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Sami El Assaoui fand beim HC Thurgau mehr als bloss Arbeitskollegen

Er wohnte lange in einer WG mit Sänger Bastian Baker und vermietet Chalets an Touristen. Dass Sami El Assaoui, Verteidiger mit Wurzeln im Maghreb, für die Saison 2018/19 wieder beim HC Thurgau gelandet ist, hat auch mit Dankbarkeit zu tun.
Matthias Hafen
Nach einem kurzen, aber eindrücklichen Gastspiel in der vergangenen Saison kehrt Sami El Assaoui für die NLB-Meisterschaft 2018/19 zum HC Thurgau zurück. (Bild: Mario Gaccioli, Kreuzlingen, 18. August 2018)

Nach einem kurzen, aber eindrücklichen Gastspiel in der vergangenen Saison kehrt Sami El Assaoui für die NLB-Meisterschaft 2018/19 zum HC Thurgau zurück. (Bild: Mario Gaccioli, Kreuzlingen, 18. August 2018)

Sami El Assaoui hätte seine durchtrennte Achillessehne als Zeichen für das Karriereende deuten können. Doch der 27-jährige Verteidiger marokkanischer Herkunft liess sich von seiner ersten grossen Verletzung nicht einschüchtern und kehrte für diese Saison zum HC Thurgau zurück – früher als erwartet und motivierter denn je. Viele schrieben den Unterwalliser schon ab, als ihm am 28. Januar dieses Jahres beim 2:1-Auswärtssieg in Visp vom Schlittschuh eines Gegners die Achillessehne zerschnitten wurde. «Ich hatte die Wahl, sieben harte Monate des Wiederaufbaus auf mich zu nehmen oder endgültig damit aufzuhören», sagt El Assaoui, der sich nicht zum ersten Mal mit dem Rücktritt auseinandersetzte. «Aber ich liebe das Eishockey zu sehr, als dass ich es hätte verlassen können.»

Mit einem Immobiliengeschäft hat sich El Assaoui schon länger ein zweites Standbein aufgebaut. Heute vermietet er unter anderem Chalets an Touristen. Das gibt ihm bei Vertragsverhandlungen eine gewisse Unabhängigkeit. Doch es hielt den Verteidiger auch davon ab, konsequent aufs Eishockey zu setzen.

Ein Volg, eine Metzgerei und ein Eisfeld im Dorf

El Assaoui hat mit 27 Jahren eine bewegte Karriere hinter sich. Im Alter von sieben Jahren erst begann er mit Eishockey. «Mich interessierten Basketball und Fussball viel mehr als Kind.» Noch heute ist es sein Ansporn, der «Iniesta des Eishockeys» zu sein, in Anlehnung an den vielseitigen, kompletten spanischen Fussballer Andres Iniesta. Doch als El Assaouis Familie ins Walliser Bergdorf Vissoie zog, fand er dort nebst einem Volg und einer Metzgerei nur ein Eisfeld vor. Je länger sich der Sohn eines Marokkaners und einer Bretonin dort austobte, desto mehr bekam er jedoch Freude am Eishockey. Schliesslich führte ihn der Weg an die Sportschule nach Lausanne, wo er in die Nachwuchsabteilung des Lausanne HC integriert wurde.

«Ich habe von meinen Eltern gelernt, dass man hart arbeiten muss, um etwas zu erreichen»

Diese Einstellung und sein Talent führten El Assaoui bis in die Schweizer U19-Nationalmannschaft. Dort wurden die ZSC Lions auf den Romand aufmerksam, die den 18-Jährigen nach Zürich lockten. «Ich wusste, dass es hilfreich ist, Deutsch zu lernen», sagt El Assaoui. Worauf er sich einliess, wusste er weniger. «Meine Eltern unterstützten mich und sagten, im schlimmsten Fall kehrst du als zweisprachiger Mensch nach Hause. Das hilft dir auf jeden Fall.» Teil einer Promi-WG in Lausanne Doch El Assaoui blieb in der Fremde, weil er sich dort auf den Sport konzentrieren konnte. «Und weil damals in der Deutschschweiz professioneller gearbeitet wurde.» Von den GCK Lions wechselte der Verteidiger, der sich auf dem Eis auch als Provokateur einen Namen machte, zum ambitionierten Ligakonkurrenten La Chaux-de-Fonds und von dort in die NLA zu Langnau. Es folgte ein erfolgreiches Engagement bei Ambri und ein weniger erfolgreiches bei Kloten. Viel länger als ein Jahr hielt es der Eishockey-Nomade aber nirgendwo aus. Vielleicht, weil er weder eine Frau noch Kinder hat und so stets vogelfrei war. Sicher aber, weil er sich nebst dem Sport immer wieder um die Immobiliengeschäfte in Lausanne kümmern musste.

