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Romanshorner Radio-TV-Geschäft schliesst nach 30 Jahren

Ende Juli hört Walo Bohl auf. Leid tut es ihm vor allem um seine alten Kunden.
Der 55-Jährige sucht jetzt einen Job. Jammern will er nicht.
Markus Schoch
Walo Bohl muss sich beruflich neu orientieren. (Bild: Donato Caspari)

Walo Bohl muss sich beruflich neu orientieren. (Bild: Donato Caspari)

Herr Bohl, Sie schliessen Ende Monat Ihr Radio-TV-Geschäft. Warum?

Es sind die Veränderungen, die der Detailhandel durchmacht, insbesondere auch die Elektronikbranche.

Was heisst das konkret?

Es ist in erster Linie der Internethandel, über den heute vieles läuft. Dazu kommt, dass vieles einfacher geworden ist. Wir bauen keine Satelliten- oder Kabel-TV-Anlagen mehr, für die es ein gewisses Know-how braucht. Heute kann man ein Gerät bestellen, anschliessen - und es funktioniert.

Und der Einkaufstourismus?

Der ist in unserem Fall nicht so ein Thema. Es ist nicht so viel günstiger im Ausland.

Es braucht Radio-TV-Geschäfte einfach nicht mehr?

Das ist zu drastisch formuliert. Es gibt ein Kundensegment, das auf uns angewiesen ist.

"Selbst die Grossen haben zu Kämpfen."

Wen meinen Sie?

Tendenziell eher die älteren Menschen. Es gibt immer noch Personen, die nicht gerne ein Kabel einstecken. Oder nicht weiter wissen, wenn sie auf den falschen Knopf auf der Fernbedienung gedrückt haben. Um sie tut es mir leid.

Es gibt kein anderes Radio-TV-Geschäft am Ort?

Nein.

Womit verdienen sie heute noch Ihr Geld?

Einerseits mit dem Verkauf und andererseits mit der Installation beziehungsweise Inbetriebnahme von Geräten vor Ort. Dazu kommt die Kundenbetreuung bei Problemen.

Seit wann läuft es nicht mehr richtig gut?

Im Verlaufe des letzten halben Jahres hat es sich nochmals akzentuiert.

Geht es anderen in der Branche gleich?

Ja, wenn man dem glaubt, was man so hört. Selbst die Grossen haben zu Kämpfen. Aber es geht anderen Branchen nicht besser.

Sind Sie verbittert?

Nein, es ist der Lauf der Zeit. Es liegt mir fern, jemandem vorzuschreiben, wie und bei wem er einkaufen muss. Ich will deshalb auch nicht jammern. Ich habe es 30 Jahre gemacht, und gerne gemacht.

"Die alten Kunden fragten sich, was sie jetzt tun sollen, wenn sie ein Problem haben."

Kaufen Sie selber auch online ein?

Eigentlich nicht. Wir brauchen auch nicht mehr so viel, meine Frau und ich, seit die Kinder aus dem Haus sind. Lebensmittel kaufen wir frisch vor Ort. Für das andere machen wir hin und wieder eine Shoppingtour.

Ist Ihnen der Entscheid schwergefallen, das Geschäft auf Ende des Monats zu schliessen?

Der Entscheid fiel nicht von einem Tag auf den anderen. Es war absehbar, dass der Tag kommen würde, wo wir ihn treffen müssen. Anfang Jahr haben wir uns dann gesagt, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist. Die Wirtschaft ist ja nicht in einer Krise, sodass wir auf bessere Zeiten hätten hoffen können.

Wie waren die Reaktionen?

Die meisten sagten im ersten Satz, sie seien erstaunt. Im zweiten Satz äusserten dann aber viele grosses Verständnis, weil sie um die Schwierigkeiten des Detailhandels wissen. Die alten Kunden fragten sich, was sie jetzt tun sollen, wenn sie ein Problem haben.

Ihre Antwort?

Sie können mich anrufen, auch wenn ich das Geschäft nicht mehr führe. Wenn ich Zeit habe, stehe ich weiter für sie zur Verfügung.Mir war es immer wichtig, dass ich jedem im Dorf in die Augen schauen kann.

Ist Romanshorn ein besonders schwieriges Pflaster für den Detailhandel?

Ich habe kürzlich mit Berufskollegen in Kreuzlingen beziehungsweise im Rheintal gesprochen. Es geht ihnen nicht besser. Der eine hat sich auf Überwachungsanlagen spezialisiert, weil er mit dem anderen kein Geld mehr verdient. Was ich damit sagen will: Es ist an anderen Orten nicht anders.

Wie sehen Sie die Zukunft des Detailhandels in Romanshorn?

Eher dunkel.

"Die Politik kann die Veränderungen im Einkaufsverhalten nicht aufhalten. Die Welt bewegt sich."

Die Stadt versucht, unter anderem mit einem neuen Verkehrsregime im Zentrum Gegensteuer zu geben. Was halten Sie davon?

Das ist sicher eine begrüssenswerte Massnahme, sie löst die Probleme des Detailhandels aber nicht.

Der Präsident des örtlichen Gewerbevereins fühlt sich angesichts der Entwicklung im Detailhandel etwas hilflos und hat ein Stück weit resigniert. Lässt sich tatsächlich nichts machen über die Verbesserung der Rahmenbedingungen?

Die Politik kann die Veränderungen im Einkaufsverhalten nicht aufhalten. Die Welt bewegt sich.

Sie sind 55 Jahre alt und müssen sich beruflich neu orientierten. Was machen Sie?

Ich suche einen Teilzeitjob mit einem 50- bis 80-Prozent-Pensum neben meinem Mandat als Sekundarschulpräsident.

Was für eine Stelle suchen Sie?

Etwas Technisches im Heimelektronik-Bereich oder im Kundendienst. Ich bin aber auch offen für etwas ganz anderes. Ich war deshalb auch im Berufsinformationszentrum, um zu sehen, was es überhaupt alles gibt. Es ist nicht ganz einfach.





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