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Scherzinger Comedian macht den Hausi

Timo Michels ist DJ, Musiker und Volksschauspieler. Jetzt will er die Bühne mit Comedy erobern. Seine Hausi Leutenegger-Imitation findet aber keinen Platz im abendfüllenden Programm, das gerade entsteht.
Urs Brüschweiler
Comedian Timo Michels posiert mit Zigarre auf dem Spielplatz in seinem Wohnquartier in Scherzingen. (Bild: Reto Martin)

Comedian Timo Michels posiert mit Zigarre auf dem Spielplatz in seinem Wohnquartier in Scherzingen. (Bild: Reto Martin)

Timo Michels will als Stand-up-Comedian durchstarten. Vor wenigen Wochen hat er mit dem Schreiben seines ersten abendfüllenden Soloprogramms begonnen. «Der Kick-off ist passiert. Aber es dauert noch lange, bis es fertig ist», sagt das 29-jährige Multitalent aus Scherzingen. Für nächstes Jahr hat er sich erste Probeshows vorgenommen. 2020 soll die Premiere stattfinden. «Mein Traum ist es, einen Saal mit Leuten zu füllen, die mir 90 Minuten zusehen wollen. Das wär geil.»

Als DJ Tim Mitchel hat er sich einen Namen gemacht, als Musiker und Produzent erhält er Engagements und im Volkstheater steht er auf regionalen Bühnen. Diese Hobbys schraubt Michels, der als Disponent bei einer Autogarage arbeitet, nun zurück. Er muss sich Zeit freischaufeln für seine neue Leidenschaft: die Stand-up-Comedy. Die ersten Gehversuche hat er bereits hinter sich. Seit April zeigt Michels seinen Kurzauftritt von fünf bis zehn Minuten bei Nachwuchs-wettbewerben, Gastauftritten oder auf offenen Bühnen.

Der Erfolg lässt sich durchaus sehen. Die Nomination in der Kategorie Young Talent für die Swiss Comedy Awards im September ist ihm gewiss. Beim Veranstalter «Das Zelt» überstand er ein Publikums-Voting und muss sich nun Ende August in Battles beweisen. Der Gewinner darf mit auf die Tournee.

Der erste Lacher ist die Erlösung

Bei diesem Werdegang würde man meinen, Timo Michels sei die geborene «Rampensau». Doch ihm fällt der Schritt auf die Bühne nicht leicht. «Vor dem Auftritt stirbst du fast. Ich spüre dann eine Leere, habe einen Blackout. Dann hörst du deinen Namen und von da an läuft es ab, wie in einem Film», erzählt er. Wenn das Publikum dann das erste Mal lacht, gewinne er die nötige Sicherheit.

Die Inhalte für seine Comedy-Nummern holt er sich aus dem Alltag. «An der Kasse von Kleiderläden passieren die schrägsten Geschichten». Timo Michels beobachtet die Menschen, überspitzt ihr Verhalten, und haut dann Sprüche raus. Bei der «Bachelorette», bei diesen «Muskelpaketen mit Emotionen», fand er gutes Material. Mit dem Thurgauer Dialekt, seiner «Sprachbehinderung», nimmt er sich auch selbst auf die Schippe. Der Stadt-Land-Graben ist sein Thema. Diese Kluft werde den roten Faden bilden, für das Vollprogramm.

Die Geschichte, als er den Chauffeur mit «Hey Uber, wie geht’s?» begrüsste, sei tatsächlich passiert. «Ich dachte, das sei der türkische Name des Fahrers.» Eine Zürcher Freundin hatte für Michels die Heimfahrt organisiert. Doch der Fahrdienst Uber ist den Thurgauern eben weitgehend unbekannt.

Jonny Fischer ist sein Mentor

Auf dem Weg in den Comedy-Olymp gibt es jedoch auch Rückschläge. «Am Abend eines Auftritts war es draussen 28 Grad warm. Im Saal war für 200 Leute gestuhlt. 16 Besucher sassen dann dort, 10 trauten sich nicht zu lachen.» Solche Erfahrungen gehörten dazu, meint Michels. Das habe ihm auch sein «Mentor» eingebläut. So betitelt er Jonny Fischer vom Cabaret-Duo Divertimento. «Ich durfte schon so viel von ihm lernen. Er motivierte mich, sagte: ‹Probier es!› Ohne ihn wäre ich sicher noch nicht so weit.» Unterstützung beim Texten erhält der junge Scherzinger zudem von einem professionellen Co-Autoren. «Das Schwierigste ist, aus vielen Einzelstorys ein abendfüllendes Programm zu gestalten, dabei hilft er mir.»

Im Thurgau ist Timo Michels noch nie aufgetreten. «Es gibt schlicht keine solchen Events hier. Ausgefallenes überlassen wir gerne Zürich», begründet er. Aber die Zukunftshoffnung des einheimischen Humor-Schaffens nimmt das nun selbst in die Hand. Am 22. September organisiert er in der Kantonsschule Kreuzlingen das Comedy-Festival «Lachen am See». Joël von Mutzenbecher, «Kiko», Frank Richter und Rebekka Lindauer hat er als Acts eingeladen. Und selber wird sich Timo Michels den Gang auf die Bühne auch nicht nehmen lassen.

Nur Hausi sticht aus den Thurgauer Promis heraus

Dass der Thurgau auf der Comedy-Landkarte ein biederes Dasein friste, habe auch mit seinen langweiligen Promis zu tun, glaubt Michels. Nur einer steche heraus: Hausi Leutenegger. «Ich habe ihn zufällig mal auf Youtube gesehen und gedacht: Wer ist dieser skurrile Typ aus Bichelsee-Balterswil?» Kurz darauf kaufte sich Michels eine Perücke und den passenden Schnauz. Die entstandene Hausi-Parodie ist köstlich. Ins Programm wird der Nationalturner, Olympiasieger und Hollywoodstar aber noch nicht Einzug finden. Sein Double muss erst für Spontan-Auftritte für die «Thurgauer Zeitung» herhalten.

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