Romanshorn
Erleichterung trotz tiefroten Zahlen: Die Rechnung der Stadt schliesst mit einem Minus von 4,5 Millionen Franken ab

Der schlechte Abschluss ist eigentlich ein guter. Denn es hätten im schlimmsten Fall über 10 Millionen Franken Rückschlag sein können. Doch die Ausfinanzierung der Pensionskasse wird voraussichtlich billiger als befürchtet. Und auch das operative Ergebnis ist viel besser als erwartet.

Markus Schoch
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Gemeindehaus von Romanshorn: Der Stadtrat legt trotz roten Zahlen eine unerwartet gute Rechnung vor.

Gemeindehaus von Romanshorn: Der Stadtrat legt trotz roten Zahlen eine unerwartet gute Rechnung vor.

Bild: Reto Martin

Die Stadt kommt mit einem blauen Auge davon. Die Rechnung des Jahres 2020 ist zwar tiefrot, aber trotzdem erfreulich für die Steuerzahler. Denn der Verlust hätte noch viel höher ausfallen können wegen der Auflösung der Pensionskasse der Stadt, die unter anderem wegen schlechter Anlagetaktik und der Teilkapitalisierung in finanzielle Schieflage geraten war. Der Wechsel der Mitarbeiter zur Pensionskasse Thurgau auf Anfang dieses Jahres hin schlägt voraussichtlich mit 7,7 Millionen Franken bei der Stadt zu Buche, womit der beste Fall eintreten würde. Das Worst-Case-Szenario ging von 11 Millionen Franken aus.

Stadtpräsident Roger Martin sagt:

Stadtpräsident Roger Martin.

Stadtpräsident Roger Martin.

Bild: Reto Martin
«Wenn mir jemand im letzten Jahr gesagt hätte, es kostet uns nur diesen minimalen Betrag, hätte ich sofort unterschrieben.»

Zumal der Einkauf für diese Summe sogar mehr wert ist als erwartet. Berechnungsgrundlage war ein Deckungsgrad von 100 Prozent. Tatsächlich sind es jetzt 102,4 Prozent. Grund für die günstige Entwicklung seien die boomenden Börsen, sagt Thomas Burri, der Finanzchef der Stadt Romanshorn.

Operatives Ergebnis: 2,2 Millionen Franken im Plus

Auch sonst haben die Verantwortlichen der Stadt allen Grund, zufrieden zu sein. Budgetiert war für das Jahr 2020 ein Defizit von 241'431 Franken, operativ schloss die Rechnung jedoch mit einem Plus von rund 2,2 Millionen Franken ab. Nur wegen der Bereinigung des Pensionskassen-Problems resultiert am Schluss ein Verlust von 4,5 Millionen Franken. Das Eigenkapital (Bilanzüberschuss) bleibe unter Berücksichtigung des Defizits mit 6,61 Millionen Franken (2019: 7,34 Millionen Franken) trotzdem solide, schreibt die Stadt in einer Mitteilung. Burri sagt:

Thomas Burri, Abteilungsleiter Finanzen und Steuern.

Thomas Burri, Abteilungsleiter Finanzen und Steuern.

Bild: Donato Caspari
«Grundsätzlich zeigt die Entwicklung in die richtige Richtung.»

Massgeblich zum erfreulichen operativen Ergebnis beigetragen haben um rund 800'000 Franken tiefere Kosten bei den Sozialen Diensten (unter anderem wegen glücklichen Wendungen bei der Platzierung von Kindern), zusätzliche Einnahmen beim Lastenausgleich des Kantons für Sozialausgaben für Vorjahre (rund 215'000 Franken) und Minderausgaben von rund 250'000 Franken aufgrund eines Systemwechsels bei der Individuellen Prämienverbilligungen (IPV); Personen mit steuerbaren Vermögen sind nicht mehr anspruchsberechtigt. Dazu kam ein nicht budgetierter, für 2020 und 2021 befristeter IPV-Lastenausgleichsbeitrag des Kantons von 330'000 Franken. Zudem überstiegen die ordentlichen Steuereinnahmen mit 16,2 Millionen Franken das Budget um 66'000 Franken.

Steigende Gesundheitskosten werden zunehmend zum Problem

Auf der anderen Seite bewirkten die anhaltenden Kostensteigerungen im Gesundheitswesen (stationäre und ambulante Krankenpflege) rund 108'00 Franken höhere Ausgaben als budgetiert. Martin sagt:

«Diese Entwicklung wird zu einem zunehmenden finanziellen Problem.»

Kosteneinsparungen und geringere Ausgaben in anderen Funktionen und Aufgaben konnten die Mehrausgaben jedoch mehr als kompensieren. Allein die schon vor Jahren beschlossenen sogenannten Haushaltssichernden Massnahmen haben die Rechnung wieder um rund 800'000 Franken entlastet. Die Ausgaben für die allgemeine Verwaltung liegen um rund 400'000 Franken unter Budget, unter anderem weil Ausbildungen beispielsweise bei der Feuerwehr wegen Corona auf Sparflamme liefen.

Die Investitionsrechnung für das Jahr 2020 weist Nettoausgaben von 2,65 Franken gegenüber dem Budget von 6,64 Millionen Franken aus. Grund für die Differenz ist hauptsächlich der Umstand, dass die Steganlage im Bootshafen wegen eines Streits im letzten Jahr nicht wie vorgesehen ersetzt werden konnte. Die Ernst Fischer AG als Mitbewerber für den Auftrag wehrte sich bekanntlich, weil die Stadt den Auftrag an eine französische Firma vergeben hatte. Das Verwaltungsgericht wies die Klage im letzten November ab.

Finanzkennzahlen

Ausfinanzierung der Pensionskasse hinterlässt Spuren

Zur Selbstfinanzierung stehen inklusive Veränderungen in den Spezialfinanzierungen 0 Franken zur Verfügung. Effektiv ergibt sich wegen der Ausfinanzierung der Pensionskasse eine Selbstfinanzierung von Minus 2,25 Millionen Franken. Bei Nettoinvestitionen der Stadt von 2,65 Millionen Franken resultiert ein Selbstfinanzierungsgrad von 0 Prozent (Minus gibt es nicht bei dieser Kennzahl). Das Nettovermögen Ende 2019 reduzierte sich von 5,85 Millionen Franken respektive 522 Franken pro Einwohner, auf 1,00 Millionen Franken respektive 89 Franken pro Einwohner per Ende 2020. Ende 2020 lebten 11‘258 Personen (plus 0,43 Prozent) in der Hafenstadt. Die Steuerkraft aller Einwohnerinnen und Einwohner sank von 2040 Franken um 30 Franken auf 2010 Franken. Grund ist die 2019 vom Stimmvolk beschlossene Steuerreform (Staf), die Ausfälle bei den juristischen Personen zur Folge hatte. 2019 betrug das kantonale Mittel 2202 Franken. (mso)

Zur Rechnung 2020 ist keine Gemeindeversammlung, sondern am 13. Juni eine Urnenabstimmung vorgesehen. Am 10. Mai findet zudem für Interessierte online eine Präsentation mit Fragerunde via Videokonferenz statt.