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Romanshorner Stadtpräsident: «Ich nehme das sehr ernst»

Gleich drei Kandidaten machen David H. Bon an den Erneuerungswahlen das Amt streitig. Im Gespräch bezieht er Stellung zu Kritik. Er will in der nächsten Legislatur Projekte abschliessen und sein Netzwerk zur Verfügung stellen.
Tanja von Arx
Freut sich nach wie vor jeden Tag, arbeiten zu gehen: David H. Bon im Gemeindehaus. Bild: Andrea Stalder

Freut sich nach wie vor jeden Tag, arbeiten zu gehen: David H. Bon im Gemeindehaus. Bild: Andrea Stalder

Herr Bon, gleich drei Kandidaten stellen sich für das Amt des Stadtpräsidenten zur Verfügung. Offenbar rechnen sie sich Chancen aus, Sie aus dem Amt zu drängen. Gibt Ihnen das zu denken?

Das ist ein positives Zeichen für Romanshorn. Wir haben die Arbeit so gut gemacht, dass es attraktiv ist, sich um die Stelle zu bewerben. Der eingeschlagene Weg ist im Grundsatz richtig, viele in der Bevölkerung können sich damit identifizieren.

Zum Vergleich: In Arbon zieht es niemand auch nur in Erwägung, gegen Dominik Diezi anzutreten, und der ist noch nicht einmal gewählt.

Über Arbon kann ich im Detail nichts sagen, das ist eine andere, durchaus attraktive Stadt. Auch in weiteren Gemeinden kandidieren mehrere, dann gibt es wieder Gemeinden, die niemanden finden. Ein breiter Wahlkampf spricht für die politische Kultur.

Man hört von verschiedener Seite Kritik. Wie erklären Sie sich die Entwicklung vor diesem Hintergrund?

Es gibt durchaus auch Kritik, was zum politischen Geschäft gehört. Eine Findungskommission hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, jemanden zu präsentieren und somit eine Auswahl zu stellen. Oft wurde dies während der Suche in den Vordergrund gestellt und weniger, dass sie den Stadtpräsidenten nicht mehr wollen.

Das stimmt nicht ganz. Grossratspräsident Turi Schallenberg (SP) und der Salmsacher Roger Martin (parteilos) wurden zwar portiert, Daniel Sommer (SVP) hat aber selbst die Initiative ergriffen und erhält nicht einmal die Unterstützung der eigenen Partei.

Als ich vor zwölf Jahren zum ersten Mal angetreten bin, war die Situation eine ähnliche. Ich und zwei andere haben gegen Norbert Senn (CVP) kandidiert, der dann das Rennen gemacht hat.

Die Kritik richtet sich vor allem nach dem Menschlichen, nach Vertrauen, Wertschätzung und Bürgernähe.

Ja, und es gab auch entsprechende Kritik an der Arbeit der Gesamtbehörde. Es wurden sicher Fehler gemacht, die es zu korrigieren gilt.

Sowohl die Arbeitgebervereinigung als auch die Findungskommission hinterfragen die hohe Fluktuation auf der Stadtverwaltung.

Als ich vor knapp acht Jahren angefangen habe, gab es viel Druck, die Arbeit zu bewältigen. Die Ausgangslage war denkbar schwierig, eine Stresssituation, die ich nicht beschönigen will. Die Situation hat sich aber stark stabilisiert. Dass Mitarbeiter nicht immer mit allem zufrieden sind, lässt sich nicht vermeiden.

Sie sprechen an, wie Sie als Parteimitglied der FDP einen CVPler aus dem Amt gedrängt haben.

Genau. Ich trat die Kanzlei ohne Personal und mit hohen Erwartungen an. Das war eine grosse Belastung für alle. Von einem Nullbestand aufzubauen braucht Zeit. Seit vier bis fünf Jahren ist die Situation in meinen direkten Zuständigkeitsbereichen stabil und ich erachte das Klima grundsätzlich als gut.

Die anderen Kandidaten sagen allerdings, das Klima stimme nicht immer ganz.

Ich kenne keinen der Kandidaten persönlich. Es wundert mich, dass Leute von weit weg sich zu Aussagen anhand vom Hörensagen verleiten lassen und ohne zu verifizieren. Ich möchte mir nicht anmassen, andere zu bewerten.

Was waren denn die Gründe für die vielen Personalwechsel?

Es gab eine (Früh-)Pensionierungswelle wegen den damals noch sehr hohen Umwandlungssätzen und Ausfinanzierungen. Viele junge Leute gehen wieder, wenn sie ihre Ziele erreicht haben. Vereinzelt, und das will ich nicht in Abrede stellen, haben uns Leute verlassen, weil sie mit den Anforderungen oder mit den Vorgesetzten, auch den Ressorts, nicht klar kamen. Ein Personalwechsel hat heute auch keine so grossen Auswirkungen mehr.

Inwiefern?

Früher war alles sehr personenzentriert. Wir waren abhängig von der Erfahrung Einzelner. Mit der Umstellung auf eine papierlose Verwaltung ist die Arbeiten und Abläufe gut dokumentiert. Jemand Neues kann schnell einsteigen. Und über eine neue, flachere Hierarchie erhielten die Angestellten mehr Raum, es wird aber auch mehr verlangt.

