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Pizza-Terror in Romanshorn: Rollstuhlfahrer wird mit unerwünschten Lieferungen gemobbt

Ein Unbekannter macht dem politisch aktiven Rollstuhlfahrer Silvan Mumenthaler das Leben schwer. Und zwar mit Anrufen, sexistischen SMS und E-Mails. Jetzt geht der Betroffene rechtlich vor.
Tanja von Arx
Ohne Bestellung geliefert: Silvan Mumenthaler erhielt Pizzen im Wert von 560 Franken. Bild: Getty

Ohne Bestellung geliefert: Silvan Mumenthaler erhielt Pizzen im Wert von 560 Franken. Bild: Getty

Silvan Mumenthaler staunte nicht schlecht. Der Rollstuhlfahrer, der insbesondere als politischer Gegner des geplanten Spielplatzes «RobinsHorn» auf der Bunkerwiese bekannt ist, erhielt Pizzen von sieben Kurieren innerhalb von nur drei Stunden: vom Pinocchio in Amriswil, von der Pizzeria La Luna, der Host Pizzeria, der Pizzeria Casello, vom Kreisel Take-Away, von der Pizzeria Falken de Massimo und vom Ali Baba Pizza und Kebab Kurier. Gesamtwert: rund 560 Franken.

Die Polizei konnte nicht weiterhelfen

Das war im September 2017. Doch der nennenswerte Streich sollte nicht der einzige bleiben – über die Feiertage passierte dasselbe. Auch die benachrichtigte Polizei konnte nicht weiterhelfen.

Erst vor Kurzem buchte jemand zudem in seinem Namen eine Kreuzfahrt mit der AIDA. Und: Offenbar reservierte dieser Jemand auch im Park-Hotel Inseli ein Doppelzimmer superior für ihn. Plus drei Erwachsene und ein Kind, vom 17. bis 29. Januar, liest sich in der Auftragsmail.

Eine Intimrasur und die Zeugen Jehovas

Dem voran gingen Dutzende Anrufe von anonymen Nummern, E-Mails mit Newslettern etwa von Blick, 20min oder OBI, für die Mumenthaler offenkundig jemand angemeldet hatte. Ausserdem erhielt er Kontaktanfragen von den Zeugen Jehovas und die Rückmeldung auf eine scheinbare Anmeldung als Mitglied der SP. Ebenso die Nachfrage in Bezug auf auf eine Fünfeinhalb-Zimmer-Wohnung der Immobilienfirma Thoma AG. Es machte denn auch keinen Halt vor einer Intimrasur bei Ruth Davoli in Frauenfeld oder vor Umzugsofferten des Transportunternehmens MOVU.

Durchaus Terror, wie Silvan Mumenthaler selbst sagt. Denn die aufgezählten Vorkommnisse entsprechen lang nicht der Vollständigkeit. Es sei immer nach dem gleichen Muster abgelaufen: «Versandt worden sind die Nachrichten von Sonntagabend auf Montag und in der Mittwochnacht.»

Die Frau ist in ärztlicher Behandlung

Zuletzt gingen sexistische SMS bei Silvan Mumenthalers Frau Elke ein. Zwar hat sie die Handy-Nummer im Herbst 2017 gewechselt. Doch das brachte nichts. Heute ist sie deshalb in ärztlicher Behandlung. «Der Psychiater hat das Ganze zuerst gar nicht geglaubt», sagt ihr Mann. Sie hätten ihm dann den Strafantrag gezeigt. Auf sich beruhen lassen konnten und wollten Elke und Silvan Mumenthaler das alles indes nicht, sie fühlten sich massiv belästigt.

Silvan Mumenthaler, Stalking-Opfer. Bild: Benjamin Manser

Silvan Mumenthaler, Stalking-Opfer. Bild: Benjamin Manser

Als sie schon vor gut einem Jahr zuerst bei der Polizei anklopften, teilte ihnen diese mit, es könnte bei Eingreifen nur noch schlimmer werden. Im Mai und im Juni diesen Jahres machten Elke und Silvan Mumenthaler daraufhin einen dreiteiligen Strafantrag gegen unbekannt. Die Inhalte: Unter anderem unbefugte Datenbeschaffung, Betrug, arglistige Vermögensschädigung, Ehrverletzung, üble Nachrede, Verleumdung, Missbrauch einer Fernmeldeanlage und Urkundenfälschung. Die Staatsanwaltschaft Bischofszell untersuchte rund ein halbes Jahr lang. Am 10. Dezember teilte sie allerdings mit, dass das Verfahren eingestellt worden sei. Im entsprechenden Schreiben steht: «Die Rückverfolgung der Täterschaft blieb erfolglos.» Weitere Ermittlungen würden zu keinem Resultat führen, so dass «zum jetzigen Zeitpunkt keine Anhaltspunkte zum Begehungsort und zur Täterschaft vorliegen».

Dem Unbekannten droht lediglich eine Busse

Silvan Mumenthaler ist ernüchtert. Nur im Falle einer positiven Rückmeldung könnte man beim Gericht den Antrag auf einen Trojaner stellen. Doch auch dann müsste die verdächtigte Person das Spiel nochmals spielen, damit eine Straftat erwiesen sei. Und sogar wenn: «Der Person droht lediglich eine Busse von ein paar Hundert Franken.»

Sechs Tage nach Einstellung des Verfahrens habe alles wieder von vorn angefangen. «Ich habe einen neuen Strafantrag gestellt», sagt Silvan Mumenthaler.

Ein Müllwagen mit der Aufschrift «Elkes Arsch»

Und vor wenigen Tagen seine Frau ebenfalls. Elke Mumenthaler habe eine elektronisch versandte Postkarte erhalten. Darauf ein Müllwagen mit der Aufschrift «Elkes Arsch». Silvan Mumenthaler ist zuversichtlich: «Die Karte enthält einen unsichtbaren Code, über den das Handy ermittelt werden kann.»

Auf die Frage, ob sie jemanden in Verdacht haben, sagt er: «Wir denken, der Kreis beschränkt sich auf drei bis vier Leute.»

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