Scheideggers Schuss ins Glück: Der HC Thurgau gewinnt in Winterthur 5:3 und bleibt Leader

Ein Treffer 148 Sekunden vor Schluss bringt dem Swiss-League-Ersten HC Thurgau auswärts gegen den EHC Winterthur drei weitere Punkte ein. Allerdings hätten die Ostschweizer beinahe für ihre Disziplinlosigkeit gebüsst.

Matthias Hafen aus Winterthur
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Verteidiger Joel Scheidegger (links) musste zwar zweimal auf die Strafbank, erzielte aber in der 58. Minute den entscheidenden Treffer zum 4:3.

Verteidiger Joel Scheidegger (links) musste zwar zweimal auf die Strafbank, erzielte aber in der 58. Minute den entscheidenden Treffer zum 4:3.

Mario Gaccioli

Am Ende des Spiels hallte der Song «Alles nur geklaut» von den Prinzen durch die Zielbau-Arena – und das war kein Zufall. Die Winterthurer fühlten sich an diesem Sonntagnachmittag um mindestens einen Punkt betrogen. Der HC Thurgau bejubelte derweil einen vollen «Dreier». Und das nur, weil Joel Scheidegger 148Sekunden vor Schluss einen Weitschuss von der blauen Linie zum 4:3 im gegnerischen Tor versenkte.

Der Rest der Partie spielte sich fast ausschliesslich zwischen der 27. und 36. Minute ab. Zunächst erhöhten Frantisek Rehak und Jason Fritsche mit einem Doppelschlag innert 24Sekunden auf 3:1 für den HCT. Da hatten die Gäste die Partie komplett im Griff. Auch, weil bei Winterthur nur die Linie mit den Ausländern Riley Brace und Zack Torquato offensiv etwas zu Stande brachte.

Thurgaus Strafbank kühlte kaum mehr ab

Doch dann ging im Team von Trainer Stephan Mair die Disziplin flöten. Kurz hintereinander mussten Sebastiano Soracreppa und Joel Scheidegger auf die Strafbank und ermöglichten Winterthur dadurch den Anschlusstreffer zum 2:3. Als wenig später wieder Scheidegger und Florian Schmuckli kurz hintereinander in die Kühlbox mussten, erzielte Fabio Arnold in Überzahl das 3:3 – nach Vorarbeit von Brace und Torquato. Die Thurgauer hatten es geschafft, die einzige torgefährliche Sturmlinie des Gegners mit Powerplays zu füttern und sich so beinahe selber zu besiegen.

Allerdings gab der HCT das Spiel nicht komplett aus der Hand. Gegen Ende setzte sich das spielerische Plus der Gäste wieder durch. Noch bevor Scheidegger der Schuss ins Glück gelang und Janik Loosli mit dem 5:3 ins leere Tor einen draufsetzte, hatte Patrick Brändli bei einem Solo die Entscheidung auf dem Stock. So, dass zumindest aus Thurgauer Sicht die drei Punkte nicht gestohlen waren.

Mit dem 5:3-Sieg verteidigte der HC Thurgau Platz eins in der Swiss League und stoppte zudem die Negativserie von drei verlorenen Startspielen gegen den EHC Winterthur.

Das Lazarett füllt sich - auch Captain Parati verletzt

Derweil der HC Thurgau in der Swiss League Punkte um Punkte sammelt, nehmen die Verletzungssorgen zu. In Winterthur fehlten Trainer Mair mittlerweile schon fünf Spieler verletzungsbedingt: die Stürmer Derek Hulak, Dominic Hobi und Cyrill Bischofberger sowie die Abwehrspieler Misha Moor und Patrick Parati. So standen gegen Winterthur nur noch drei Verteidigerpaare auf dem Matchblatt. Zu allem Übel humpelte in den Schlusssekunden des Mitteldrittels auch noch Verteidiger Florian Schmuckli aus dem Spielfeld, kam aber im Schlussabschnitt nochmals zum Einsatz. Immerhin ist die Verletzung von Parati angeblich nicht gravierend, sodass der Captain am Dienstag um 20.00 Uhr im Heimspiel gegen den EHC Visp wieder zum Einsatz kommen dürfte.

Auch im Fall des NHL-Stürmers Brandon Hagel gab es zuletzt eine Entwicklung. So soll der 22-jährige Kanadier mittlerweile im Besitz der Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung sein. Doch erst wenn er das Visum besitzt, das die Schweizer Behörden in Kanada ausstellen müssen, kann er in die Schweiz fliegen. Und einmal hier angekommen wartet noch eine Corona-Quarantäne auf Hagel.

Winterthur – Thurgau 3:5 (0:1, 3:2, 0:2)

Zielbau-Arena – 605 Zuschauer – SR Massy/Staudenmann, Stalder/Meusy.
Tore: 6. Rehak (Mosimann) 0:1. 22. Küng (Torquato/Ausschluss Soracreppa) 1:1. 27 (26:45) Rehak (Fechtig/Ausschluss Brace) 1:2. 28. (27:08) Fritsche (Scheidegger) 1:3. 31. Brace (Torquato, Bozon/Ausschluss Scheidegger) 2:3. 36. Arnold (Brace/Ausschluss Schmuckli) 3:3. 58. (57:32) Scheidegger (Murphy) 3:4. 59. (58:44) Loosli (Spannring) 3:5 (ins leere Tor).
Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen Winterthur, 6-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
Winterthur: Mathis; Pozzorini, Birchler; Engeler, Hunziker; Sigg, Bachofner; Küng, Krayem; Bozon, Hess, Haldimann; Brace, Torquato, Arnold; Braus, Burkhalter, Sluka; Bleiker, Allevi, Oana.
Thurgau: Rüegger; Scheidegger, Fechtig; Wildhaber, Soracreppa; Schmuckli, Schnyder; Murphy, Hollenstein, Loosli; Rehak, Rundqvist, Mosimann; Baumann, Brändli, Spannring; Lanz, Fritsche, Moser.
Bemerkungen: Winterthur ohne Wieser, Schwegler (beide verletzt), Meier und Wegmann (beide Partnerteam). Thurgau ohne Hulak, Hobi, Parati, Bischofberger, Moor (alle verletzt) und Hagel (nicht spielberechtigt). – 58:24 Time-out Winterthur.