Schliessung
«Die Post kommt immer mehr zu einem nach Hause»: Ab November hat Ermatingen voraussichtlich keine Poststelle mehr

Nach Tägerwilen verliert dieses Jahr auch noch Ermatingen seine Poststelle. Künftig werden die Dienstleistungen im Kiosk am Bahnhof angeboten. Der Ermatinger Gemeindepräsident Urs Tobler kann der Änderung aber auch Positives abgewinnen.

Rahel Haag
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Die Poststelle in Ermatingen wird geschlossen und zieht als Agentur in den Kiosk am Bahnhof ein.

Die Poststelle in Ermatingen wird geschlossen und zieht als Agentur in den Kiosk am Bahnhof ein.

Bild: Reto Martin

«Wir haben die Poststelle nicht einfach aufgegeben», sagt der Ermatinger Gemeindepräsident Urs Tobler. Doch die Schliessung habe sich am Ende nicht mehr verhindern lassen. Im vierten Quartal dieses Jahres wird die Post AG ihre Dienstleistungen im Kiosk am Ermatinger Bahnhof anbieten. Diesen Schritt hatte Tobler bereits am Montagabend an der Gemeindeversammlung angekündigt.

So ereilt Ermatingen dasselbe Schicksal wie die Nachbargemeinde Tägerwilen. Dort hatte die Post AG Ende Februar die Schliessung der Poststelle angekündigt. Ab Mitte Juni nimmt die bediente Posttheke in der Migros ihren Betrieb auf. Dieser Entscheid hatte hohe Wellen geworfen. Gegen die Schliessung war eine Petition lanciert worden, insgesamt kamen über 1500 Unterschriften zusammen. Genützt hat es nichts.

Tägerwiler Gemeinderat entschuldigt sich

«Im Nachhinein ist man immer klüger.» So beginnt die Mitteilung der Gemeinde Tägerwilen, die Anfang Mai in der «Tägerwiler Post» publiziert worden ist. Darin entschuldigt sich der Gemeinderat für die späte Kommunikation zu den Postgesprächen. Trotz Absprache mit der Post zu einer koordinierten und gemeinsamen Kommunikation hätte der Gemeinderat bereits im Dezember 2020 allgemein in der «Tägerwiler Post» über die laufenden Gespräche, die im Rat Mitte November gestartet seien, zur geplanten Postschliessung informieren können. Dann wäre die Bevölkerung zum Zeitpunkt der gemeinsamen Kommunikation vom 26. Februar 2021 bereits vorgewarnt gewesen. «Für diese Unterlassung möchte sich der Gemeinderat bei der Tägerwiler Bevölkerung entschuldigen», heisst es weiter. (rha)

Bisher habe er aus der Bevölkerung keine Reaktionen erhalten, sagt Urs Tobler. Dies könne daran liegen, dass die Ermatinger die Situation richtig einschätzen oder auch die positiven Aspekte sehen. Er hoffe, dass die Ermatingerinnen und Ermatinger das Angebot mit der Posttheke im Kiosk annähmen. Dieses könne auch eine Chance sein. Der Standort sei relativ zentral gelegen und nur rund hundert Meter von der Poststelle entfernt.

Zudem sei der Kiosk auch sonntags geöffnet. «Entsprechend kann man neu sogar am Sonntag seine Postgeschäfte erledigen», fügt er hinzu. Die Schliessung der Poststelle lasse sich nicht aufhalten, ist Tobler überzeugt. Erste Gespräche zum Thema Schliessung hätten vor rund fünf Jahren bereits stattgefunden.

«Ein- oder zweimal lässt sich der Schritt von Seite der Gemeinde vielleicht abwenden, aber irgendwann kommt es doch zur endgültigen Schliessung.»
Urs Tobler, Gemeindepräsident Ermatingen.

Urs Tobler, Gemeindepräsident Ermatingen.

Bild: Kevin Roth

Die dem Gemeinderat von der Post präsentierten Zahlen bezüglich Rückgang der Geschäftstätigkeit bei der Poststelle Ermatingen seien eindrücklich gewesen. Sie sprächen denn auch eine deutliche Sprache, die Schalterbesuche gingen stetig zurück. Das sei auch der Digitalisierung geschuldet. Dieser Wandel gehe auch an der Post nicht spurlos vorbei. «Er hat aber auch positive Aspekte», sagt Tobler, «die Post kommt immer mehr zu einem nach Hause.»

Ein Beispiel hierfür findet sich in der Medienmitteilung der Post AG. Darin heisst es beispielsweise, dass Kundinnen und Kunden, die ihre Ein- und Auszahlungen weiterhin mit Bargeld abwickeln möchten, dies von Montag bis Freitag direkt an der Haustüre erledigen könnten.

Voraussichtlich ab November im Kiosk

Thomas Schifferle, Kommunikationsspezialist der Post AG, betont, dass die Filiale in Ermatingen nicht ersatzlos geschlossen werde. «Wir sind überzeugt, dass wir mit dem Partner eine kundenfreundliche Lösung gefunden haben.» Im Gegensatz zu Tobler hat er einige Rückmeldungen von Ermatingerinnen und Ermatingern erhalten. In den meisten Fällen habe es sich um Detailfragen zum künftigen Angebot gehandelt. Schifferle sagt:

«Nur eine Anruferin hat sich kritisch geäussert.»

Bevor die Posttheke im Ermatinger Kiosk eröffnen kann, seien noch einige Abklärungen nötig. Unter anderem gehe es beispielsweise um die Frage, wo eine Postfachanlage aufgestellt werden könne. Betreffend Eröffnung sagt Schifferle: «Wir gehen davon aus, dass die Post ihre Dienstleistungen voraussichtlich ab November im Kiosk anbieten wird.»

Seinen Job verliert aufgrund der Schliessung der Filiale übrigens niemand. «In Ermatingen arbeitet jeweils eine Person», sagt Schifferle. Dieser Arbeitsplatz werde durch verschiedene Mitarbeiter aus einem Team besetzt. «Alle diese Mitarbeiter arbeiten weiterhin für die Post in der Region.»