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Saufen gegen die Pest: Eine Sage führt zum Ursprung der Weinfelder Bochselnacht

Vor 390 Jahren wütete in der Schweiz der Schwarze Tod. In Weinfelden selbst starben etwa zwei Drittel der Bevölkerung. Laut einer Sage sollen diese Tragödie und ein Trinkgelage Ursprung der Bochselnacht sein.
Sabrina Bächi
Noch heute wird in Weinfelden mit einem Umzug durchs Dorf die Bochselnacht gefeiert. (Bild: Andrea Stalder)

Noch heute wird in Weinfelden mit einem Umzug durchs Dorf die Bochselnacht gefeiert. (Bild: Andrea Stalder)

Viele haben es versucht, alle sind daran gescheitert. Den Ursprung der Weinfelder Bochselnacht zu finden, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Viele Historiker und Chronisten haben sich mit dem Thema befasst, darunter berühmte Namen wie etwa Hermann Lei. Hartnäckig hält sich jedoch eine Sage, die aus dem Jahr 1629 überliefert wird.

In der Keller-Chronik steht sie geschrieben: Als die Pest so schrecklich wütete, verliessen die Männer die Arbeit und zogen durch die Wirtshäuser. Sie versuchten, mit Trinkgelagen die Furcht vor dem drohenden Tod zu verscheuchen. Ihr Trinkspruch zeigte ihre hoffnungslose Situation.

«Lasset uns essen und trinken und fröhlich sein, denn morgen sterben wir.»

Die Männer überlebten

Doch die Weinfelder Männer holte der Schwarze Tod nicht ein. «Das Entrinnen vor dem Tode schrieben sie vorzüglich dem Genusse des Weines zu», schreibt J. U. Keller in seiner Chronik. Daher veranstalteten sie zu Ehren von Bacchus, dem Gott des Weines, ein Fest. Das Bacchusfest – welches später Bochselfest genannt wurde. Um der Verstorbenen zu gedenken, wurden Rüben mit Fratzen versehen, die an Totenköpfe erinnerten.

Franz-Xaver Isenring, Bürgerarchivar Weinfelden. (Bild: Mario Testa)

Franz-Xaver Isenring, Bürgerarchivar Weinfelden. (Bild: Mario Testa)

«Für mich tönt diese Sage sehr plausibel», sagt Bürgerarchivar Franz-Xaver Isenring. Verschiedentlich wurde versucht, diese Sage zu widerlegen. Gelungen sei es keinem, weiss Isenring. «Die Sage zeigt, wie verzweifelt die Menschen waren. Ein Trinkgelage spendet plötzlich Hoffnung. Das finde ich faszinierend.»

Ob es der Ursprung des Brauches sei, könne er nicht sagen. «Vielleicht findet man in dieser Sage weniger den Ursprung der Bochselnacht als deren Legitimation als Brauch. Es ist vielleicht ein Grund, weshalb dieses Fest immer noch gefeiert wird – es wurde institutionalisiert.»

Verschiedene Theorien

Er glaube jedoch, dass der Ursprung mit einem Ereignis in Zusammenhang steht. «Die Pest könnte ein solches gewesen sein.»

Hermann Lei hingegen ging davon aus, dass diese Sage eigentlich aus Italien stammt. Der ehemalige «Kronen»-Wirt Walter Seeger verfasste 1941 eine Abhandlung, in der er zu beweisen versuchte, dass die Bochselnacht als Adventsbrauch eine christliche Tradition sei. Wieder andere Theorien gehen davon aus, dass sie keltischen Ursprungs ist.

Bedeutung des Namens Bochselnacht

Martin H. Graf vom Schweizer Idiotikon verneint die sprachliche Verwandtschaft zwischen dem Bacchusfest und dem Bochselfest. «Das Verb bochseln bedeutet rumpeln, klopfen oder poltern», sagt Graf. Sachlich zugrunde liege den Bochsel-Bräuchen, dass man in den entsprechenden Nächten den Leuten rasselnde Gegenstände an Türen und Fenster geworfen und geschlagen habe. «In Weinfelden ist diese Art der Tradition jedoch nicht überliefert», sagt Isenring. (sba)

«Eine Kombination wäre ebenso denkbar», meint der Bürgerarchivar. Ein keltischer Brauch, der durch die Pest 1629 wiederauferstanden ist und christlich interpretiert sowie mit geselligen Aspekten, wie etwa Trinken und Licht in den dunklen Nächten, kombiniert wurde.

«Der Glauben war Lebensgrundlage der Menschen. Doch in Zeiten grosser Not liessen sie sich vielleicht nicht auf das Leben nach dem Tod vertrösten, wie es die Kirche propagierte», sagt Isenring. Sicherheit könnten die Menschen in den Bräuchen und alten Sagen gesucht haben.

«Zumindest hätte der Glauben an diese Sage den Leuten Mut und Hoffnung schenken können.»

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