Salmsacher Gemüsebauer erhielt zu Unrecht Strafbefehl

Im letzten Oktober verurteilte das Bezirksgericht einen Schweinemäster wegen Gewässerverschmutzung. Am Freitag wehrte sich sein Nachbar an gleicher Stelle erfolgreich gegen den gleichen Vorwurf.

Markus Schoch
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Der Gemüsebauer lagerte Mist auf einer Betonplatte, ohne ihn abzudecken. (Bild: Benjamin Manser)

Der Gemüsebauer lagerte Mist auf einer Betonplatte, ohne ihn abzudecken. (Bild: Benjamin Manser)

Lange ging alles gut. Die beiden Nachbarn in Salmsach verstanden sich bestens und arrangierten sich miteinander. So durfte der Gemüsebauer die privaten Wege des Schweinemästers benutzten und den Lagerplatz für Kompost und Mist in dessen Güllegrube entwässern.

Doch dann wechselte der Schweinemast-Betrieb den Besitzer. Und damit war nichts mehr wie früher. Das Verhältnis kühlte sich zusehends ab. «Es gab Differenzen», sagte der Gemüsebauer gestern vor Gericht, ohne näher darauf einzugehen.  

Gemüsebauer setzt Behörden in Gang

Ein nicht unwesentlicher Grund dürfte gewesen sein, dass es 2015 und Anfang 2016 wiederholt zu Gewässerverschmutzungen der Salmsacher Aach gekommen war und der Schweinemäster im Verdacht stand, dafür verantwortlich zu sein, was er nach Meinung des Bezirksgerichts Arbon auch tatsächlich ist: Es verurteilte ihn dafür im letzten Oktober. Der Gemüsebauer ist daran nicht ganz unschuldig. Zumindest in einem Fall setzte er nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Behörden in Gang.

Das war am 3. Februar 2016. Wenige Tage später kam es dann zum Eclat.  Der Schweinemäster erklärte dem Gemüsebauern, dass alle mündlichen Vereinbarungen mit seinem verstorbenen Vorgänger keine Gültigkeit mehr hätten. Und er machte ernst: Der Schweinemäster versperrte mit einem Stein die Zufahrt zum Betrieb und kappte die Leitung vom Mistplatz des Gemüsebauern in seine Güllengrube, was diesem knapp vier Monate später zum Verhängnis werden sollte durch eine Verkettung unglücklicher Umstände.

Mitarbeiter macht zwei Fehler

Am 1. Juni hätte ein Vorarbeiter des Gemüsebauern Pferdemist ausbringen müssen, was er aber nicht tat, weil der Boden auf den Feldern zu nass war. Seinen Chef informierte er nicht über die Planänderung, und der Angestellte vergass zudem, den Misthaufen mit einer Blache abzudecken. Dummerweise fiel in der Nacht auch noch viel Regen. Dabei sei verschmutztes Wasser in nicht unerheblicher Menge ausgeflossen und in die Aach gelangt, wirft die Staatsanwaltschaft dem Gemüsebauern vor.  

Dieser ist sich keiner Schuld bewusst. Der Angestellte sei sehr pflichtbewusst, zuverlässig und im Umgang mit Mist erfahren gewesen. Er habe keinen Grund gegeben, ihm zu misstrauen.

«Ich habe 100 Mitarbeiter und kann nicht jeden immer kontrollieren.»

Es sei auch nicht so, dass er eine Gewässerverschmutzung bewusst in Kauf genommen habe, sagte der Gemüsebauer. Das Gegenteil sei richtig.

So schnell als möglich reagiert

Als Obmann der Fischpächter an der Aach sei ihm der Gewässerschutz ein grosses Anliegen. «Ich habe so schnell als möglich reagiert.» Er sei sofort ans kantonale Amt für Umwelt gelangt, als ihm sein Nachbar die Entwässerung des Mistplatzes abgehängt habe.

Dieses habe ihm unter anderem eine Überdachung der Betonplatte vorgeschlagen und ihm nahe gelegt, bei der Gemeinde eine dringliche Behandlung des Baugesuchs zu fordern, was er dann auch getan habe. Tatsächlich habe er die Baubewilligung aber erst Ende Mai 2016 in den Händen gehalten.

Rechtzeitig Unglück verhindert

Falsch sei überdies zu behaupten, er habe die Aach verschmutzt.

«Wir haben sofort alle Schächte kontrolliert und die Leitungen sicherheitshalber verstopft.»

Es sei kein Deziliter Dreckwasser in den Bach geflossen.  Nach Meinung des Bezirksgerichts gibt es tatsächlich keine Beweise für eine Gewässerverschmutzung. «Wir müssen zu Ihren Gunsten davon ausgehen, dass Sie noch rechtzeitig ein Unglück verhindert haben», sagte der vorsitzende Richter und sprach den Gemüsebauer frei. Er erhält eine Entschädigung von 5600 Franken. Die Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Staates.

Das Leiden der Aach hat kein Ende

SALMSACH. Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Am Samstag lief wieder verdünnte Gülle in die Aach. Und wieder aus dem gleichen Rohr wie zweimal vorher in den letzten Wochen. Schuld ist diesmal ein undichter Zapfen.
Markus Schoch