Sami El Assaoui (Mitte) spielte in seiner Karriere für verschiedene NLA-Clubs, hier mit den SCL Tigers gegen Kloten. Auch bei den Zürcher Unterländern stand er einst unter Vertrag. (Patrick B. Kraemer/KEY, Kloten, 7. März 2013)

Sami El Assaoui (Mitte) spielte in seiner Karriere für verschiedene NLA-Clubs, hier mit den SCL Tigers gegen Kloten. Auch bei den Zürcher Unterländern stand er einst unter Vertrag. (Patrick B. Kraemer/KEY, Kloten, 7. März 2013)

Bis vor einem Jahr unterhielt El Assaoui dort noch eine Promi-WG, der auch Sänger Bastian Baker und Fussballprofi Alexandre Pasche angehörten. Heute ist die Wohngemeinschaft Geschichte. «Aber mit Bastian verbindet mich noch immer eine enge Freundschaft», sagt El Assaoui. Er werde versuchen, ihn einmal nach Weinfelden einzuladen.

Servette konnte El Assaouis Lizenz nicht bezahlen

Der Thurgau ist El Assaouis neue sportliche Heimat geworden – wenn auch nur vorübergehend. Denn der Walliser sagt offen: «Ich will mich nochmals für die Nationalliga A aufdrängen.» Das lässt auf eine grosse Motivation des 27-Jährigen schliessen. Die Chance auf eine NLA-Rückkehr winkte ihm schon vergangene Saison, als er den HCT nach drei Wochen wieder Richtung Genf verliess. Servette befand sich damals aber in solch finanziellen Schwierigkeiten, dass es nicht einmal El Assaouis Lizenz bezahlen konnte. So besass der Verteidiger zwar einen einmonatigen Vertrag mit dem NLA-Club, durfte aber nie spielen. Schliesslich kehrte El Assaoui zu Thurgau zurück, wo er nach wenigen Partien mit durchtrennter Achillessehne das vorzeitige Saisonende verkünden musste.

In dieser Saison hat El Assaoui keinen Tryout-Vertrag mehr. Er hat sich ganz dem HCT verschrieben. Der Club bot ihm vergangene Saison die Chance, nach dem Konkurs seines Clubs Red Ice Martigny wieder in der NLB Fuss zu fassen. «Das schätze ich sehr.» Und deshalb sei er trotz anderer Offerten nach Weinfelden zurückgekehrt. Hier hat El Assaoui die Freude am Eishockey wiederentdeckt, die ihm nach enttäuschenden Erlebnissen in der NLA und Martignys Konkurs abhandengekommen war. «Ich habe wieder echte Kumpels und echte Freunde gefunden, nicht bloss Arbeitskollegen.» Auch werde bei Thurgau miteinander und nicht gegeneinander gearbeitet.

«Eine solch gute Truppe wie beim HC Thurgau findest du höchstens alle fünf Jahre.»

Deshalb habe er auch seinen Walliser Kompatrioten Melvin Merola davon überzeugt, zum HC Thurgau zu wechseln. Gemeinsam bilden sie die «French Connection» im HCT, teilen in Weinfelden eine Terrassenwohnung – und gehen wöchentlich gemeinsam ins Yoga. Beeindruckt ist El Assaoui auch von der Partnerschaft mit Rapperswil-Jona. «Im Welschland hätte es in einer Mannschaft grosse Unruhe gegeben, wenn vier neue Spieler dazugestossen wären. Hier wird das von allen als Vorteil betrachtet.» Da habe er gemerkt, dass das ein wirklich intelligentes Team sei. «Wir haben zwar wichtige Skorer verloren, doch die Basis der Mannschaft ist viel besser als letzte Saison.»

Eher zufällig die Nummer 1

Sami El Assaoui fällt beim HC Thurgau nicht nur durch seine offensive Spielweise auf. Der Verteidiger trägt auch die Nummer 1, was für einen Feldspieler sehr ungewöhnlich ist. Dabei hätte der frühere NLA-Profi ursprünglich die Nummer 92 oder die 74 gewollt. Weil diese aber bereits von Goalie Janick Schwendener beziehungsweise Ersatzgoalie Tim Bertsche besetzt waren, musste El Assaoui ausweichen. Mehr aus Jux machte er sich dafür stark, dass er die Nummer 1 bekommt. «Ich bin überhaupt nicht abergläubisch und eigentlich ist es mir egal, mit welcher Nummer ich spiele», sagt El Assaoui. Weil in der Swiss League sonst kein Feldspieler mit der 1 aufläuft, klärte der HC Thurgau beim nationalen Verband zuerst ab, ob das überhaupt dem Reglement entspräche. Als von Swiss Ice Hockey grünes Licht signalisiert wurde, erhielt für El Assaoui das Trikot mit der Nummer 1. (mat)

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