Abrundend: Würden Sie heute etwas anders machen?

Ich habe vielleicht den Umgang mit meinen Ansprüchen an das Personal unterschätzt. Es war mir zu Beginn nicht bewusst, wie anders die Arbeitsumgebung war, als die, aus der ich kam. Ich denke viel darüber nach, und ich muss auch kontinuierlich lernen und an mir arbeiten. - Grundsätzlich bin ich sehr transparent, man weiss bei mir, woran man ist.

Ein Beispiel?

Es kamen Sachen zutage, mit denen man die Betroffenen konfrontieren musste. Wenn das Problem erkannt ist, muss man aufräumen und verbessern. Generell sind Turnaround-Phasen schwierig, aber wir haben auch schon viel erreicht.

Inwiefern?

Beispiel Jugendherberge: Sie ist wieder auf Vordermann. Jährlich wurden zirka 150000 Franken Steuergelder aufgewendet bei schlechter Performance, heute schreiben wir eine schwarze Null, konnten das Label halten und wurden sogar in der Klassierung aufgestuft.

Auch im Stadtrat soll das Klima nicht immer optimal gewesen sein.

Die Behörden werden von der Bevölkerung zusammengewürfelt. In einer Kollegialbehörde sind alle aufgefordert, sich zusammenzuraufen. Mit neun Leuten haben Sie eine andere Gruppendynamik als mit fünf. Die Ressorts haben viel Kompetenz und Einfluss. Der Präsident kann nur moderieren.

Es hört aber gerade die Mehrheit auf, nämlich fünf von neun.

Diese haben klar kommuniziert, ihre Rücktritte hätten nichts mit mir zu tun.

Bis auf Petra Keel (SP).

Ja, wir haben wirklich ein anderes Führungsverständnis. Sowohl, was Regeln als auch die Governance anbelangt. Es kam dazu, dass jemand Neues den Weg erst finden muss: Man kommt mit Begeisterung und wird wie üblich im politischen Prozess gebremst. Inhaltlich stimmen wir aber grossmehrheitlich überein. – Und noch was.

Was?

Das Klima war in meiner ersten Legislatur anders als in der zweiten. Rückblickend denke ich, das hat mit Max Sommer, Ressort Hoch- und Tiefbau, sowie Danilo Clematide, Ortsplanung und Baurecht, zu tun. Beide waren durch ihre jahrzehntelange Erfahrung Säulen, auf welche sich die Behörde fachlich und verfahrenstechnisch stützen konnte. Mit den Rücktritten gab es ein grosses Vakuum, das man nicht so leicht auffangen konnte.

Stichwort Planung: Kritisiert wurde auch, dafür sei zu viel Geld ausgegeben worden.

Das muss ich dezidiert zurückweisen. Zudem ist Ortsplanung eine gesetzliche Aufgabe. In Romanshorn hat es alles: Jugendstilhäuser, zweistöckige Fischerhäuser, ein neunstöckiger Rütihof. Neue Grundlagen zu erarbeiten ist vor allem in der Innenstadt sehr anspruchsvoll. Für diese komplexe Umgebung musste im Auftrag des Kantons ein neues Instrument entwickelt werden. Unsere Stadtplanung wird zudem von Investoren sehr begrüsst. – Wir planen aber nicht nur, sondern haben auch konkrete Dinge wie die Hafenpromenade sofort umgesetzt.

Nicht verbunden fühlen sich viele mit der in ferner Zukunft angedachten Passerelle über den Bahnhof.

Wir hatten unter anderem im Zuge der Expo-Diskussion eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Die Bevölkerung wird letztlich bestimmen, ob es mit dem Projekt weitergeht.

Sie sagten im Vorfeld, Sie wollten den eingeschlagenen Weg weitergehen.

Ich möchte am bisher Geleisteten anknüpfen, gewisse Punkte mit der Bevölkerung aber auch hinterfragen. Ich will mich auch weiterentwickeln und der Stadt dabei mein breites Netzwerk zur Verfügung stellen. Ich mache das Amt nach wie vor gerne, es liegt mir und ich freue mich jeden Tag arbeiten zu gehen.

Wie sieht Ihr Wahlkampf aus?

Ich habe eine neue Webseite. Hinzu kommen einige Plakate, Flyer im Seeblick und Standaktionen. Aber im Mass und alles erst seit kurzem. Als Amtierender wollte ich mich zurückhalten.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Da möchte ich keine Prognose abgeben. Entscheiden die Stimmbürger emotional, ist alles möglich. Ich nehme das sehr ernst. Dennoch bin ich zuversichtlich. Ich bin lernfähig, habe Erfahrung und nicht alles falsch gemacht.

Stichworte

Alleestrasse Zentrum mit Einkaufsmöglichkeiten, das es zu fördern gilt. Investoren Wünschen sich Verlässlichkeit. Vertrauen Muss man sich als Politiker täglich erarbeiten. Hafen Seit Jahrzehnten unbestritten das Herz der Stadt. Schweizerische Bodensee-Schifffahrt Gehört zur DNA der Stadt. (tva)

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