sankt Nikolaus

Corona fordert auch den Nikolaus: Der Samichlaus grüsst aus Märstetten über einen Livestream

Vielerorts kommt der Chlaus dieses Jahr nicht zu Besuch in die Thurgauer Stuben. Aufgrund der aktuellen Lage mussten also neue Lösungen her. Ein Märstetter Start-Up hat eine Idee entwickelt.

Deborah Hugentobler
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Der Samichlaus am Adventsmarkt 2018 in Weinfelden.

Der Samichlaus am Adventsmarkt 2018 in Weinfelden.

Bild: Reto Martin (Weinfelden, 8. Dezember 2018)

Im Winter 2020 muss sich auch der Samichlaus mit der aktuellen Situation abfinden. Vieles ist auch für ihn anders. Wegen der Pandemie sind viele Aktivitäten des Samichlaus abgesagt worden. Damit die Kinder aber nicht ganz auf einen Chlausbesuch verzichten müssen, hat sich das Märstetter Start-up Weamer etwas einfallen lassen: Der digitale Samichlaus kommt direkt ins Wohnzimmer.

«Wir sind ein Livestream Dienstleister und konnten von der aktuellen Lage stark profitieren. Nun wollen wir den Leuten etwas zurückgeben», sagt Weamer-Finanzchef Jannis Regenscheit. Das Praktische an der Sache: den Samichlaus Videoanruf können alle Familien nutzen, die einen Internetzugang haben. Von Märstetten kommt der Chlaus in die Stuben aller Thurgauer oder gar Schweizer Familien.

Bereits jetzt seien einige Anmeldungen eingeflossen. Regenscheit sagt:

«Die Rückmeldungen sind überaus positiv. Viele Familien sind wegen der vielen Absagen traurig. Durch den Livestream wird ihnen aber trotzdem ein Treffen mit dem Samichlaus ermöglicht.»

Familien können sich über die Website anmelden und erhalten danach einen Link für die Liveschaltung in die Waldhütte des Samichlaus. So können die Kinder den Chlaus sehen, hören und natürlich auch mit ihm sprechen. Für jede Familie nimmt sich der Chlaus am 5. und 6. Dezember 20 Minuten Zeit. Der Livestream ist kostenlos. Wer will kann aber einen Beitrag spenden. «Den Erlös spenden wir wiederum der Stiftung Theodora», sagt Regenscheit.

Kein Samichlausbesuch in Weinfelden

Vielleicht nutzen auch Familien aus Weinfelden den Chlaus-Livestream. Denn auch hier kommt der Chlaus heuer nicht aus dem Wald ins Stadtzentrum oder zu Familien nach Hause. «Es ist seit über 70 Jahren das erste Mal, dass wir sämtliche Aktivitäten absagen müssen», sagt Conrad Deflorin, Obmann der St. Nikolausgesellschaft Weinfelden.

Im Vorstand sei lange über eine Absage diskutiert worden und die Entscheidung sei ihnen nicht leichtgefallen. «In anderen Jahren haben wir nebst Schulen und Kindergärten bis zu 160 Familien besucht. Dies ist heuer einfach nicht möglich. Auch die Marktplatzaktion und das Erzählen von Geschichten in der Nikolaus-Hütte sind nicht durchführbar.»

Der Nikolaus mit dem Knecht Ruprecht unterwegs auf der Alp zu seinem Waldhüsli.

Der Nikolaus mit dem Knecht Ruprecht unterwegs auf der Alp zu seinem Waldhüsli.

Bild: PD

Post an den Samichlaus

Nebst dem schwierigen Abstandhalten zu den Kindern zählt Deflorin weitere Hindernisse auf: Die Chläuse werden von einem Team geschminkt, da sei es unmöglich Abstand zu halten. Ebenso bei Besuchen auf dem Marktplatz, wo der Verein jährlich einen Ansturm von Kindern und Familien erlebt. Ausserdem sei das Desinfizieren der Schminkutensilien wie auch der Ausrüstung – etwa dem Chlausenbart - einfach nicht möglich.

Trotz allem soll der Samichlaus dieses Jahr nicht ganz ausfallen. Deflorin sagt:

«Um den Kindern doch eine Freude zu machen, haben wir uns für eine alternative Aktion entschieden. Die Kinder können dem Chlaus Post schicken.»

Dazu werden in Weinfelden bei der Wirtschaft Zum Löwen und bei der Nikolaus-Hütte auf der Alp auf dem Ottenberg Briefkästen aufgestellt. Zwischen dem 28. November und dem 6. Dezember haben die Kinder die Möglichkeit, an den Nikolaus zu schreiben und ihre Briefe in einen der Briefkästen, die einem grossen Samichlaussack ähnlich sehen, einzuwerfen. «Der Samichlaus wird jedem Kind in einem Brief antworten und eine kleine Überraschung mitschicken», sagt Conrad Deflorin.

Trotz allem weiterhin Samichlausbesuche

Manche Gemeinden tanzen in der Region Weinfelden aus der Reihe, was das Treffen mit dem Samichlaus angeht. Etwa in der Gemeinde Berg und der Umgebung besucht der Samichlaus weiterhin Familien, jedoch nicht wie gewöhnlich zu Hause in der Stube. Organisator Reto Brüllhardt sagt:

«Die Besuche erfolgen draussen, vor der Haustür, im Garten oder etwa im Carport. Dabei wird stark auf die Abstandsregeln geachtet.»

Unterwegs im Auto werden der Samichlaus und seine Begleiter ausserdem eine Maske tragen. Bereits jetzt seien mehr Anmeldungen als im Jahr zuvor eingetroffen. «Das Interesse ist sehr gross. Ich habe von vielen Familien gehört, dass sie es schade finden, dass so viel abgesagt wird. Umso mehr freuen sie sich, dass die Chlausabende stattfinden», sagt Brüllhardt.

Auch in der katholischen Kirchgemeinde Leutmerken wird der Chlaus zu Besuch kommen – sogar Zuhause in der Stube. Aber nur, falls es die Lage zulässt und auch genug Anmeldungen eintreffen. Organisatorin Mägi Merz sagt:

«Mir ist es wichtig, den Brauch des Samichlaus aufrechtzuerhalten.»

Bisher mussten die Besuche noch nie abgesagt werden. In einem Brief an die Familien habe sie bereits auf die Hygienemassnahmen hingewiesen. «Falls jemand aus der Familie oder einer der Chläuse Krankheitssymptome aufweisen sollte, wird der Besuch abgesagt. Ausserdem muss jederzeit der Abstand eingehalten werden und der Nikolaus wechselt nach den Besuchen die jeweils Handschuhe», sagt Mägi Merz.