Rothenhausen
Nach Brand in Thurgauer Schweinestall: Tierschutzorganisation Peta reicht Strafanzeige ein

Beim Brand eines Schweinestalls in Rothenhausen sind am Montag vor einer Woche 150 Tiere ums Leben gekommen. Peta Schweiz will mit einer Anzeige nun den Tierhalter zur Rechenschaft ziehen und die politischen Akteure zu einem Umdenken zwingen.

Mario Testa
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Beim Brand des Schweinestalls in Rothenhausen kamen am 1. Februar 150 Schweine ums Leben.

Beim Brand des Schweinestalls in Rothenhausen kamen am 1. Februar 150 Schweine ums Leben.

Bild: Sabrina Bächi

150 Schweine sind am Montag vor einer Woche beim Brand eines Schweinestalls in Rothenhausen ums Leben gekommen. Die meisten ertranken, da der Kunststoffboden unter ihnen wegschmolz und sie in die darunter fliessende Gülle fielen. Nun hat die Tierschutzorganisation Peta Schweiz Strafanzeige gegen den Schweinehalter eingereicht.

«Laut Tierschutzgesetz muss, wer mit Tieren umgeht, sie vor Gefahren schützen. Wer dem ungenügend nachkommt, macht sich strafbar», sagt Ilana Bollag, Campaignerin bei Peta Schweiz. Der Schutz der Tiere sei in diesem Fall nicht gewährleistet gewesen. Bollag sagt:

«Es wird billigend in Kauf genommen, dass solche tragischen Fälle wie in Rothenhausen passieren.»
Ilana Bollag, Compaignerin bei Peta Schweiz.

Ilana Bollag, Compaignerin bei Peta Schweiz.

Bild: PD

Es bestehe deshalb auch dringender Handlungsbedarf seitens der Landwirte und der Politik. «Die gesetzlichen Vorgaben zum Brandschutz bei Gebäuden für Tiere sind völlig unzureichend – nicht so wie bei Menschen.»

Peta geht systematisch vor

Das Vorgehen der Peta mit Strafanzeigen ist nicht neu. Schon nach dem Stallbrand vom vergangenen Februar in Herdern, der 160 Schweinen das Leben kostete sowie kürzlich nach einem Brand im Berner Jura mit 50 toten Tieren, hat die Tierschutzorganisation Anzeigen gemacht. «Wir machen das systematisch bei solchen Fällen», sagt Ilana Bollag. Landwirte und Politik wolle Peta mit diesem Vorgehen dazu bringen, um Brandschutzmassnahmen für Tiere zu verbessern.

«Es muss sich dringend etwas ändern. Nicht nur, dass die Brandschutzmassnahmen im Tierbereich völlig unzureichend sind, es wird auch viel zu wenig kontrolliert.»

Die erwähnte Strafanzeige gegen den Rothenhauser Landwirt ist bei der Staatsanwaltschaft Thurgau noch nicht eingegangen. «Stand Mittwochnachmittag liegt uns keine entsprechende Strafanzeige vor», sagt Mediensprecher Marco Breu. Ermittlungen wegen des Brandes seien aber ohnehin im Gang. «Bei Tierschutzdelikten handelt es sich um Offizialdelikte, denen müssen wir von Amtes wegen ohnehin nachgehen.»

Verband nimmt Tierhalter in Schutz

In der Schweiz setzt sich der Verband Suisseporcs für die Interessen der Schweinezüchter und Produzenten ein. Der stellvertretende Geschäftsführer Adrian Schütz nimmt Stellung zu den Vorwürfen von Peta. «Die Brandschutzvorschriften sind gesetzlich festgelegt. Im Rahmen von Baubewilligungen werden Gutachten gemacht. Da hat man als Betrieb klare Vorgaben», sagt er zum Vorwurf, die Brandschutzmassnahmen für die Tierhaltung seien zu lasch.

«Unsere Bauernfamilien setzen die Vorgaben und ihre tägliche Arbeit verantwortungsvoll um. Wir dürfen da auch keine Empfehlungen geben, da alles klar gesetzlich geregelt ist.»

Der Peta gehe es mit der Strafanzeige einfach um Aufmerksamkeit, sagt Schütz. «Der Peta geht es um Spendengelder und den Veganismus. Es ist ihr Vorgehen, dass sie in solchen Fällen vorprescht.» Er findet die Strafanzeige unangebracht. «So ein Brandfall in Haus und Hof wünscht sich niemand. Für den Landwirt und sein Umfeld ist es ein persönliches Schicksal, unter dem er sowieso leidet und das ohnehin Ermittlungen nach sich zieht. Da braucht es nicht auch noch Strafanzeigen.»

Auch der betroffene Landwirt aus Rothenhausen nimmt Stellung zu den Anschuldigungen der Peta: «Wir haben die Tierschutzvorschriften eingehalten», sagt er. Er wertet die Brandschutzvorschriften als gut und auf seinem Hof auch sehr gut umgesetzt. «Die Vorgaben machen ja ohnehin das Baureglement und das Tierschutzgesetz. Wir müssen ja auch ständig investieren, um die neusten Vorgaben umzusetzen.» Die Strafanzeige der Peta nimmt er gelassen:

«Von einer solchen Organisation lass ich mich nicht einschüchtern.»