ROMANSHORN
Mocmoc und der Bahnhofplatz: Nichts und niemand bleibt verschont

Grosse Politik und Lokalkolorit: Bänz Friedli begeisterte die Bistro-Besucher mit Dialekt, Witz, Weltbewegendem und Musik.

Markus Bösch
Merken
Drucken
Teilen
Bänz Friedli bei seinem Auftritt auf der Romanshorner Aulabühne.

Bänz Friedli bei seinem Auftritt auf der Romanshorner Aulabühne.

Bild: Markus Bösch (Romanshorn, Juni 2021)

Er weiss, wo er zu Hause ist und wo er auftritt: Nach dreimaligem Verschieben konnte Bänz Friedli endlich auch auf der Aulabühne im Rahmen der Bistro-Veranstaltungen auftreten. Während zweier Stunden unterhielt er das Publikum mit seinen ihm eigenen Mundarten, immer wieder auch durchsetzt mit Thurgauer Dialekt und Romanshorner Eigenheiten.

Von kantonal über national bis zu global

Mocmoc kam wieder zu Ehren und dann immer wieder auch der Bahnhofplatz. Während das Fabelwesen herhalten musste für fast alle Gründungsmythen, die «doch allesamt nicht stimmen und so ganz anders geschehen sind, als sie erzählt werden, braucht der dazugehörende Bahnhofplatz ganz dringend ein Update. Oder, um es klar zu sagen: Er gehört umgestaltet, um nicht zu sagen gesperrt. So wie die Strassen am Lenz».

Gleichwohl nimmt Friedli auch Bezug auf kantonale Befindlichkeiten, nationale Abstimmungen und internationale Politik: So werden Fussballklubs zu Ersatzreligionen – überhaupt ist doch alles Religion –, Fussballspieler zu erdverbundenen Sportwagenfahrern, Bauern zu Subventionsempfängern, die damit ihre Abstimmungskampagne finanzieren, Gemeindeschreiber zu Dorfkönigen und Politiker zu jenen, die mehr Schein als Sein verbreiten.

Komödiantisch und scharfzüngig

Und immer tut Friedli es mit seinem ihm eigenen dialektreichem Komödiantentum und gleichzeitig scharfzüngiger Ernsthaftigkeit. Etwa, wenn der Thurgau mit Echinaforce und einem seit seiner Geburt maskenlosen Kantonsrat zu humorvollen Ehren kommt, wenn Männer Frauen als Gespielin oder auch als Verwaltungsrätin bestellen können oder wenn Kosewörter und Kindernamen plötzlich in den Mittelpunkt rücken.

Schliesslich endet die Tour d’Horizon mitsamt rotem Faden wieder in der Hafenstadt mit ihren zahlreichen parteilosen Mandatsträgern. Nicht zu vergessen Elvis Presley, Friedlis Vorbild, den er durch das zweistündige Soloprogramm mitnimmt, mitsamt seinen Liedern, die er immer wieder passend anstimmt und einbindet.