Rothenhauser bekommen den Halbstundentakt zurück - dank Dorfverein

Der Kanton Thurgau führt in Rothenhausen wieder den Halbstundentakt ein. Auslöser dafür war eine Petition des Dorfvereins

Sabrina Bächi
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Karin Kuratli und Thomas Armbruster forderten mit Erfolg bessere Busverbindung für Rothenhausen.

Karin Kuratli und Thomas Armbruster forderten mit Erfolg bessere Busverbindung für Rothenhausen.

(Bild: Andrea Stalder)

166 Rothenhauser haben gekämpft und gewonnen. Sie wollten den Halbstundentakt der Postauto-Verbindungen von und nach Weinfelden zu Stosszeiten zurück. Der Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember bedeutete das Aus dieser Verbindung. Die Pendler aus dem Dorf fühlten sich abgeschnitten – und wehrten sich.

Karin Kuratli und Thomas Armbruster sammelten mit anderen Mitgliedern des Dorfvereins mittels einer Petition Unterschriften. 166 kamen zusammen. Das beeindruckte Gemeinde und Kanton.

Die Abteilung Öffentlicher Verkehr hat daraufhin die nötigen Zahlen erhoben und verglichen. Das Resultat: «Ein Vergleich der Nutzer der Bushaltestellen in Bussnang mit jenen in Rothenhausen hat ergeben, dass die Nachfrage zur Hauptverkehrszeit in Rothenhausen im Vorjahr doppelt so hoch war, wie jene in Bussnang aus diesem Jahr.» Das schreiben der Kanton und die Gemeinde Bussnang in einer Mitteilung.

Schnell handeln, bevor sich Passagiere umgewöhnen

«Die Zahlen sprechen für sich», sagt Stefan Thalmann, Leiter Öffentlicher Verkehr beim Kanton. Er sagt:

Stefan Thalmann, Leiter Öffentlicher Verkehr beim Kanton

Stefan Thalmann, Leiter Öffentlicher Verkehr beim Kanton 

(Bild: PD)
«Wir haben uns geirrt. Wir dachten, dass Bussnang die Verbindung mehr braucht.»

Deshalb erhält Rothenhausen nun den Halbstundentakt zurück. Zumindest während der Hauptverkehrszeiten morgens und abends. Dies aber nicht erst auf den Fahrplanwechsel im kommenden Dezember, sondern bereits ab dem 4. Mai. «Die Gefahr besteht, dass sich die Pendler sonst an das neue Busangebot nach Bussnang gewöhnen und dann verärgert sind, wenn es im Dezember wieder wegfällt. Deshalb ist es gut, wenn wir so schnell wie möglich wechseln», sagt Thalmann.

Sehr ungewöhnlicher Fall

Dass innerhalb eines Jahres der Fahrplan gewechselt werde, passiere bei Baustellen öfters. So wie im Fall Rothenhausen sei dies jedoch sehr ungewöhnlich. Das Hin und Her im Fahrplan sei jedoch schon etwas unglücklich, gibt er zu. «Die Zahlen sind aber, wie gesagt, eindeutig.»

Schliesslich gehe es dem Kanton darum, einen ÖV anzubieten, welcher der Bevölkerung auch was bringt. Und: «Bussnang ist bereits sehr gut erschlossen», sagt er. Nebst einer halbstündigen Zugverbindung existiert zu den Hauptverkehrszeiten auch noch die Linie 935, welche vor allem für die Pendler zur Firma Stalder Rail in Bussnang gedacht ist. «Diese Linie wird von Stadler auch mitfinanziert», sagt Thalmann.

Künftig wird die Linie 722 Wil-Weinfelden von Montag bis Freitag zwischen 5.30 und 8.30 Uhr sowie zwischen 16.30 und 20.30 Uhr die drei Haltestellen in Bussnang nicht mehr anfahren. «Von Weinfelden kommend fährt der Bus nach Rothenhausen Dorf und dann nach Oberbussnang, wo er wieder auf den normalen Kurs trifft.»

Petitionäre sind stolz auf das Erreichte

«Für diesen Kompromiss sind wir sehr dankbar», sagt Karin Kuratli. Sie sei auch stolz auf das Erreichte, es habe viel Energie gekostet, für den Halbstundentakt zu kämpfen. «Der Kanton und die Gemeinde haben unser Anliegen sehr ernstgenommen, das finde ich super», sagt sie. Nun gehöre Rothenhausen wieder dazu.

Sie hofft nun, dass die Verbindung langfristig bestehen bleibt und das Corona-Virus nicht die Nutzungszahlen verfälscht.

Ruedi Zbinden, Gemeindepräsident von Bussnang, sieht die Angelegenheit sachlich: «Es handelt sich ja nicht um grosse Zahlen. In Bussnang waren es 9 Nutzer, in Rothenhausen 17», sagt er. Vor neun Uhr würden keine Besucher des Alterszentrums mit dem Bus kommen, von daher sei der Kompromiss angebracht. Dennoch: «Der Bahnhof in Bussnang liegt für die Besucher des Alterszentrums schlecht, deshalb ist die Busverbindung dort wichtig.»

Ruedi Zbinden, Gemeindpräsident Bussnang

Ruedi Zbinden, Gemeindpräsident Bussnang

(Bild: PD)

Rothenhausen selbst habe nicht viel Gewerbe, das erkläre die vielen Pendler. Die Nutzungszahlen zeigten jedoch, dass noch Luft nach oben bestehe.

«Wir hoffen, dass dieses attraktive Angebot nun umso besser genutzt wird.»
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