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Als ein Amriswiler einem Luzerner den Schirm auf den Kopf schlug

Die Spielerlegenden Franz Griesemer und Victor Buffoni erzählten im Ortsmuseum von ihrer Zeit im FC Amriswil.
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Franz Griesemer und Victor Buffoni nahmen historische Trikots an die Erzählstunde ins Ortsmuseum mit. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Franz Griesemer und Victor Buffoni nahmen historische Trikots an die Erzählstunde ins Ortsmuseum mit. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Wer rechtzeitig einen Sitzplatz ergattern wollte, musste früh im Ortsmuseum Amriswil sein. Alle Stühle und Bänke waren belegt und selbst die Stehplätze Mangelware. Rund 100 Besucherinnen und Besucher – unter ihnen Stadtpräsident Gabriel Macedo und zahlreiche Fussballfreunde – waren zur sonntäglichen Erzählstunde gekommen. Die einstigen Amateur-Fussballer Victor Buffoni und Franz Griesemer erzählten von ihrer Zeit als Stürmer beim Fussballclub Amriswil und ihren gemeinsamen Erlebnissen – gespickt mit einer gehörigen Portion Humor.

«Wir zwei kennen uns seit etwa 70 Jahren», sagte Victor Buffoni mit einem zufriedenen Lächeln und schaute dabei zu Franz Griesemer. Sie hätten schon während der Schulzeit stets die gleichen Interessen gehabt. Die beiden spielten damals zusammen Fussball auf der Strasse, besuchten gemeinsam die Jungwacht und ministrierten zudem miteinander. Auch in der Jugendriege turnten sie mit.

Fussballspielen war damals nicht salonfähig

Doch der FC Amriswil sei seinerzeit noch ein absolutes Tabu gewesen. Denn Fussball war dazumal nicht unbedingt salonfähig. «Es werde nach dem Match jeweils ausgiebig gefeiert, getrunken und geraucht, begründeten unsere Eltern ihren Entscheid.» Es sei üblich gewesen, zuerst in der Jugendriege mitzuturnen und erst später im Fussballclub mitzumachen. Die besten Turner seien schlussendlich immer Fussballer gewesen, erzählte Franz Griesemer.

Durch den Junioren-Obmann Viktor Schütz seien sie dann im Alter von etwa 15 Jahren zum FC Amriswil gestossen. Trainiert wurde dazumal mit schweren Lederbällen – in grossen FC Amriswil-Hemden. Bei Regen seien diese Hemden so schwer wie Bleiwesten gewesen, erinnerten sich die beiden.

«In der Waschküche des Hotels Bären haben wir uns umgezogen. Anschliessend sind wir mit der Teekanne in Einer- oder Zweierkolonne auf den Sportplatz Tellenfeld marschiert.»

erzählte Victor Buffoni. Es sei eine sehr gute Mannschaft gewesen. Die jungen Amriswiler Fussballer konnten bald in die «Junioren interregional», die höchsten Junioren-Liga, aufsteigen.

Gespielt wurde mit Fussballschuhen, bei denen die Nägel ausgewechselt und so dem Terrain angepasst werden konnten. Die beiden Talente Buffoni und Griesemer wurden schon früh in die erste Mannschaft des FC Amriswil integriert. Es seien immer viele Zuschauer aus der ganzen Ostschweiz gekommen, um die Spiele auf dem Tellenfeld mitzuerleben. «Ich bin heute noch stolz darauf, wenn jemand kommt und von damals erzählt», sagte Victor Buffoni.

Geplante Abreise nach Kanada wurde verschoben

Während dieser Zeit haben die beiden den Wunsch gehegt, eine Zeit lang die Zelte hier abzubrechen und nach Kanada zu verreisen. Doch die geplante Abreise musste verschoben werden. Denn am 4. Juli 1965 fand in Amriswil das entscheidende Aufstiegsspiel in die erste Liga gegen die Luzerner Kickers statt.

«Vor rund 4000 Zuschauern haben wir auf dem alten Sportplatz gespielt, wo heute jeweils das Osterspringen stattfindet.»

erinnerte sich Victor Buffoni. Die Amriswiler führten bis 15 Minuten vor Spielende mit 2:1. Während sich der Luzerner Schär und ein Amriswiler Spieler um den Ball stritten, holte ein Zuschauer zum Schlag aus. Mit dem Griff seines Schirmes traf er Schär auf den Kopf und dieser sackte zu Boden.

«Es herrschte Aufruhr und Chaos auf dem Tellenfeld. Die Aufstiegsfeier wurde verschoben, und die Kickers haben Protest eingelegt.»

Dieses legendäre «Schirmschlag-Spiel» habe Wellen geschlagen und die Presse der gesamten Schweiz hätte darüber berichtet. Der Protest bewirkte ein Wiederholungsspiel. Victor Buffoni und Franz Griesemer, die inzwischen bereits in Kanada weilten, reisten zurück, um beim Spiel dabei sein zu können. Amriswil gewann schliesslich gegen die Kickers Luzern mit 2:0 und stieg somit in die erste Liga auf. Dabei erzielte Victor Buffoni ein Traumtor, das selbst die Luzerner Presse später als «fantastisch» bezeichnete.

Danach ging es endlich auf die grosse Reise: Victor Buffoni und Franz Griesemer waren für rund fünf Monate in Kanada mit einem VW-Käfer unterwegs. «Ohne Navi und Natel – nur mit Karte», sagte Buffoni. Die beiden Freunde erzählten von ihren Erlebnissen und gemachten Erfahrungen, an die sie sich noch heute gerne zurückerinnern.

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