Romanshorn
«Stark ein Volk, das Schwache schützt»: Vreni Schawalder hielt die Rede an der Bundesfeier in der katholischen Kirche

Mit klaren und humorvollen Worten nahm die ehemalige Regierungsrätin Bezug zum 50-Jahr-Jubiläum des Frauenstimmrechts in der Schweiz. Sie sprach über Liedermacher Mani Matter, das fortschrittliche Romanshorn und den neuen Schweizerpsalm.

Markus Bösch
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Die ehemalige SP-Regierungsrätin Vreni Schawalder spricht an der Bundesfeier in Romanshorn.

Die ehemalige SP-Regierungsrätin Vreni Schawalder spricht an der Bundesfeier in Romanshorn.

Bild: Reto Martin

Die Lieder von Mani Matter haben sie zeitlebens begleitet und waren für sie zuweilen Richtschnur bei politischen Entscheidungen und ihren Engagements – so zum Beispiel das «Dene wos guet geit, giengs besser …»: «Auch wenn dessen Inhalt mich bis heute durchs Leben leitet, soll das vor 50 Jahren eingeführte Frauenstimmrecht heute Thema sein», sagte Vreni Schawalder am Sonntag an der Bundesfeier in der katholischen Kirche.

An der Urne seien die Frauen damals noch nicht willkommen gewesen, im Portemonnaie allerdings schon. In der Form der Helvetia auf verschiedenen Münzen. Schawalder sagte:

«Wahrscheinlich war den Männern noch nicht bewusst, dass gemischte Teams im Privatleben wie auch in der Politik bessere Ergebnisse erzielen.»

Sie habe beim Verfassungsartikel zum Umweltschutz erstmals abstimmen können – der in Romanshorn mit 94,7 Prozent angenommen worden war. «Auch darum kamen wir als junge Familie in diesen fortschrittlichen Ort», sagte die ehemalige SP-Regierungsrätin.

Weitere Strassennamen für Frauen?

Immerhin hätten in den vergangenen 13 Jahren in Romanshorn je sieben Frauen und Männer an der Bundesfeier gesprochen. Diese Ausgeglichenheit fehle allerdings bei den Strassennamen, wo 15 von Männern und nur zwei von Frauen «besetzt» seien:

«Neben Maria Stader und Martina Hälg-Stamm hätte da auch Dora Labhart-Röder Ehrung verdient, zumal sie die erste Thurgauer Anwältin gewesen ist.»

Und weiter sagte Schawalder: «Zum gemeinsamen Feiern gehören aus meiner Sicht auch jene 600 Frauen, die heute auf dem Rütli den neuen ‹Schweizerpsalm› singen: ‹… Freiheit, Unabhängigkeit, Frieden. Offen für die Welt, in der wir leben, lasst uns nach Gerechtigkeit streben …›» Schawalder rief dazu auf, Sorge zu uns und der Schweiz zu tragen – ganz nach Matters Motto «Giengs dene besser, wos weniger guet geit».

Sich mit Respekt begegnen

Auch Stadtpräsident Roger Martin nahm Bezug auf das Jubiläum: «Ob nun hinter einem starken Mann eine starke Frau steht oder umgekehrt: Partnerschaften und Teams sind dann stark, wenn die Beteiligten stark sind und sich unterstützen. In einer komplexen Welt gilt es, einander mit Respekt zu begegnen». Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Musikverein unter der Leitung von Reto Meier.

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