Salenstein
«Wir öffnen hier jetzt keine Flasche Champagner, das wäre unpassend»: Weshalb es auf dem Arenenberg neu eine Kopie des Grabes von Napoleon I. gibt

Heuer jährt sich der Tod von Napoleon I. zum 200. Mal. Nun wurde auf dem Arenenberg eine Kopie seines Grabes auf St.Helena installiert. Es ist Teil der Sonderausstellung, die am 10. Mai eröffnet wird.

Rahel Haag
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Hinter der Grabplatte, vor der Trauerweide: Daniel Brogle, Betriebsleiter Arenenberger Gärtnerei, Christina Egli, stellvertretende Direktorin des Napoleonmuseums, Urs Traber, Bildhauermeister, Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums und Peter Zadravec, Abteilungsleiter Kultur-Tourismus-Bildung-Landwirtschaft Schlossgut Arenenberg.

Hinter der Grabplatte, vor der Trauerweide: Daniel Brogle, Betriebsleiter Arenenberger Gärtnerei, Christina Egli, stellvertretende Direktorin des Napoleonmuseums, Urs Traber, Bildhauermeister, Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums und Peter Zadravec, Abteilungsleiter Kultur-Tourismus-Bildung-Landwirtschaft Schlossgut Arenenberg.

Bild: Kevin Roth

«Wir öffnen hier jetzt keine Flasche Champagner, das wäre unpassend», sagt Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums. Einen Grund zum Feiern gibt es dennoch: Am Dienstagnachmittag werden im Park von Schloss Arenenberg eine Sandsteinplatte und eine Trauerweide gesetzt. Das Besondere? Dabei handelt es sich um die Kopie des berühmten Grabes von Napoleon I. auf der Insel St.Helena.

Um genau zu sein, handelt es sich dabei um die Kopie der Kopie. Denn: Königin Hortense de Beauharnais, Stieftochter und Erbin Napoleons I., hatte ihre Schlossanlage auf dem Arenenberg bereits vor 200 Jahren zu einem Gedenkort gemacht. Damals hatte sie eine Trauerweide pflanzen lassen und vieles deutet darauf hin, dass unter dem Baum eine Grabanlage aus Stein existierte. Gügel sagt:

«Wir wussten schon lange, dass es im Park angeblich ein Napoleongrab gibt.»

Unter anderem hätten die kantonalen Verwalter des Arenenbergs schon über Generationen davon gesprochen. 2008 im Rahmen des ersten Teils der Restaurierung des Parks sei dann eine Grotte zum Vorschein gekommen. «Wir dachten, dass es sich dabei auch um das Grab handelt», sagt Gügel.

Daniel Brogle, Betriebsleiter der Arenenberger Gärtnerei, pflanzt mit einem Kollegen die Trauerweide.

Daniel Brogle, Betriebsleiter der Arenenberger Gärtnerei, pflanzt mit einem Kollegen die Trauerweide.

Bild: Kevin Roth

Vor rund einem Jahr sei dann aber eine Stereoaufnahme aufgetaucht, auf der eine grosse Trauerweide zu sehen sei. Ein klares Indiz, da Napoleon I. vor seinem Tod verfügt hatte, dass er unter einer Trauerweide begraben wird. «Nun waren wir sensibilisiert», sagt Gügel. Schliesslich hätten sie herausgefunden, dass das Grab in den Weinbergen liegen muss, sagt er und deutet auf die Reben hinter sich.

Genauer Standort bleibt geheim

Unterdessen sei auch klar, wo sich das Grab genau befinde. «Aus Sicherheitsgründen verraten wir es aber nicht», sagt Gügel. Sie wollten vermeiden, dass Leute mit «Klappspaten» auftauchten und sich auf die Suche nach dem Grab machten.

«Wir gehen übrigens davon aus, dass drei bis vier Meter Erde über dem Grab liegen ‒ entsprechend müsste man relativ lange graben.»
Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums.

Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums.

Bild: Reto Martin

Die archäologischen Untersuchungen sollen voraussichtlich bis 2023 erfolgen. Dann nämlich jährt sich der Todestag von Napoleon III. zum 150. Mal. Gügel sagt: «Die Untersuchungen sollen die Überleitung zur dann geplanten Sonderausstellung bilden.»

Eine Sonderausstellung gibt es auch in diesem Jahr. Sie startet am 10. Mai und trägt den Titel «1821 Napoleons Ende: St.Helena, Arenenberg und die Geburt einer Legende». Teil davon ist auch die Kopie des Napoleongrabes. Die graue Sandsteinplatte ist nach Paris ausgerichtet, 180 mal 90 Zentimeter gross und wiegt rund 700 Kilogramm. Gefertigt hat sie der Steckborner Bildhauermeister Urs Traber. Er sagt: «Für mich war es natürlich eine Ehre, die Platte gestalten zu dürfen.»

Die von Bildhauermeister Urs Traber gestaltete Sandsteinplatte.

Die von Bildhauermeister Urs Traber gestaltete Sandsteinplatte.

Bild: Kevin Roth

Die schlichte Platte wird durch ein grosses goldenes N ergänzt, das Traber in den Stein «gehauen» hat. Er habe sich an der damaligen Zeitsprache orientiert und den Buchstaben entsprechend flach und mit grossen Serifen entworfen.

«Ich habe noch nie einen so grossen Buchstaben gehauen.»
Urs Traber, Bildhauermeister.

Urs Traber, Bildhauermeister.

Bild: Andrea Stalder

Anschliessend habe ihn mit hauchdünnen Goldplättchen ergänzt. Den Rorschacher Sandstein habe er eigens ausgesucht. Die Oberfläche sei eine Naturfläche, sprich nicht bearbeitet. Traber sagt: «Wenn man genau hinschaut, sieht man noch das Meer.»

Selbst die Grabplatte auf St.Helena ist nur eine Kopie

Im Gegensatz zur Grabplatte auf dem Arenenberg ist jene auf St.Helena schmucklos, nicht einmal eine Inschrift gibt es. Christina Egli, stellvertretende Direktorin des Napoleonmuseums, hat das Grab auf der Insel mitten im Südatlantik besucht. Allerdings handle es sich auch dort nicht mehr die Originalplatte, sagt sie. «Ich weiss nicht, um die wievielte Platte es sich handelt.» Der Grund: Besucherinnen und Besucher hätten regelmässig ein Stück der Platte als Souvenir mitgenommen.

Die fehlende Inschrift begründet Egli damit, dass sich die Franzosen und Engländer nicht einig geworden seien.

«Die Franzosen wollten Napoleon als Kaiser bezeichnen, für die Engländer war er aber nur noch ein General.»
Christina Egli, stellvertretende Direktorin des Napoleonmuseums.

Christina Egli, stellvertretende Direktorin des Napoleonmuseums.

Bild: Andrea Stalder

Gügel ergänzt: «Wir hatten uns überlegt, die Platte auf dem Arenenberg ebenfalls leer zu lassen – doch das hätte kein Mensch begriffen.»