Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Hoffnung auf Konkurs: Schlammschlacht um Wohnheime der Thurgauer Starpsychologin Monika Egli-Alge geht in die nächste Runde

Jacqueline Romann, die pädagogische Leiterin der Phoenix Wohnen GmbH, hat gegen die Gründerin Monika Egli-Alge Strafanzeige eingereicht. Sie hofft, dass am Dienstag über die Wohnheime der Konkurs eröffnet wird.
Sabrina Bächi, Ida Sandl
Das Wohnheim für schwer erziehbare Jugendliche der Phoenix Wohnen GmbH in Müllheim. (Bild: Donato Caspari)

Das Wohnheim für schwer erziehbare Jugendliche der Phoenix Wohnen GmbH in Müllheim. (Bild: Donato Caspari)

Am Dienstag, 9 Uhr, entscheidet das Bezirksgericht Weinfelden, ob über die Phoenix Wohnen GmbH der Konkurs eröffnet wird oder nicht. Die GmbH betreibt zwei Heime für schwer erziehbare Jugendliche in Weinfelden und Müllheim. Gründerin, Geschäftsführerin und Inhaberin ist die bekannte Thurgauer Pädophilen-Expertin Monika Egli-Alge.

Monika Egli-Alge, Gründerin Phoenix Wohnen GmbH. (Bild: Reto Martin)

Monika Egli-Alge, Gründerin Phoenix Wohnen GmbH.
(Bild: Reto Martin)

Den Antrag auf Konkurseröffnung habe «eine Person» gestellt, sagt der Weinfelder Gerichtspräsident Pascal Schmid. Gefordert werden rund 16'900 Franken. Wird der Konkurs eröffnet, dann darf ab sofort nur noch das Konkursamt über das Vermögen der GmbH bestimmen. Die Phoenix Wohnen GmbH ist schon seit einiger Zeit in finanzieller Schieflage.

Sozialamt hat zur Anzeige geraten

Löhne in Höhe von 53000 Franken sei die GmbH den Mitarbeitern schuldig, sagt die pädagogische Leiterin Jacqueline Romann. Aufgrund der ausstehenden Lohnzahlungen haben am 27. Februar die beiden Teamleiterinnen aus Weinfelden und Müllheim sowie die pädagogische Leiterin Jacqueline Romann bei der Staatsanwaltschaft Bischofszell Strafanzeige gegen Monika Egli-Alge wegen Insolvenzverschleppung und Verdacht auf Veruntreuung eingereicht.

«Das Sozialamt Thurgau hat uns empfohlen, diese Anzeige zu machen», sagt Romann. Der finanzielle Engpass der GmbH war den zuständigen kantonalen Behörden seit längerem bekannt. Das Sozialamt sei in regem Austausch mit der Institution gestanden, teilt der Kanton auf Anfrage mit. «Dabei wurden verschiedene Wege des weiteren Vorgehens thematisiert, eine davon war die Anzeigeerstattung.»

In der Strafanzeige schreiben die zwei Teamleiterinnen und die Heimleiterin, dass Monika Egli-Alge bei der Mitarbeiterversammlung am 16. Januar mitgeteilt habe, dass die Phoenix Wohnen GmbH 200'000 Franken Schulden ausweise. Dies sei auch im Protokoll so festgehalten.

«Ich suchte die Zahlen heraus und wurde stutzig»

Die ganze Geschichte kam unter anderem ins Rollen, weil Monika Egli-Alge bei der Phoenix GmbH kürzer treten und die Geschäftsleitung per Januar 2019 an Jacqueline Romann habe übergeben wollen. Sie habe deshalb ein Budget für das Jahr 2019 aufstellen müssen, erklärt Romann. «Ich suchte also die Zahlen der vergangenen Jahre heraus, und dabei wurde ich stutzig.»

Jacqueline Romann, pädagogische Leiterin Phoenix Wohnen GmbH. (Bild: PD)

Jacqueline Romann, pädagogische Leiterin Phoenix Wohnen GmbH. (Bild: PD)

Einige Beträge seien ihr schlicht zu hoch erschienen. Es seien Leasing-Verträge aufgeführt gewesen, die nicht existiert hätten, ausserdem Lohnzahlungen an einen der beiden Söhne von Egli-Alge, der nie auch nur einen Fuss in die Institution gesetzt habe.

