«Die einen fragen sich halt, ob der Schlossherr ‹sauber› ist» – der neue Eugensberg-Besitzer ist in Salenstein Dorfgespräch Nummer eins

Dass der «Eugensberg» an einen Internet-Millionär verkauft worden ist, beschäftigt die Einwohner. Sie sind gespannt, wie er sich integrieren wird. Der Gemeindepräsident hat ein gutes Gefühl.

Martina Eggenberger Lenz/Nicole D'Orazio
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Selbst die Post scheint sich nicht sicher zu sein, ob der neue Schlossherr schon eingezogen ist. (Bild: Martina Eggenberger)

Selbst die Post scheint sich nicht sicher zu sein, ob der neue Schlossherr schon eingezogen ist. (Bild: Martina Eggenberger)

Bruno Lorenzato hat dem Rest der Dorfbewohner etwas voraus: Der Gemeindepräsident hat den neuen Besitzer von Schloss Eugensberg bereits kennenlernen können. «Herr Schmid und seine Frau haben bei unserem Treffen einen sehr, sehr guten ersten Eindruck hinterlassen», schwärmt er.

«Ich bin überzeugt, dass das Konkursamt mit diesem Käufer eine gute Wahl getroffen hat.»
Gemeindepräsident Bruno Lorenzato.

Gemeindepräsident
Bruno Lorenzato.

Seit dem 1. März ist Christian Alexander Schmid offizieller Eigentümer von Schloss Eugensberg, die Grundstückübertragung ist gemäss «Thurgis» bereits erfolgt. Gesehen hat ihn im Dorf noch kaum einer. Sogar die Post scheint sich nicht sicher zu sein, ob der 38-jährige Deutsche bereits auf Eugensberg wohnt. Am Briefkasten klebte gestern ein «Wohnt hier im Hause?»-Zettel.

Im Dorf spricht man über den Schlossherrn

Der neue Schlossbesitzer ist Dorfgespräch. Das sagt auch Susanne Nater von der «Blüeteziit». In ihrem Blumenladen mit Café kommen viele Einheimische vorbei. «Die einen fragen sich halt, ob der neue Schlossherr ‹sauber› ist.» Andere beschäftige, ob Teile des Areals wie der Wanderweg oder die Ruine Sandegg öffentlich zugänglich bleiben. «Viele würden auch gerne einmal ins Schloss rein schauen», sagt Nater. Sie selber war schon einige Male bei den Vorbesitzern, Rolf Erb und seiner Familie, zu Besuch. Der Sohn ist mit den Zwillingen zur Schule gegangen und durfte auf dem Eugensberg tolle Geburtstagspartys miterleben. Erbs seien dank der Kinder wirklich gut integriert gewesen.

Blick auf das herrschaftliche Anwesen. (Bild: Donato Caspari)

Blick auf das herrschaftliche Anwesen. (Bild: Donato Caspari)

Auch im Dorfladen in Mannenbach ist der Eugensberg Thema. «Viele Kunden sprechen darüber», meint Mitarbeiterin Marta Widmer. «Die Leute finden es gut, dass das Schloss nun verkauft wurde und die neuen Besitzer auch hier wohnen wollen.» Dass das Ehepaar Schmid eines Tages im Lädeli steht, glaubt sie nicht. «Die meisten kaufen in Ermatingen oder Kreuzlingen ein, wo es ein grösseres Angebot gibt.» Sollte jedoch eine Bestellung vom Eugensberg eingehen, würde man diese sehr gerne erledigen, sagt Widmer.

Hündeler bangen, Gemeinde hofft auf Steuergelder

Betroffen von der Handänderung auf Schloss Eugensberg ist auch die Hundeschule Finns Welt von Isabelle Merk. Die Hündeler haben ihren Trainingsplatz auf dem zum Eugensberg gehörenden Gutsbetrieb. «Wir rechnen mit dem Schlimmsten, also einer Kündigung», sagt die Leiterin der Hundeschule. «Wahrscheinlich will uns der neue Schlossherr micht mehr hier haben.» Bruno Lorenzato hat bislang keine Reaktionen aus der Bevölkerung auf den Verkauf erhalten. Er bestätigt aber, dass den Salensteinern eine gewisse Öffentlichkeit mit dem Wanderweg zur Ruine Sandegg und weiter Richtung Berlingen wichtig sei. Die einsturzgefährdete Ruine werde vom neuen Eigentümer saniert und zugänglich gemacht. Das sei so besprochen worden.

Auch dieser Gutsbetrieb gehört zum Schloss-Areal. (Bild: Donato Caspari)

Auch dieser Gutsbetrieb gehört zum Schloss-Areal. (Bild: Donato Caspari)

Nun geht der Gemeindepräsident davon aus, dass das Ehepaar Schmid sein Versprechen wahr macht und den offiziellen Wohnsitz von Küssnacht am Rigi nach Salenstein verlegt. «Das haben sie ja gesagt. Dass sie lange Jahre hier wohnen wollen.» Insofern gehe man auf der Gemeinde auch davon aus, dass man einen neuen guten Steuerzahler gewinnt. «Das hoffen wir natürlich», meint Lorenzato.