttäuschten Kunstfreunde, schlicht die Zeit, sich unter diesen widrigen Umständen um eine Museumsgründung zu kümmern.

Die Kunst blieb liegen

In der Folge blieben die Ankäufe von Kunstobjekten des leidenschaftlichen Sammlers meist unbesehen in ihren Transportkisten liegen, stapelten sich in den verschiedenen Liegenschaften nach und nach bis zur Decke und begannen Staub, wenn nicht Schlimmeres, anzusetzen.

Das dringend benötigte Personal fehlte

Mit der Anstellung einer Kuratorin kam 2003 erstmals Ordnung in die Sammlung. Es wurden zahlreiche Werke katalogisiert und restauriert, doch war Stefanini nicht bereit, das dringend notwendige Personal einzustellen. Zumindest kam es mit «Von Anker bis Hodler» 2007 und «Sesam öffne Dich» 2014 zu zwei bedeutenden Ausstellungen.

Im Dezember verstorben

Im vergangenen Dezember ist Bruno Stefanini im Alter von 94 Jahren gestorben und im Januar wurde sein Testament eröffnet. Sein gesamtes Privatvermögen, unter anderem über 200 Liegenschaften, gehen in den Besitz der Stiftung über. Im Stiftungsrat haben seit vergangenem Sommer Stefaninis Kinder, Bettina Stefanini und Vital Stefanini, das Sagen. Dies, nachdem das Bundesgericht nach jahrelangem Streit zu Gunsten der Familie entschieden hat.

Endlich handlungsfähig

«Nachdem der neue Stiftungsrat im Juni 2018 endlich handlungsfähig geworden war, wurde sehr schnell klar, dass als dringendste Aufgabe die Aufarbeitung der Sammlung vorangetrieben werden musste. So nehmen wir uns seit nunmehr rund sechs Monaten in mehreren Teams eine Liegenschaft nach der anderen vor», schreibt Elisabeth Grossman weiter.

Im Sommer 2020 will man einen Überblick haben

Im Sommer 2020, so die sportliche Vorgabe des Stiftungsrates, soll diese immense Aufgabe abgeschlossen sein. Dann werde ein Überblick über die Sammlung und ihren Zustand vorliegen. Sie werde die Basis für die Entscheidungen des Gremiums sein – Voraussetzung dafür, die Geschicke dieser einmaligen Sammlung in die Zukunft zu führen, so die Konservatorin.

Letzten Herbst erstmals besichtigt

Der Stiftung steht viel Arbeit bevor. Nicht nur die Kunstobjekte müssen gesichtet werden, auch die rund 200 Liegenschaften, die teilweise in prekärem Zustand sind, müssen in die Stiftung überführt werden. Die Zukunft von Schloss Salenstein dürfte somit nicht oberste Priorität haben, dies bestätigte Stiftungspräsidentin Bettina Stefanini auf Anfrage. Letzten Herbst habe sie Schloss Salenstein erstmals besichtigt und sei überrascht gewesen, wie gut der Zustand nach 40 Jahren Dornröschenschlaf noch ist, dennoch bedürfe es einer umfassenden Renovation.

«Ich mag es nicht, wenn Liegenschaften einfach leer stehen.»

Sie rechne damit, dass der Stiftungsrat noch dieses Jahr entscheide, wie es mit Schloss Salenstein weiter gehen soll.

Die Gemeinde Salenstein sucht das Gespräch

Das Schloss sei noch gut in Schuss, sagt Bruno Lorenzato, Gemeindepräsident von Salenstein. Es werde keinen grossen Schaden nehmen, wenn es noch etwas länger leer stehe. Die Abwasser-, respektive Meteoleitungen seien saniert, somit dürfte auch der Felsen, auf dem das Schloss steht, nicht weiter erodieren. Es ist nicht so, dass sich der Gemeindepräsident nicht für die Zukunft von Schloss Salenstein interessiert, zumal Gemeinden gemäss Natur- und Heimatschutzgesetz sich an den Renovationskosten von Denkmälern beteiligen müssen. «Wir werden mit der Stiftung das Gespräch suchen», sagt Lorenzato. Salenstein ist mit denkmalgeschützten Schlössern gesegnet. Nebst Schloss Salenstein stehen Schloss Arenenberg, Schloss Eugensberg, Schloss Louisenberg und Schloss Hub auf Gemeindegebiet.