Ein Gespräch mit der ehemaligen Buchhalterin habe ihr gezeigt, dass die Buchhaltung fragwürdig geführt worden sei. Romann sagt: «Es gab Vermischungen in den Budgets und Rechnungen zwischen den drei Häusern, die Egli-Alge führt. Das ist zum einen das Wohnheim in Weinfelden, das ohne ISVE Zertifizierungin Müllheim und die Forio AG in Frauenfeld. Zudem habe Egli-Alge die Budgets, welche es für die kantonale Anerkennung des Weinfelder Heimes brauche, viel zu spät eingereicht.

Konkurs als Chance für den Neuanfang

Die Heime, in denen bis 14 Jugendliche leben, lägen ihr am Herzen, betont Jacqueline Romann. Sie habe die Wohnheime mit Monika Egli-Alge aufgebaut: «Ich schätze vieles an ihrer Art, aber mittlerweile glaube ich ihr einfach nicht mehr alles.» Lange habe sie gedacht, dass die Buchhaltung nur chaotisch sei. Heute unterstellt sie Egli-Alge «ein gewisses System, um all das Geld so geschickt zu verteilen, dass über Jahre niemand etwas merkt».

Heimleiterin Romann hofft, dass heute der Konkurs über die Phoenix Wohnen GmbH eröffnet wird. «Wenn Egli-Alge wirklich etwas an den Jugendlichen liegt, dann soll sie ihre Verantwortung wahrnehmen, Insolvenz anmelden und ihre Schulden bezahlen.»

Denn die Mitarbeiter wollen die Heime weiter führen. Sie haben dafür einen Verein gegründet. Dieser möchte die Heime gerne ohne Schulden übernehmen, wie Phoenix aus der Asche steigen und neu starten. «So wie es im Moment aussieht, scheint es ihr lieber, wenn wir alles aufgeben müssen.» Es gehe Egli-Alge offenbar weniger um die Jugendlichen als um ihr eigenes Ego.

Pädophilen-Expertin Monika Egli-Alge: «Fehler im rechtlichen Sinn habe ich keine gemacht».

Jede Rechnung, jede Zahl in der Buchhaltung der beiden Wohnheime für schwer erziehbare Jugendliche sei belegt, Das sagt Monika Egli-Alge, Gründerin und Geschäftsführerin der Phoenix Wohnen GmbH. Sie bestätigt zwar einige Aussagen von Heimleiterin Jacqueline Romann, sieht aber keine Fehler bei sich. «Ein Fehlverhalten weise ich entschieden zurück.»

Es stimme, dass sie Romann die Geschäftsführung habe übergeben wollen. Deshalb habe sie ihrer pädagogischen Leiterin im vergangenen Jahr mehr Verantwortung übertragen. Dass in den Budget Ungereimtheiten und hohe Beträge auftauchen erklärt Egli-Alge so: «Der Aufwand ist je nach Personalfluktuation sehr hoch. Zudem haben wir mindestens sieben rechtlich schwierige Abgänge, die unsere Verwaltung beschäftigen und Geld kosten.» Dies sei Jacqueline Romann schwer gefallen einzusehen.

Dass sie selbst mit der Buchhaltung nicht immer ganz ajour war, gibt Egli-Alge zu. Aber: «Fehler im rechtlichen Sinn habe ich keine gemacht.» Es sei zudem angedacht gewesen, den Verwaltungsaufwand zu reduzieren. Ob Egli-Alge, wie vom Kanton gefordert, eine externe Firma die Rechnungen überprüfen lässt, kann sie noch nicht sagen. Es sei nicht sicher, ob auf die Strafanzeige überhaupt eingetreten werde. «Wenn es aber der einzige Weg ist zu zeigen, dass ich keine Delikte begangen habe, mache ich das natürlich».

Ob sie dem Verein die Phoenix Wohnen GmbH übergibt, sei nach dieser «Schlammschlacht» nicht sicher. «Ich war bis zum Schluss verhandlungsbereit und hätte dem Verein alles für 10'000 Franken überlassen.» Für sie sei es unverständlich, weshalb das Angebot nicht angenommen wurde. «Ich vermute, dass der Verein den Konkurs will, um alles zum Nulltarif zu bekommen.» (sba)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.